Firmenporträt: Mit Feuer dabei

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Foto: Winterhalter Bei Jürgen Winterhalter geschah es im Keller, bei Sohn Ralph beim Feuer machen mit Opa Karl: die Übertragung des „Familienvirus“. 70 Jahre Winterhalter ist ein Stück Familiengeschichte und eine Geschichte vom Feuer. Sein Fahrradparcours führte zwischen Lkws hindurch, die Edelstahl anliefer-ten, sein Lieblingsspielplatz war die Produktion: Ralph Winterhalter wurde gera-dezu ins Familienunternehmen, das Großva-ter Karl 1947 gründete, hineingeboren. „Von Kind auf war eine starke emotionale Bindung da“, erzählt der 39-Jährige. Bei seinem Vater Jürgen war es nicht anders. Statt zu spielen, verfolgte er lieber gespannt die ersten Spül-experimente seines Vaters im Keller. „Ich wer-de nie vergessen, wie meine Mutter 1956 in unserem Garten Teller mit Spinat einschrubbte und trocknete, wir sie dann im Prototyp spül-ten – und sie tatsächlich sauber wurden!“ Der Funke ist bei ihm früh übergesprungen und entwickelte sich zu einem regelrechten Feuer-eifer für das Familienunternehmen – übrigens ein Gleichnis, das auch die Initialzündung für Sohn Ralph war: „Als kleiner Knirps konnte ich mir nicht vorstellen, wie mein Großvater es schaffte, direkt nach dem Krieg ein so tolles Unternehmen aufzubauen.“ Ralph liebte es da-mals, mit seinem Opa Lagerfeuer zu machen und so erzählte ihm dieser, dass es mit einem erfolgreichen Unternehmen schlicht so ist wie mit dem Feuer machen. Um es zu entfachen, muss man vorher viel Zeit und Leidenschaft in das richtige Holz und dessen Anordnung investiert haben. Sobald es brennt, darf man sich aber nicht ausruhen. Es gilt, permanent Holz nachzulegen. „Das klang für mich lo-gisch und hat mich motiviert, das Feuer des Unternehmens weiter am Laufen zu halten“, erläutert Ralph Winterhalter. „Die nächste Ge-neration mit dem Firmenvirus zu infizieren, ist das Beste was man machen kann“, ergänzt Jürgen Winterhalter. Das Erfolgsgeheimnis von ihm und Vater Karl: „Zeigen, welchen Spaß es machen kann, als Familienunternehmer zu agieren; aber auch die nächste Generation früh einbeziehen, Verantwortung übertragen, damit ein Gefühl entsteht, worum es geht.“ Als Familienunternehmen besitzt Winterhalter ein Alleinstellungsmerkmal in der Branche, ist na-hezu ein „Exot“, wie Jürgen Winterhalter sagt: „Wir sind kein anonymes Gebilde, haben keine Teilhaber mit rein monetären Interessen im Rü-cken. Wir pflegen intern wie extern eine famili-äre Beziehung. Das wissen unsere Kunden und Mitarbeiter zu schätzen.“ Perfekt widergespie-gelt wird dies auch in der Lebensphilosophie von Karl Winterhalter: „Erfolg hat man nie al-leine“, ein Anspruch für steten Teamgeist und Kundentreue. Von Schrott zum Schlager Begründet hat er sein Lebenswerk 1947: Visio-när, der er war, tüftelte der arbeitslose Ingeni-eur nach dem Krieg mit Schrott und baute da-raus Haushaltsgeräte – und ernährte damit ne-benbei die Familie. Erster Verkaufsschlager war die Backhexe, eine mobile Backröhre für Pri-vathaushalte. 1957 folgte sein erster vollelekMit Feuer dabei „Wenn zwei oder drei Generationen in einem Unternehmen tätig sind, kommen unterschiedliche Auffassungen zusammen. Aber das muss so sein und ist eher eine Chance als ein Problem, solange man zu einem Konsens findet.“ Jürgen Winterhalter 44 GVmanager 5 /2017


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