Jetzt mal ehrlich: Wolfgang Nichtern

GVmanager_08_2012

Jetzt mal ehrlich! ... Wolfgang Nichtern Seit Februar 2012 leitet Wolfgang Nichtern die Küche des Klinikums Landkreis Tuttlingen, die mit einem Team von 37 Mitarbeitern täglich bis zu 900 Essen produziert – für den Eigenbedarf in den Gesundheitszentren Tuttlingen und Spaichingen sowie weitere Einrichtungen in Spaichingen, die Mitarbeiter-, Schul- und Kita-Verpflegung und Essen auf Rädern. Warum sind Sie Koch geworden? Eigentlich wollte ich Konditor oder Bäcker werden, wie es mein Vater und mein Großvater waren – das hat mir mein Vater aber verboten. Er wollte, dass ich mal bessere Arbeitszeiten habe als er. Mein nächster Berufswunsch Bademeister fand allerdings noch weniger Anklang bei ihm. So bin ich irgendwann beim Aus- bildungsberuf Koch gelandet, wohl auch, weil ich erblich in dieser Hinsicht vorbelastet bin. Bereits meine Großtante war ein soge- nanntes Kochfräulein und hat mir noch lange vor meiner Ausbil- dung ein Kochbuch aus dem Jahr 1907 geschenkt – ein Schatz, auf den ich heute noch sehr stolz bin. Sie hat meiner Mutter viel beigebracht und diese wiederum mir. Aber auch mein Großvater hat leidenschaftlich gerne gekocht. Sie haben erst nach 20 Jahren Berufserfahrung in der Gastro- nomie in die GV gewechselt, wieso dieser späte Einstieg? Ich habe nicht bewusst aufgrund der Arbeitszeiten gewechselt, wie viele andere, es hat sich einfach so ergeben. Dennoch weiß Wie lautet Ihr berufliches Motto? ich es heute, nach dieser langen Zeit mit viel Nachtarbeit in der Gemeinsam statt einsam. Denn nur gemeinsam sind wir stark. Gastronomie, immer noch und ausgiebig zu schätzen, wie toll geregelte Arbeitszeiten sind. Sind Sie ein kulinarisch besonders kritischer Patient? Anfangs noch in einer Kurklinik tätig, die gastronomisch ja etwas In anderen Kliniken weniger: Kürzlich war ich in einer Reha- breiter aufgestellt ist als die klassische Klinik, bin ich von dort Klinik, in der ich alles gegessen habe, was auf den Tisch kam. Da geflüchtet als ein Caterer die Gastronomie übernommen hat. Mein gab es aber auch nichts zu beanstanden. Wenn es um meine eige- Ziel war eine Krankenhausküche, die vor Kurzem wiederum von ne Klinikküche geht, bin ich aber sehr kritisch. Vor längerer Zeit einem externen Dienstleister übernommen wurde, dessen Philoso- wurde ich als Patient von meinem ehemaligen Küchenteam be- phie ich nicht mitverantworten wollte. Daher habe ich mich nach kocht und habe dann sofort in der Küche angerufen, wenn etwas einer neuen Herausforderung umgeschaut und leite nun seit Fe- nicht ganz so perfekt war, wie es hätte sein sollen. bruar die Küche am Klinikum Landkreis Tuttlingen. Inwiefern kochen Sie beruflich und privat noch selbst? Und wenn hier wieder externe Dienstleister anklopfen? Beruflich stehe ich kaum noch in der Küche – ausgenommen Indem ich den ehemaligen Küchenleiter ablöste, der in den Ruhe- frühmorgens: Das morgendliche stand ging, hat sich das Haus bewusst dafür entschieden, die Ritual, Müsli aus Einzelzutaten Küche in Eigenregie weiterzuführen. Mein Ziel ist es nun, die zu mischen, ist Chefsache. Küche wirtschaftlich so gut aufzustellen, straff zu organisieren und Privat koche ich auch abends Liebe Leser! meine bisherigen Erfahrungen an mein Team weiterzugeben, so- dass dieses auch ohne mich jedem externen Dienstleister trotzen Küche ist für mich das kleinste Wollen auch Sie aus Ihremnach der Arbeit gerne. Meine kann – schließlich bin ich nicht gerade der jüngste Küchenleiter. und feinste Restaurant in Königs- Alltag berichten oder uns feld – mit Speisen, die man in kei- „die Meinung“ sagen? An welches Erlebnis Ihrer Kochlaufbahn erinnern Sie sich nem Restaurant findet. Hier lasse Dann melden Sie sich bei besonders gerne? ich mich oft vom Marktangebot uns: (089) 370 60-155, Foto: privat Mein schönstes Erlebnis ist, dass ich 1972 zwei Monate lang als zu Neuem inspirieren. Koch bei den Olympischen Spielen am Standort der Segler in Kiel Herzlichen Dank für das nette muc@blmedien.de mitwirken durfte. Gespräch! kir 8/2012 GVmanager 65


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