Zentralküche - Mensa am Berthold-Beitz-Platz, Greifswald: Aus zwei mach eins

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Die Betriebsbegehung der neuen Ge-meinschaftsküche von Studenten-werk und Universitätsmedizin Greifs-wald ist eine gedankliche Herausforderung. Zwar sind die Warenströme des zweige-schossigen Betriebs logisch aufgebaut, doch die Verantwortlichkeiten bunt gemischt – zumindest auf den ersten Blick. Letztlich steckt aber auch hier eine Logik dahinter, und zwar eine steuerlich bedingte. Um diese zu verstehen, ist es am einfachs-ten zurück zum theoretischen Anfang zu gehen. „Bei uns kamen Dinge zusammen, die sonst nicht unbedingt passen“, erläu-tert Dr. Cornelia Wolf-Körnert, Geschäfts-führerin des Studentenwerks Greifswald. So war die Mensaküche in die Jahre ge-kommen und auch die Universitätsmedizin wollte ihre Patientenverpflegung moderni-sieren – sowie zurück in Eigenregie holen. „Hinzu kam, dass die Universitätsmedizin finanzielle Eigenmittel zur Verfügung hat-te, während das Studentenwerk als An-stalt öffentlichen Rechts auf Landesmittel angewiesen ist“, ergänzt die Studenten-werks- Geschäftsführerin. So lag es nahe, in der Verpflegung Synergien zu nutzen. Dem stand „nur“ ein juristisches Problem im Weg: „Als Anstalt öffentlichen Rechts muss das Studentenwerk zu zwei Dritteln mach eins einem gemeinnützigen Zweck dienen. Eine zusätzliche Patientenverpflegung aus der Mensaküche hätte das Verhältnis verscho-ben“, berichtet Dr. Cornelia Wolf-Körnert. Steuervorteil ausgereizt Eine Lösung für dieses Problem war die Aus-gliederung der Küche als Service GmbH. „Indem die Universitätsmedizin zu 2 % an der CBG Campus Belieferungs Gesellschaft mbH beteiligt ist, wahren wir den gemein-nützigen Zweck und rechtfertigen zugleich den Zuschlag für die Patientenverpflegung, die folglich nicht mehr öffentlich ausge-schrieben werden muss“, konkretisiert die Geschäftsführerin. Um die Vorteile der verschiedenen Steuersätze – 0 % für ge-meinnützige Leistungen am Studenten, 7 % für den klassischen Speisenverkauf und 19 % für Dienstleistungen im klassi-schen Sinne – auszureizen, verteilte eine Rechtsanwaltskanzlei die Aufgaben rund um die Gemeinschaftsküche schließlich auf drei Servicegesellschaften (vgl. Kasten S. 22). Als Betreiber der Küche und Haupt-akteur fungiert dabei die neu von den zwei Partnern gegründete CBG. Sie „verkauft“ an das Studentenwerk und die Universi-tätsmedizin die Speisen. Damit kommt hier z. B. der Steuersatz von 7 % zum Tragen, während viele der Serviceleistungen, die mit 19 % zu besteuern sind, an die anderen Servicegesellschaften vergeben sind. Parallel zur Ausarbeitung der juristischen Struktur, die vor Baubeginn vom Finanzamt abgesegnet wurde, verlief auch die Planung des Neubaus. Schließlich mussten die Ab-läufe bzw. involvierten Gesellschaften auch räumlich strukturiert sowie Zähleinheiten Dank multifunktionaler Technik lassen sich große Mengen schnell und chargenweise kochen. Fotos: Kirchner, Giel Aus zwei Ein Ziel, verfolgt von zwei Partnern und umgesetzt durch drei Servicegesellschaften – die Kooperation zwischen dem Studentenwerk und der Universitätsmedizin Greifswald ist einzigartig: Studenten und Patienten werden aus einer Küche versorgt. Das birgt finanzielle Chancen, aber auch Risiken. 20 GVmanager 5/2013


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