Jetzt mal ehrlich: Dagmar Palwitz

GVmanager_12_2012

Jetzt mal ehrlich! ... Dagmar Palwitz Das Image der Gemeinschaftsverpflegung verbessern – dafür engagiert sich Mag. (FH) Dagmar Palwitz, Geschäftsbereichsleitung Service im Diakonischen Werk Traunstein e.V. Wilhelm Löhe Zentrum. Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, fordert die gelernte Köchin, Hotelbetriebswirtin, Hauswirtschaftsmeisterin und diplomierte Betriebswirtin, vermehrt in die Ausbildung zu investieren und das Thema Hauswirtschaft in den Erziehungs- und Bildungsbereich zu integrieren. Frau Palwitz, worin sehen Sie die größte Herausforderung in Abgesehen von der mangelnden Finanzierung, ist der der Gemeinschaftsverpflegung? Fachkräftemangel eine große Herausforderung. Wie gehen Es geht, wie in anderen Berufsfeldern auch, darum, sich die Mo- Sie damit um? tivation und die Freude am Beruf zu bewahren. Dabei spielt auch Das ist ein großes Problem. Und es wird meiner Ansicht nach der Gestaltungsspielraum eine große Rolle. Denn wenn ich mich durch (vermeintliche) Billigangebote der Industrie noch verstärkt. mit meinen eigenen Ideen einbringen kann, geht die Arbeit ein- Indem immer mehr Fertig- und Tiefkühlgerichte angeboten fach besser „von der Hand“. Doch der Spielraum in der GV wird, werden, die zentral irgendwo auf der „grünen Wiese“ produziert auch aufgrund finanzieller Begrenzungen, leider immer enger. werden, sind vor Ort keine Fachkräfte mehr nötig. Es genügt, wenn jemand eine der fünf aufgedruckten Sprachen lesen kann Die Gemeinschaftsverpflegung hat ein „angestaubtes“ Image – und den Kombidämpfer entsprechend bedient. Das ist für mich was kann bzw. muss hier getan werden und welche Rolle spielt aber keine Alternative, deshalb kämpfe ich um dezentrale, stand- die Politik? ortnahe Gemeinschaftsküchen, denen es (durch eine ausreichende Finanzierung) möglich sein muss, gesund und frisch zu kochen, Das ist genau das, was ich anstrebe: das Image zu verbessern. möglichst mit Produkten aus der Region. Und die es sich leisten Nicht nur das unserer Küchenmitarbeiter, sondern auch das Image können, Auszubildende aufzunehmen. Es ist nämlich kein zu un- der Hauswirtschafter. Es wird von unseren Mitarbeitern so tolle terschätzender Aufwand, einen Ausbildungsplatz bereitzustellen. Arbeit geleistet. Aber die Reaktion auf „Ich arbeite als Haus- Auch hier muss der Blick langfristig in die Zukunft gehen. Meiner wirtschafterin“ ist meist „Hat’s für was Besseres nicht gereicht?“ Ansicht nach trägt auch das schon erwähnte „angestaubte“ Image Natürlich ist das auch eine gesellschaftliche Sicht und die zu ver- der Gemeinschaftsverpflegung zur Verknappung an fähigen Aus- ändern ist nicht leicht. Ich würde mich z. B. gern stark machen für zubildenden und auch an interessierten Mitarbeitern bei. Dennoch ein verpflichtendes berufliches Grundbildungsjahr für alle Schul- kann man aufgrund der geregelteren Arbeitszeiten in der GV als abgänger. Alle müssten in den grundlegenden Fächern praxisnah Koch bzw. Hauswirtschafterin besser als in jeder Gastronomie gebildet werden, so wie es derzeit schon ein (freiwilliges) soziales Familie und Beruf unter einen Hut bekommen. oder ökologisches Jahr gibt. Ich glaube, dass unser „kopfgesteuer- In unserer Einrichtung haben wir zum Glück eine sehr gute tes“ Schulsystem einige Schwächen hat. Es ist sicher wichtig, dass Fachkraftquote. Wir beschäftigen u. a. zwei Hauswirtschafts- alle Schüler z. B. das Volumen einer Kugel berechnen können, meisterinnen, zwei Köche und drei Hauswirtschafterinnen im aber wie viele sind in der Lage, sich gesund zu ernähren, einen Küchenbereich. Für mich ist die Knopf anzunähen oder mit ihrem Geld über den Monat zu Weiterbildung der Mitarbeiter kommen? Im Erziehungs- und Bildungsbereich unserer Kinder und Jugend- Liebe Leser!ein großes Anliegen. So habendie beiden Meisterinnen und lichen sollten vermehrt Inhalte zum Thema Haushaltsführung, gesunde Ernährung, Betreuung und Begleitung sowie auch Ge- Wollen auch Sie aus Ihremeine Hauswirtschafterin ihre staltung, Gartenarbeit und Finanzierung eingeflochten werden. Alltag berichten oder unsWeiterbildung nebenberuflich geleistet, dafür konnte die Ein- Guten praxisbezogenen Unterricht zu diesem Thema zu gestalten, uns: (089) 370 60-155, Foto: Max Köstlersagen?„die Meinung“Dann melden Sie sich bei--richtung bezahlte Fortbildungstage sowie finanzielle Unterstützung leisten. Früher war dieser Unterricht selbstverständlich, wenn ich heute höre, dass das Einzige, was im Fach Hauswirtschaft gemacht wurde Pizza backen ist, dann ist das Thema ein wenig verfehlt. kostet sicher viel Geld, aber ich glaube das wäre eine wirklich Frau Palwitz, herzlichen Dank muc@blmedien.de gute Investition in unser aller Zukunft. für das Gespräch! lan 42 GVmanager 12/2012


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