Horst-Dieter Speckmann, Thomas Tönnesmann, Henkel: Erfolgsrezepturen

GVmanager_06_07_2013

Willst du viel, spül mit ….? Und von welchem Waschmittel man weiß, was man hat, kann dank der lang-jährigen Fernsehwerbung auch fast jeder beantworten. „Dieses starke Markenimage wollten wir uns auch beim Wiedereintritt mit Wasch- und Reinigungsmitteln in den Großverbrauchermarkt zunutze machen“, erläutert Thomas Tönnesmann, Vice President Wasch- und Reinigungsmittel Groß-verbrauch bei Henkel, die Beweggründe, die Markennamen Persil, Pril und Somat zu übernehmen, obwohl sich die Zusammen-setzung der Profiprodukte grundsätzlich von den haushaltsüblichen unterscheidet. Mehr dazu haben der Leiter der Produktentwicklung Dr. Horst-Dieter Speckmann und er im Interview erzählt: Die Waschmittel Ihrer Expertline basieren auf einem 6-fach Enzym-Aufbau. Was ist das Besondere daran? Dr. Horst-Dieter Speckmann: Klassischer-weise enthalten gewerbliche Waschmittel nur wenige Enzymklassen, die in erster Linie der Schmutzentfernung dienen. Da-runter finden sich Proteasen, die Eiweiß lösen, und Amylasen gegen stärkehaltigen Schmutz. Wir haben diese Formel um be-sondere Enzyme erweitert. Lipasen helfen z. B. gegen hartnäckige fetthaltige Ver-schmutzungen, wie sie speziell im gewerb-lichen Bereich vorkommen. Cellulasen dienen der Faserglättung: Sie lösen kleine Knötchen, die sich mit der Zeit durch das Waschen und Tragen auf Textilien bilden, ab. Die glattere Oberfläche erschwert die erneute Anschmutzung. Zudem unterstüt-zen sie den Farberhalt, denn je rauer die Textiloberfläche, umso blasser wirken die Far-ben. Zusätzlich in-tegriert haben wir Vergrauungs- und Verfärbungsinhi-bitoren, die ihre Wirkung umso besser entfal-ten, je öfter mit unseren Produkten ge-waschen wird. Sie legen sich dann wie dünne Schutzfilme auf die Textilien und verhindern eine schnelle Wieder-anschmutzung. Bekannte Endverbrauchermarken, andere Zusammensetzung – mit diesem Erfolgsrezept will sich Henkel nach elf Jahren Abstinenz erneut im Bereich professioneller Wasch- und Reinigungsmittel etablieren. Der Leiter der Produktentwicklung, Dr. Horst-Dieter Speckmann, und der Sie haben spezielle, „gewerbliche“ Flecken angesprochen – wie unter-scheidet sich denn der textile Schmutz eines Außer-Haus-Betriebs von dem eines Privathaushalts und wie entfernen Ihre Produkte diesen? Speckmann: Gewerblicher Schmutz ist qualitativ ähnlich zu privatem, aber häufig intensiver. Hinzu kommt, dass sehr hart-näckige Schmutzarten wie Blut aus der Fleischverarbeitung oder Teigrückstände vom Backen keine Seltenheit sind. Hier wirken die Enzyme im Vergleich zu kon-ventionellen Waschmitteln sehr gut, da sie Flecken bereits bei geringen Temperaturen entfernen. Eine besondere Herausforderung in Außer- Haus-Betrieben ist auch die Zusammenset-zung mancher Convenience-Produkte wie Mousse au Chocolat. Um die vom Gast ge-wünschte Konsistenz zu erzielen, enthalten diese z. B. Binde- oder Verdickungsmittel, die sich beim konventionellen Waschen schwer lösen, dank des Enzyms Manna-nase allerdings gut entfernen lassen. Ein anderes Enzym unserer Waschmittel, die Pektatlyase, wirkt sehr gut gegen Mar-meladen- Flecken oder ähnliche polymere Substanzen, die sich beim langen Kochen bestimmter Zutaten bilden. Kann man diese Flecken nicht auch ohne die Hilfe von Enzymen entfernen? Thomas Tönnesmann: Die alternativen Stellschrauben eines leistungsfähigen Waschprozesses sind Temperatur und Al-kalität, allerdings drehen wir an diesen nicht so gerne. Wir versuchen Ressourcen zu sparen und die Umwelt zu schonen, in-dem wir – dank der Enzymkombination – das Waschen bei niedriger Temperatur und einem niedrigen pH-Wert ermöglichen. Enzyme punkten zudem durch eine viel bessere Umweltverträglichkeit, zum einen da sie normale Eiweißpartikel sind, zum an-deren da sie als Katalysatoren wirken und nur in geringer Menge zudosiert werden. Bei der Reinigung spielen gemäß Sinner-schem Kreis Chemie, Mechanik, Tempe-ratur und Einwirkzeit eng zusammen. Wie beeinflussen Enzyme als Teil der Chemie die anderen Faktoren? Speckmann: Leistungsfähige Chemie kann nicht immer alle anderen Faktoren mini-mieren. Dennoch können unsere 6-fach enzymatischen Waschmittel bestimmte Flecken bei niedrigeren Temperaturen und geringerer Dosierung besser entfernen als konventionell formulierte. Erhöht man dann noch zusätzlich die Temperatur, steigt auch die Waschleistung, allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Das kommt z. B. auch Tischwäsche entgegen, die laut Pflegeetikett nur eingeschränkt gebleicht oder bei geringen Temperaturen gewa-schen werden sollen. Hinzu kommt, dass solch hohe Wasch-temperaturen Studien zufolge kaum noch nötig sind. Geht es um Hygiene im Sinne von Desinfektion, bieten wir als Alterna-tive zudem ein spezielles Desinfektions- Vollwaschmittel, das vom RKI geprüft und anerkannt ist und bei 60°C wirkt. Warum beschränkt sich Ihr Sortiment auf nur wenige Grundprodukte, also je drei Wasch- und Maschinenspülmittel sowie ein Handspülprodukt? Tönnesmann: Wir agieren bewusst mit ei-nem schmalen Sortiment, das dafür univer- „Die 6-fach enzymatischen Waschmittel können einige Flecken bei niedrigerer Temperatur und Dosierung besser entfernen als kon-ventionelle Mittel.“ Dr. Horst-Dieter Speckmann Vice President Großverbrauch, Thomas Tönnesmann, haben uns erzählt, welche Rolle dabei 6-fach Enzyme, „Schrubber“ sowie „der Duft“ spielen. Erfolgsrezepturen Fotos: © Bekin & Co – Fotolia.com, Henkel Reinigung 40 GVmanager 6-7/2013


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