Kartoffeln: Grüne Ansätze erwünscht

GVmanager_05_2017

Fotos: Aviko, © flaya – Fotolia.com Kartoffeln Grüne Ansätze erwünscht Verbraucher wünschen sich mehr Nachhaltigkeit, aber Bauernhöfe verschwinden und die Biodiversität nimmt ab. Man kann die Entwicklung durch Pommes und Klöße aufhalten – und zwar durch nachhaltige und regionale Ansätze im kleinen und großen industriellen Stil. Die meisten der rund 40 deutschen Kartoffel- Erhaltungszüchter sind Bio-Betriebe. „Die Vielfalt zeigt sich im Geschmack und auch in der guten Anpassung regionaler Sorten an die jeweiligen Boden- und Wachstums- bedingungen“, sagt Carolin Grieshop, Ge-schäftsführerin des Kompetenzzentrums Ökolandbau Nieder-sachsen und Mitglied der Arbeitsgemein-schaft Kartoffel des Jahres. Heute sind noch 150 Speisekartoffelsorten zu-gelassen, im LEH finden sich davon etwa zehn. Die Schwarzblaue Frankenwälder Kartoffel gehört zu den wenigen Regionalsorten, die im Vogtland – einem ehemals bedeutenden Kartoffelanbaugebiet – überlebt haben, weil sie dort als unverzichtbarer Bestandteil der traditionellen Esskultur gelten. Andere über-leben meist nur als Slow Food Arche Passagier, wie die Bamberger Hörnla und Weinberger Schlosskipfler in Hörnchenform. Derartige Kar-toffelsorten werden nur noch von Spezia-listen und einigen Vereinen erhalten und über das Internet oder auf Wochenmärkten verkauft – für GV-Betriebe eine aufwän-dige Beschaffung, aber keine unmögliche. Ei-nige Bauern können die Kartoffeln auch „convenient“ auf-bereitet zuliefern. Funktion schlägt Vielfalt Derartige kleine Maßnahmen leisten auch einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit, einen größeren Hebel ha-ben GV-Betriebe aber mit der gezielten Auswahl ihres Kartof-felproduktezulieferers. Sortenviel-falt wird hier allerdings meist anderen Aspekten untergeordnet. Das amerikanisch-niederländische Unternehmen Lamb Weston z. B. schöpft aus einem Pool von 21 Sorten, von denen aktuell zwischen zehn und 14 im Einsatz sind. „Die Sorten werden je nach An-forderungen des Produkts eingesetzt. Die Grö-ße der Knollen, ihr Stärke-Wasser-Verhältnis und der Geschmack spielen für die Auswahl eine entscheidende Rolle“, erklärt Christian Schramm, Country Sales Manager DACH & North East Europe bei Lamb Weston. Analog kommen auch bei Aviko ausgewählte Sorten je nach Produkt zum Einsatz: Die gelbfleischi-gen Sorten Agria und Victoria besitzen beide lange Knollen mit relativ gutem Trockensubs-tanzgehalt und wenig reduzierendem Zucker und können deshalb länger gebacken wer-den – ideal für Pommes frites. Innerhalb der Pom’Fraîches-Produktreihe entscheidet die beabsichtigte Verwendung über die Kartoffel- sorte: Bei geschnittenen Produkten und Gra-tin Dauphinoise hingegen wird auf die Textur geachtet. Für Ofenkartoffeln sind Kriterien ge-fragt, wie eine ebenmäßige Schale, und eine feste, fleischige Textur. Für die SteamFresh- Produkte wird die Kartoffelsorte Hansa ver-arbeitet, die sich gut zum Kochen eignet. Da sie zudem sehr standstabil ist und sich gut im Kombidämpfer zubereiten lassen, setzt auch der niederländische Hersteller Peka Kroef auf diese alte deutsche Sorte, etwa für seine Brat-kartoffeln „Home Made Potatoes“. Nachhaltige Arbeitsweise Nachhaltigkeit im Zusammenhang mit Kartof-felprodukten bedeutet aber nicht nur Arten-erhalt, sondern auch eine umweltschonende Arbeitsweise. „Wir sind davon überzeugt, dass Ein paar Zahlen vorweg: Einer von vier Bauernhöfen in der EU hat zwischen 2003 und 2013 aufgegeben. Global ge-sehen sind schon mehr als 90 % der Sorten- und Artenvielfalt von den Feldern verschwun-den und 75 % aller Lebensmittel werden aus nur zwölf Pflanzensorten und fünf Tierarten gewonnen. „Wir brauchen ein Ernährungssys-tem, das Lebensmittel im kulturellen, gesell-schaftlichen und ökologischen Kontext sieht, ebenso wie im sozialen und im wirtschaftli-chen, und wir brauchen politischen Willen, um dies zu unterstützen“, betont Ursula Hudson, Vorsitzende von Slow Food Deutschland. Um die angesprochenen Probleme zu lösen und den UN-Nachhaltigkeitszielen (SDGs) gemäß des Pariser Klimaabkommens gerecht zu wer-den, müsste die EU ihre Agrarpolitik (GAP) dringend reformieren. Dabei sollten Struktu-ren und Erzeuger begünstigt werden, die öko-logisch nachhaltig wirtschaften und den Erhalt alter Pflanzensorten fördern. Auf diese Weise könnten auch alte Kartoffel-sorten vor dem Aussterben bewahrt werden.


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