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24_Stunden_Gastlichkeit_03_2013

Tee macht selbstbewusst, denn nicht mal die kleinste Verlegenheitskaffeetasse für den begleitenden Gewohnheitskaffeetrinker ist im Momentum zu haben. „Auf diese Weise erhält der Tee hier die Bühne, die ihm gebührt“, erklärt Peter Nimpsch, der Manager des Momentum. „Zugleich grenzen wir uns mit dem Konzept hinreichend von den Kaffeeketten ab.“ Der Hotelfachmann hatte bereits in diversen norddeutschen Hotels und Gastronomien gewirkt, bis er 2008 dem Ruf der Ostfriesischen Tee Gesellschaft (OTG) folgte und mit einem modernen Teehaus gastronomisches Neuland betrat. „Von Anfang an war uns dabei klar, dass im Meßmer Momentum der Tee auf eine moderne, emotionalisierende Weise samt Museum, Tea-Master-Räumen und Shop präsentiert werden soll.“ Ein traditionelles Teehaus à la Apothekerschrank und Teekränzchen hätte in diesem Sinne nur alte Klischees bedient und nicht die modernen Möglichkeiten von Genuss, Rückzug und Kultur ausschöpfen können. Der Standort Hamburg war dabei schnell klar, denn in der Hansestadt werden bis heute 70 % der Teeexporte in Europa abgewickelt, zudem war hier die OTG im Hafen 1907 gegründet worden. Nach längerer Suche von repräsentativen Momentum- Räumen mit mindestens 600 m² Fläche wurde man schließlich inmitten der Hamburger HafenCity am Fuße der entstehenden Elbphilharmonie und nur wenige Meter vom einstigen OTG-Gründungshaus fündig. Seit Ende 2008 heißt es „Am Kaiserkai“ täglich von 11 bis 20 Uhr „Reinkommen und Runterkommen“ – ob beim Beobachten der beiden Tea-Master, beim Entdecken der 5.000 Jahre alten Teekultur in der multimedialen Museumsgalerie mit Riech- und Fühlschatullen oder einfach beim Teetrinken in der Lounge bei klassischer Musik und freiem Blick auf den Museumshafen. Bis auf die Verwendung der Meßmer-Farben Blau, Gold und Rot sowie des symbolhaften „Ms“ an der Wand, bleibt dabei die Marke im Hintergrund. „Wir wollten kein Brandflaggschiff schaffen, sondern primär die Marke in den Dienst des Tees stellen“, begründet der Manager die dezente Meßmerpräsenz und fühlt sich täglich bestätigt: Bereits 2009 zählte das Momentum mit seinen 50 Innen- und 40 Außenplätzen 98.000 Besucher. Vor allem 50plus-Gäste aus Hamburg und aller Welt finden sich in der Woche ein, am Wochenende kommen auch viele Jüngere mit ihren Kindern und stehen dafür zuweilen Schlange. Die Möglichkeiten, die Werbetrommel zu rühren, waren dafür auch luxuriös: Auf tausenden Meßmer-LEH-Packungen wurde monatelang das Teehaus vorgestellt. Zudem profitierte das Haus von einem guten Draht zu den Stadtführern, die das Haus bis heute in ihre Touren einbauen. Versuchung statt Versorgung Was macht das Teetrinken nun im Momentum so begehrt? „Zunächst vor allem unsere Teekarte mit über 70 Sorten, auf der der Gast, wie auf einer Weinkarte, Informationen über die Herkunft und den Geschmack des Tees erhält“, erklärt Peter Nimpsch. „Dadurch sinkt der Beratungsbedarf bei den Gästen enorm und die Lust nach dem Tee steht im Vordergrund.“ Der Service bereitet den bestellten Tee im Anschluss komplett zu und serviert ihn fertig gezogen in einer Kanne auf dem Stövchen. „Der Gast muss sich auf diese Weise um keine Ziehzeit mehr kümmern und erhält das perfekte von uns zubereitete Produkt – besser kann man Tee gar nicht verkaufen und als Kundenbindungselement nutzen.“ Auf Wunsch können zusätzlich einige Snacks wie Scones und Macarons bestellt werden. „Wir bleiben aber bei einem kleinen, feinen Angebot, denn wir wollen eine Versuchungsgastronomie bleiben und keine Versorgungsgastronomie sein. Damit grenzen wir uns abermals von den Coffeeshopketten ab“, verdeutlicht der Manager. Dazu gehört auch eine Teatime mit Etagere, die im Gegensatz zum Angebot in manchen Hotels, bodenständig in der Präsentation und im Preis bleibt. Zudem finden viele Kulturveranstaltungen, z. B. am hauseigenen Piano, statt. Unternehmen können wiederum das Teehaus für ihre eigenen Veranstaltungen buchen. Das ERFOLGSFAKTOREN ➙➙ Jahrzehntelange Tee-Kompetenz ➙➙ Einzigartiges Konzept ➙➙ Synergien zur Handelsmarke ➙➙ Vermittlung von Tee-Know-how ➙➙ Gezielte Kundenbindung KONZEPT MESSMER MOMENTUM – HAMBURG Tee-Erlebniswelt in der Hamburger HafenCity. Tee-Lounge, TeeMuseum und TeeShop l Betreiber: Ostfriesische Tee Gesellschaft l Mitarbeiter: ca.15 l Plätze: 50 (innen), 40 (außen) Momentum arbeitet bei solchen Events mit zwei Caterern zusammen. „Tee in ihren Häusern anzubieten, bereitet vielen Gastronomen Angst, weil sie meinen, eine besondere Kompetenz vorweisen zu müssen“, beobachtet Peter Nimpsch immer wieder. Dabei übernehmen informative Teekarten mit einer differenzierten Auswahl den Großteil und machen Lust auf mehr. Den größten Fehler begehen viele dann, wenn sie auf ihre Karte nur Schwarztee oder Früchtetee schreiben, denn keiner käme auf die Idee, nur Rot- und Weißwein anzupreisen. Auch Teebeutel sollten endlich als gleichermaßen hochwertig wie loser Tee verstanden werden, mahnt er. Im Momentum können sich die Gäste am Ende ihres Teeerlebnisses sogar drei Teebeutel im Shop als Give-away aussuchen. Wenn die Elbphilharmonie eines Tages eröffnen sollte, wird sich die Magnetkraft dieses Teehauses unter diesen Vorzeichen sicher noch weiter potenzieren. syk www.messmer-momentum.de Fotos: Meßmer Momentum Peter Nimpsch


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