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GVmanager_03_2013

Kochkurse Das Studentenwerk Frankfurt/M. bietet Kochkurse in sehr professionellem Stil an – in einer separaten Küche, mit kommunikativen Profis und mit Rezeptheft (l.). Schön eingedeckte Tische und ein Privatgast, der vom einzelnen Teilnehmer bekocht wird, sind ein Prinzip der Kurse der Deutschen Welle (r.). Allerdings ist das passende Verhältnis von Angebot und Nachfrage auch eine Frage der Zielgruppe: 14-tägige Kochkurse sind – in Relation zu den allein über 60.000 Studie-renden des Studentenwerks Frankfurt/M. als potenzielle Kochkursteilnehmer – wohl nicht überdimensioniert. Was bringt’s? Lohnt es sich nun, angesichts der Anforde-rungen an die Durchführung und die Nach-frageproblematik Kochkurse anzubieten? „Ein profitables Zusatzgeschäft ergibt sich daraus nicht“, resümiert Jasmin Heiden-reich von der UMG Gastronomie. Dieser Meinung schließen sich auch die anderen Befragten an. Dass sie es trotzdem tun, hat verschiedene Gründe. Viele sehen es als Service oder Benefit für ihre Stammgäste und Kunden, oder als Möglichkeit, sich bei potenziellen Gästen zu profilieren. Martin Wolf vom Hohenloher Krankenhaus hat die Erfahrung gemacht, dass die Wertschät-zung für die Großküche und deren tägliche Arbeit gefördert wurde – auch und gerade unter Verantwortlichen aus dem Control-ling, die zufälligerweise mitkochten. André Böwing, der als Küchenleiter im Caritas-Seniorenheim Carl-Sonnenschein-Haus und dem Ferdinand-Tigges-Haus in Ochtrup tätig ist, hat mit seinen Kinderkochkursen ähnliche Erfahrungen gemacht: „Auch wenn die Kurse von mir ehrenamtlich ver-anstaltet werden, bekommt die Senioren-heimküche dadurch eine große und posi-tive öffentliche Präsenz. Das motiviert auch meine Mitarbeiter“, berichtet er. „Den- noch bringt es nichts, mit der Absicht heranzugehen, das Image aufpolieren zu wollen. Man muss auch mit Leib, Seele und Herzblut dabei sein“, warnt André Böwing. Kurse als Ernährungsaufklärung Seine Absicht dahinter ist daher eine ganz andere: „Als Fachmann sehe ich mich in der Pflicht, einen Beitrag zur Ernährungs-aufklärung zu leisten.“ Bereits 2007 hat er daher Kinderkochkurse initiiert. Ihn hat es frustriert, dass die Kindergartenkinder, die er aus seiner Altenheimküche versorgt, nur fastfoodtypische Wünsche angebracht ha-ben. „Im Vordergrund steht es, den Zusammenhalt zu stärken und die Mitarbeiter zu motivieren.“ Martin Wolf Daher ist er an die Basis gegangen, um „die Kinderköpfe zu verstehen“. Seine Eltern-Kind-Kurse nutzt er zudem, um aus den Erwachsenen weitere Informationen herauszukitzeln.“ Um die Kochkurse be-zahlbar zu halten, hat er aus seinem Lie-ferantenportfolio Sponsoren geworben, die zumindest die Lebensmittel für die Koch-kurse stellen. Innerbetriebliche Fortbildung Eine höhere Absicht steckt auch hinter dem Kochkurs von Martin Wolf. So stellt die-ser offiziell eine innerbetriebliche Fortbil-dungsmaßnahme dar, die im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements der Hohenloher Krankenhaus gGmbh an-geboten wird. Für die Mitarbeiter sind die Kochkurse kostenlos, allerdings müssen sie diese in ihrer Freizeit besuchen. Den Zei-gefinger erhebt Martin Wolf in seinem Kurs trotzdem nicht: „Im Vordergrund steht es, den Zusammenhalt zu stärken und die Mit-arbeiter zu motivieren.“ Dennoch stellt das betriebliche Gesund-heitsmanagement einen weiteren Ansatz dar, um Kochkurse durchzuführen. Sven Bach, Diätassistent und Inhaber einer Pra-xis für Ernährungstherapie, führt derartige Kurse oft als externer Ernährungsexperte durch und koppelt sie auf Wunsch an einen Gesundheitstag oder ein Seminar. Soll mit einem Kochkurs Ernährungswissen vermittelt werden, drängt er darauf, einen Experten einzubeziehen. „Und das sollte nicht der dickbäuchige Hausarzt sein, dem man Belehrungen über eine gesunde Ernährung nicht ab-nimmt.“ Er glaubt, dass der Stellenwert derartiger Angebote künftig wesentlich steigen wird. „Derzeit kommen nur dieje-nigen, die sich bereits dafür interessieren“, weiß er aus Erfahrung. Er kennt aber auch Unternehmen, deren Azubis verpflichtend an BGM-Maßnahmen teilnehmen müssen. „Es wird kommen, dass BGM-Maßnahmen und darunter auch Seminare oder Koch-kurse für Mitarbeiter ebenso Pflicht wer-den, wie eine EDV-Weiterbildung“, ist er sich sicher. Bis dahin wünscht er sich, dass das Betriebliche Gesundheitsmanagement einen ganzheitlicheren Ansatz bekommt, der sich bis ins Betriebsrestaurant zieht. Inwieweit bei Ernährungs-Kochkursen aber der Spaßfaktor auf der Strecke bleibt, ist eine andere Frage. „Wir grenzen uns von üblichen Volkshochschul-Kochkursen da-durch ab, dass wir den Teilnehmern nichts beibringen müssen, schon gar nicht über gesunde Ernährung“, berichtet Hermann Müller. „Es geht ums Genießen, das Ge-sundheitsbewusstsein ist ganz hinten ange-stellt – und genau das wird geschätzt.“ Je nach Klientel und Gegebenheiten muss also auch beim Thema „Kochkurse“ jeder selbst herausfinden, was für ihn passt. kir Fotos: Studentenwerk Frankfurt am Main, Deutsche Welle 62 GVmanager 3/2013


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