Manager im Gespräch - Guido Zöllick, Dehoga Bundesverband: „Wir bleiben die Branche der Chance“

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Manager im Gespräch Erst wenige Monate im Amt als Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands, haben wir Guido Zöllick zum Thema Aus- und Weiterbildung befragt. Bei seiner Antrittsrede im November 2016 forderte Guido Zöllick eine steu-erliche Gleichbehandlung von Speisen und flexiblere Arbeits-zeiten. 1970 in Rostock gebo-ren, kennt der General Mana-ger und Geschäftsführer des Hotel Neptun in Warnemünde seine Branche von der Pike auf. In seiner heutigen Wirkungs-stätte begann der 37-Jährige bereits Ende der 1980er-Jahre mit seiner Ausbildung zum Restaurantfachmann – um nach Lehr- und Wanderjahren 2007 dorthin zurückzukehren. Der Redaktion stand der Präsi-dent des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga Bundesverband) Rede und Ant-wort. Herr Zöllick, inwieweit haben sich die beruflichen Anforde-rungen in den vergangenen Jahren verändert? Sie sind in Bereichen des Perso-nalmanagements, im Vertrieb/ Marketing oder im Bereich Controlling/Verwaltung gestie-gen – nicht zuletzt durch die zunehmende Digitalisierung und Vernetzung. Dennoch blei-ben wir die Branche der Chance – für alle! Unsere Betriebe bieten allen Engagierten, auch Quereinstei-gern, interessante Einsatzmög-lichkeiten. Zudem gewinnen Bachelor- oder Masterstudien-gänge an Bedeutung. Gleich-wohl möchte ich betonen: Eine klassische, gastgewerbli-che Berufsausbildung ist und bleibt ein starkes Fundament. Welche Rolle sollten Institutionen und Verbände beim Thema Ausbildung und Studium spielen? Wir erwarten, dass die Politik aufhört, das Stu-dium einseitig zu glorifizieren. Wir alle sollten dafür sorgen, dass die duale Ausbildung wie-der den ihr zustehenden Stellenwert erhält. In diesem Sinne gibt es viele Stellschrauben, an denen wir beteiligt sind: Zusammen mit unse-ren Mitgliedsunternehmen vermitteln wir die Attraktivität und die hervorragenden Perspek-tiven der Branche. Wir erzählen auf allen Ka-nälen Ausbildungs- und Karrieregeschichten, die Mut und Lust machen. Zur Ausbildungsreife gehören außerdem die Vorbereitung auf das Arbeitsleben und die Be-rufsorientierung. Diese muss an den Schulen einen höheren Stellenwert bekommen und in stärkerer Kooperation mit Unternehmen und Arbeitsagenturen gelebt werden, als bisher. Von zentraler Bedeutung ist zudem die Un-terrichtsqualität in den Berufsschulen. Gefor-dert sind Lehrer, die mit Fachkompetenz und Überzeugung einen praxisbezogenen Unter-richt anbieten und Lernort-Kooperationen zwi-schen Dehoga, Ausbildungsunternehmen und Schule nutzen. Mit Sorge beobachten wir die Tendenz zur Reduzierung oder Abwertung von Fachpraxisunterricht. Bei der Gewinnung junger Menschen gilt es zudem, neue Wege zu gehen – z. B. über Castings, Tage der offenen Tür oder Speed- Datings. Auszubildende und Mitarbeiter er-warten vor allem, ernst genommen und wert-geschätzt zu werden. Inwiefern kann das Studium heute die Ausbil-dung im Gastgewerbe ersetzen? Nicht nur ein Studium garantiert gute Per-spektiven. Dem setzen wir Fakten entgegen: Fortbildungen wie Meister sind anerkannter-maßen auf gleichem Niveau wie ein Bachelor. Die Abbrecherquote unter Bachelorstudenten liegt mit fast 30 % enorm hoch. Zahlreiche Ab-solventen finden keine angemessene Beschäfti-gung. Für viele junge Leute ist eine Ausbildung also definitiv der geeignetere Weg. Hinzu kom-men attraktive Fortbildungsmöglichkeiten, z. B. zum Küchenmeister oder Hotelbetriebs-wirt. So kann die berufliche Weiterbildung die bessere Alternative sein und Garant dafür, dass Foto: Dehoga „Wir bleiben die Branche der Chance“ 12 GVmanager 5 /2017


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