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GVmanager_05_2013

Günther Lehmann (GL): Der andere Erfolgs-faktor ist sicher das Konzept selbst: unsere je nach Kunde und Fahrtzeit individuel-le Mischung aus Frischküche und Cook & Chill-Speisen, um die beste Qualität lie-fern zu können. Dieses Konzept erforderte aber auch viel Argumentationsarbeit. Heu-te merken wir, dass sich das auszahlt. Die Kunden kommen auf uns zu, statt umge-kehrt. Der Weg bis hierher war zwar hart, die Entwicklung voranzutreiben macht aber auch viel Spaß. Gleichzeitig profitieren wir von einer hohen Kundenloyalität. So beliefern wir noch im-mer die zwei Kindergärten der ersten Stun-de, die 2005 geschlagen hatte. Die Initiato-ren dieses Geschäftsfelds, ehemalige Eltern der Kindergartenkinder, sind übrigens auch „schuld“ daran, dass wir in die Schulver-pflegung eingestiegen sind. So wollten sie ihren inzwischen schulpflichtigen Kindern das gute Essen auch dort ermöglichen. Heißt das, Sie haben auch weniger Pro- bleme, Ihre Preise zu rechtfertigen? SL: Nein, dieses Problem beschäftigt auch uns. Es gibt leider immer noch keine Wert-schätzung für Kinderessen, indem es nichts kosten darf – wobei die Preissensibilität je nach Einzugsgebiet der Kindergärten und Schulen schwankt. Dass hier ein Nord-Süd- Gefälle besteht, haben wir auch im PROFI-Treffen Schulverpflegung festgestellt, dass wir Ende 2012 ins Leben gerufen haben. Welches Ziel verfolgt dieses PROFITreffen? GL: Meine Vision war es, auf Bundesebe-ne einen Zusammenschluss professioneller Kita- und Schulcaterer zu bilden, die privat oder familiengeführt sind. Wir wälzen alle die gleichen Probleme, wofür mancher eine bessere und ein anderer nur eine schlechte-re Lösung gefunden hat – warum also nicht voneinander profitieren? Gibt man damit nicht seinem Mitbewerber Tipps, wie er einen selbst übervorteilen könnte? SL: Das schließen wir aus, indem pro Re- gion oder Lieferumfeld nur ein Caterer ver-treten sein darf. Nur auf diese Weise ent-steht der offene Austausch, den wir suchen. Das zweite Treffen fand hier in unserer Küche statt und hat genau diese Erwar-tungen erfüllt bzw. sogar weit übertroffen. Wir haben jeden einzelnen Prozessschritt diskutiert, wobei jeder auch seine eigenen Prozesse in Frage gestellt hat. Das funktioniert allerdings nur, da alle Teilnehmer des PROFITreffens fachlich etwa auf einer Augenhöhe sind. Sie bringen Lehmanns Gastronomie und die Betriebe von Kollegen aber auch durch ein anderes „Netzwerk“ nach vorne: durch Ihre Einkaufsgemeinschaft. Wie funktio-niert diese? GL: Als ich diese GV-Einkaufsgemeinschaft vor etwa zehn Jahren gegründet habe, war mein Anliegen, uns Kleine zusammen stark gegen die Großen zu machen. Viele von uns kaufen bei den gleichen Unternehmen ein, warum sollten wir uns also nicht zu-sammenschließen, um bessere Konditionen aushandeln zu können? SL: Die Besonderheit ist, dass die Mitglied-schaft nichts kostet. Es ist weder eine feste Umsatzbeteiligung vorgeschrieben, noch müssen die Mitglieder alles über eine zen-trale Plattform einkaufen. Basis für die Rahmenvereinbarungen und Rückvergütungen, die mein Vater als Leiter der Einkaufsgemeinschaft verhandelt, sind die Jahresgespräche, in denen wir offen klären, welches Mitglied im kommenden Jahr wie viel Budget bei welchem Partner ausgeben will. Dieses Budget sollte selbst-verständlich in einem ordentlichen Verhält-nis zum Gesamtumsatz stehen. Manager im Gespräch Wie sind Sie bisher aufgestellt? GL: Derzeit umfasst unsere Gemeinschaft 28 Unternehmen und ein Budget von 6 Mio. €. Wir würden uns freuen, wenn sich uns weitere Betriebe anschließen, wobei es nur sinnvoll für solche ist, die ohnehin mit einigen unserer Lieferanten zusammenar-beiten. So ist unser größter Handelspartner Rewe-Foodservice, gefolgt von der BLF-Gruppe und A+K Kälteteam. Im Bereich Food haben wir u. a. Sondervereinbarun-gen mit Nestlé Professional, Unilever Food Solutions und Dr. Oetker Food-Service ge-troffen. Als Nonfood-Partner sind die Un-ternehmen MKN, Blanco, Meiko und Eco-lab vertreten. Wir haben damit ein großes Spektrum bundesweiter Lieferanten, aber auch einige regionale Spezialisten wie Flei-schereien und Bäckereien. Das heißt, Sie schreiben dennoch gewisse Lieferanten vor? GL: Nein, kein Mitglied muss bei diesen Partnern einkaufen, sollte das aber auch im Jahresgespräch zugeben. Damit die Rech-nung am Ende aufgeht, ist es nur wichtig, dass die Mitglieder die angekündigten, ge-planten Umsätze auch erfüllen. Ist jemand mit einem Lieferanten unzufrieden, stellen wir diesen innerhalb der Gruppe zur Dis-kussion, ebenso wie mögliche neue Liefe-rantenpartner. Nur durch diese Zusammen-arbeit profitieren alle. Stefan und Günther Lehmann, ganz herz-lichen Dank für das Gespräch! kir Weitere Informationen zur GV-Einkaufsgemeinschaft: Lehmanns Gastronomie Service Tel. (0228) 850 261-20 info@lehmanns-gastronomie.de www.gv-einkaufsgemeinschaft.de Die Profiküche der Zukunft! Sie wollen in Ihrem Betrieb nachhaltig und zukunftsorientiert handeln? Statt der üblichen „Floskeln und Allgemeinheiten“ steckt unser Buch „Die nachhaltige Profiküche in Theorie und Praxis“ auf 234 Seiten voller: yx Praxisideen yx umsetzbarer Tipps yx Best Practice Beispiele yx Checklisten yx konkreter Möglichkeiten yx Rezepte die Ihnen helfen, im Umgang mit Food und Technik nachhaltig zu agieren. Richten Sie sich jetzt schon auf die Zukunft ein. Das kommt Ihrem Budget, Ihrer Qualität, Ihren Mitarbeitern und nicht zuletzt der Umwelt zugute. ISBN 978-3-928709-16-3 BESTELLEN SIE HIER www.gastroinfoportal.de/fachbuecher B&L MedienGesellschaft mbH & Co. KG Augustenstraße 10  80333 München * inkl. MwSt., Verpackung und Versand innerhalb Deutschlands. EU exklusive MwSt. Übersee zzgl. Versandkosten 39 E*


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