Jetzt mal ehrlich: Wolfgang Küpper

GVmanager_05_2017

Fotos: Papstar, Colourbox.de Jetzt mal ehrlich! … Wolfgang Küpper Rund 40 Mitarbeiter essen täglich im Betriebsrestaurant von Papstar in Kall. Für das eingesetzte Geschirr gibt es dabei kein Zurück, denn Teller, Besteck und Co. wandern anschließend auf den Kompost – wie Marketing Director Wolfgang Küpper verriet. Leidet beim Essen von Einweggeschirr nicht die Esskultur? Die Produkte sind durchaus stylisch, sodass die Esskultur nicht negativ „berührt“ wird. Durch die Reduzierung des Lärmpegels – mit Porzel-lan ist dieser erheblich höher – haben wir eine angenehme Umgebung geschaffen, die ein entspanntes Speisen ermöglicht. Ganz ehrlich, essen Sie persönlich lieber vom Papp- oder Porzellanteller? Im Restaurant oder zu Hause selbstverständ-lich lieber von Porzellan. Unterwegs, im Be-triebscasino oder überall dort, wo viele Men-schen versorgt werden, nicht. Als Patient im Krankenhaus würde ich sogar darum bitten, von Einmalgeschirr essen zu dürfen. Hygiene ist ein Hauptargument für dessen Einsatz. Wann kommt bei Ihnen privat Einweg- geschirr zum Einsatz? Grundsätzlich ist dies von der Anzahl der Gäs-te abhängig. Bis zu 16 Gäste lassen sich mit unserem Porzellanbestand versorgen. Wenn wir aber auf unserem Hof einmal jährlich zur Apfelernte und zum Apfelfest laden, setzen wir auf kompostierbares Einmalgeschirr, denn dann sind 70 bis 80 Personen über den gan-zen Tag zu verköstigen. Die Reste entsorge ich dann über die Kompostmaschine bei Papstar. Wie stehen Sie zu den immer häufiger ver-teufelten Coffee to go-Bechern? Sind diese so schlimm, wie ihr Ruf vermuten lässt? Die Verteufelung der Becher ist eher ideolo-gischer Natur. Was allerdings absolut nicht akzeptabel ist, ist das Littering-Verhalten in der Bevölkerung: Abfälle gehören in ein da-für vorgesehenes Behältnis und wenn keines da ist, muss man den Becher solange bei sich halten, bis sich eine Entsorgungsmöglichkeit ergibt. Leider haben Städte und Gemeinden viel zu kleine Abfallbehältnisse aufgestellt und reagieren nicht darauf, wenn an bestimmten Stellen mehr Abfall anfällt. Littering wird zudem nicht kontrolliert und sanktioniert. Nachhaltigkeit ist seit einigen Jah-ren in aller Munde. Können Sie den Begriff noch hören? Aber sicher! Denn wir sind noch lange nicht am Ziel. Es braucht sehr viel Zeit, wenn nicht Jahr-zehnte, um Verhalten zu ändern, neue Werkstoffe zu erfinden und da-mit alle Produkte zu substituieren. Gerade im Bereich der Bio-Plastics ist die Forschung erst ganz am Anfang, aber schon heute sind die Ergebnisse spektakulär. Ein Beispiel: Man wird in Zukunft aus dem CO2 unserer Atmosphäre Bio-Kunststoffe herstellen. Danke für das Gespräch! sar Herr Küpper, im Rahmen der Mitarbei-terverpflegung kommt bei Ihnen Einweg- geschirr zum Einsatz. Das sorgt im Zeit-alter der viel zitierten „Nachhaltigkeit“ sicher für manch Kopfschütteln. Haben Sie kein schlechtes Gewissen? In unserem Betrieb sind die Mitarbeiter aus-reichend sensibilisiert und informiert, um mit dem Thema Nachhaltigkeit umgehen zu kön-nen. Außerdem haben alle festgestellt, dass hier bei Papstar die Weichen eindeutig in die richtige Richtung gestellt wurden. Wir haben lange Zeit von Kunststofftellern gegessen, heute werden nur Zuckerrohrteller und -scha-len oder auch Pappschalen, -becher mit Bio- Kunststoffbeschichtung und Bestecke aus Bio- Kunststoff sowie Zelltuchservietten eingesetzt. Das sind Produkte, die aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden und kompos-tierbar sind. Insofern haben wir sicherlich kein schlechtes Gewissen. Die Entsorgung ist oft ein großer Knack-punkt. Wie ist diese bei Ihnen geregelt? Wir haben seit zwei Jahren eine neue Form der Entsorgung eingeführt – auch um unse-re Aussage „Pure-Einmalgeschirr ist kompos-tierbar“ täglich zu beweisen. Bei uns fallen 4 bis 5 m³ kompostierbare Reststoffe im Mo-nat an – u. a. Einweggeschirr/-besteck, Speise-reste, Küchenabfälle und Kaffeesatz, die der Natur wieder zugeführt werden können. Wir verarbeiten diese in unserer Kompostierma-schine und verteilen die so entstandene Men-ge von ca. 500 l Kompost in den Gartenlagen auf dem Unternehmensgelände. Viele Trends kehren wieder. Bereits in den 70ern setzte man lieber auf Einweggeschirr statt auf eine Spülmaschine. Ist eine Renais-sance denkbar? Bei der Versorgung von großen Menschen-mengen ist Einmalgeschirr klar im Vorteil: Es ist hygienisch, praktisch, leicht, leise und sicher. Kein Mensch wäre z. B. auf die Idee ge-kommen, die Massen an Flüchtlingen in den Auffanglagern mit Porzellan, Glas und Metallbesteck zu versor-gen – und das gilt auch in Sport-arenen oder auf Musikfestivals. Das Spülen von Mehrwegbechern aus Polypropylen ist zudem viel um-weltbelastender als behauptet wird. Caterer berichten einstimmig, dass alle Becher zweimal gespült werden, weil diese sonst nicht hygienisch sauber sind. Die Umlaufzahlen bewe-gen sich darüber hinaus im Bereich von acht bis zehn Umläufen – 40 oder gar 100 Umläufe, wie von Umwelt-organisationen behauptet, gehören in die Abteilung „Märchen“! 5 /2017 GVmanager 49


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