Take away: Nicht einfach wegwerfen

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Fotos: © sigmundsig – Fotolia.com, © Sasch – Fotolia.com Nicht einfach wegwerfen Take away Städte wie München oder Berlin ha-ben bereits genug vom To-go-Trend: Sie fordern eine Steuer auf Fastfood- Müll, um der Müllberge Herr zu werden. Vor allem Kaffeebecher bringen die Be-hälter zum Überquellen – ein Problem, das vermehrt auch in Studentenwerken und Unternehmen mit Cafébars auftritt. Einige greifen daher zu Mehrwegbehältern, oft aus Porzellan, welche die Gäste einmalig erwerben und auch später nutzen können. Doch nicht immer und überall kann auf Mehrweglösungen ausgewichen werden. Ein Sandwich könnte zwar gerade noch – wie in Schulzeiten – in der Tupperdose Platz finden, aber wohin mit einem Salat zum Mitnehmen? Take-away-Verpackungen punkten mit ihrem geringen Gewicht und dem Aspekt, dass man sie loswerden kann, während das Verstauen eines tropfnassen Porzellanbehälters eine größere Herausfor-derung ist. Eine Alternative sind z. B. Salat-behälter und Getränkebecher aus Polylactid (PLA), das aus Maisstärke gewonnen wird und industriell kompostierbar ist. Huhtamaki z. B. stellt unter der Marke BioWare ver-schiedene PLA-Verpackungen her. „Durch dieses Material wollen wir endliche Res-sourcen wie Erdöl schonen“, erläutert Ellen Desoye von Huhtamaki. Auch Papstar führt unter der Marke pure Produkte aus PLA, wie Trinkhalme, Kaltgetränkebecher sowie passende Dom-Deckel und Verpackungs-boxen mit Deckel. Eine etwas höhere Tem-peraturbeständigkeit als Produkte aus klas-sischem PLA weist das Einmalbesteck aus C-PLA von Papstar auf. PLA-Produkte sind eine nachhaltige Lö-sung, allerdings mit zwei Einschränkungen: die primäre Eignung für kalte Speisen und Getränke sowie die Entsorgung: „In den meisten Fällen werden die kompostier- baren Verpackungen noch über die normale Kunststofftonne entsorgt“, berichtet Ellen Desoye. Die fachgerechte Entsorgung ist schwierig, da der Mengenanteil von Bio-kunststoffen noch zu gering ist. Laut Eric Eiser, Marketingmanager bei Papstar, sei die richtige Entsorgung von Take-away- Verpackungen aber genauso wichtig wie umweltfreundliche Rohstoffe und Herstel-lung. „Denn ein Produkt ist nur nachhaltig, wenn der Bio-Kreislauf eingehalten wird.“ Aktive Entsorgung Möglichst nachhaltig will auch Annelen Trost die Hochschulgastronomie des Stu-dentenwerks Osnabrück aufstellen, die sie leitet. Daher versuchte sie, trotz To-go- Trend, an Mehrweggeschirr festzuhalten. „Aber wir können uns dem Trend nicht verschließen“, erläutert sie. So war ihr von Anfang an viel daran gelegen, eine um-weltfreundliche Lösung zu finden. Deshalb setzen die Cafeterien des Studentenwerks u. a. biologisch abbaubare Sandwich- und Salatverpackungen sowie Kaltgetränke-becher aus PLA ein. Für die Entsorgung der monatlich rund 2.500 Trinkbecher sorgt das Studentenwerk selbst. An den Geschirr-rückgaben befinden sich mehrere Sam-melstellen zur Mülltrennung, u. a. eine für die Plastikbecher mit spezieller Kennzeich-nung, die es erleichtert, die Becher richtig einzusortieren. „Die Studenten trennen zuverlässig“, erklärt Annelen Trost. „Bis zu 99 % der PLA-Becher werden richtig ent-sorgt, da die Studenten, die diese Becher verwenden, entsprechend umweltbewusst, sind“, weiß sie aus der Rückmeldung des Wertstoffentsorgers, der die PLA-Sammel-behälter nach Fremdstoffen durchsucht. Die Entsorgung zu organisieren war nicht sehr aufwendig: Ein örtliches Unternehmen übernimmt diese in Kooperation mit einer Aufbereitungsanlage für die industrielle Kompostierung. Die Zusatzkosten dafür kann Annelen Trost nicht abschätzen, da pauschal abgerechnet wird. Dennoch sind dem System Grenzen gesetzt: Die kompostierbaren To-go-Verpackungen für Sandwiches und Salate des Studenten-werks landen wohl im normalen Müll, da es die gesonderten Behälter bislang nur in den Mensen und nicht auf dem ganzen Campus gibt. Dennoch ist bereits mit der Rohstoff-auswahl ein erster Schritt gemacht. Ähnlich nachhaltige Rohstoffe, auf die man auswei-chen könnte, sind z. B. FSC-zertifizierte Frischfaserpappe und Bagasse aus der Zu-ckerrohrverarbeitung. Take away ist in, bringt aber viel Müll mit sich. Kompostierbare Verpackungen stellen eine Alternative dar, jedoch nur wenn sie richtig entsorgt werden – wie beim Studentenwerk Osnabrück. 50 GVmanager 5/2013


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