Forschung: Geschmack ist lernbar

GVmanager_05_2017

Forschung Geschmack ist lernbar Teil beliebt. Das liegt daran, dass Getränke wie Kaffee oder Bier einen positiven Effekt nach sich ziehen, sagt Russell Keast. Beide Ge-tränke machen leicht süchtig und sorgen für höhere Aufmerksamkeit. Demzufolge ist der Konsum von Lebensmitteln nicht nur auf das Geschmackserlebnis beschränkt. Essen und Trinken sind die einzigen Tätigkei-ten, bei denen alle Sinne involviert sind. Es ist also ein multisensorisches Erlebnis, das Hö-ren, Sehen, Riechen, Fühlen und Schmecken miteinander kombiniert. Sollten wir demnach ein bestimmtes Lebensmittel aufgrund des Geschmacks nicht mögen, rät der Wissenschaftler dazu, die Ge-schmacksnerven zu über-listen. Das funktioniert u. a., indem mehrere Geschmacksrichtun-gen oder Lebensmittel kombiniert werden, um durch multisen-sorische Erlebnisse die Geschmacksner-ven auszutricksen. Vielleicht auch ein Trick für die Akzeptanz von mehr Gemüse in der Betriebs oder auch der Schulver-pflegung. Als Kind „bäh“, als Erwachsener „mhm“ – Geschmäcker ändern sich im Alter. Da schmeckt einem als Erwachsener z. B. plötzlich der Rosenkohl, den man als Kind vom Teller geschubst hat. Wissenschaft-ler in Australien haben erforscht, was diesen Sinnes- bzw. Geschmackswandel hervorruft. Laut Professor Russell Keast, der sich an der Deakin University im australischen Melbourne mit sensorischer Forschung befasst, ist eine re-gelmäßige Auseinandersetzung mit diesen Ge-schmäckern „Schuld“ daran. Menschen lernen schlichtweg, diese zu mögen. Beim ersten Essversuch schmecken einige Le-bensmittel nicht, erklärt Russell Keast. Daher rät der Wissenschaftler in diesem Fall, die Pro-dukte mehrmals zu probieren. Dadurch wird den Nährstoffen im Essen die Möglichkeit gegeben, auf das menschliche System einzu-wirken und es positiv zu beeinflussen. Der Kör-per erinnert sich daran, wenn die aufgenom-menen Nährstoffe etwa Energie oder andere positive Effekte liefern. Dadurch kann es nach diesem Erlebnis passieren, dass beim nächsten Versuch das Essen auf einmal schmeckt. Das Lernverhalten kann aber leider auch in die an-dere Richtung gehen. Setzt nach einem hohen Alkoholkonsum ein Gefühl ein, krank zu sein, kann nur der Gedanke an Alkohol am nächsten Morgen zu einer Magenverstimmung führen – ein Schutzmechanismus des Körpers, der dazu führen kann, dass es nicht mehr schmeckt. Bitteres Gemüse Zudem erklärt Russell Keast, weshalb Gemüse häufig verschmäht wird. Dies hat evolutions-biologische Gründe. Da Gemüse immer in aus-reichenden Mengen vorhanden war, benötig-te der Mensch kein intensives Verlangen, um es aufzuspüren. Zudem beinhaltet pflanzliche Nahrung oft Bitterstoffe, die tief verwurzelte Schutzmechanismen des Menschen aktivie-ren. Ein bitterer oder saurer Geschmack dient meist als Warnsignal für etwas potenziell Gefährliches – das hat nicht selten das Überleben garantiert. Heut-zutage gibt es Supermärkte, in denen wir die Lebens-mittel, die unserem An-spruch entsprechen, kaufen können. Die Ur-instinkte benötigt der Mensch nicht mehr. Dennoch wird es noch Tausende von Jahren dauern, bis sie verschwinden. Doch auch bit-tere Lebensmit-tel sind zum Foto: Colourbox.de Erwachsene stellen häufig fest, dass sie Lebensmittel gerne essen, die sie als Kind nicht mochten. Forscher der Deakin University in Melbourne haben herausgefunden, dass das nicht nur mit dem Geschmack an sich zu tun hat. AUF EINEN BLICK Wenn ein Nahrungsmittel nicht schmeckt: Es öfter probieren/anbieten lohnt sich. Denn: Der Körper erinnert sich:an gute oder schlechte Effekte durch gewisse Nährstoffe und das beeinflusst den Geschmack. Gemüse ist evolutionsbiologisch weniger beliebt::Uns fehlt der Urinstinkt, es aufspüren oder „jagen“ zu müssen. Oft beinhaltet pflanzliche Nahrung zudem Bitterstoffe, die Schutzmechanismen im Körper aktivieren. Essen und Trinken sind multisensorische Erlebnisse: Kombiniert man verschiedene Lebensmittel, kann man die Geschmacksnerven austricksen. 10 GVmanager 5 /2017


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