Gesundheitsmanagement - Nudging: Ein sanfter „Stups“

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Foto: Singer/KErn; Illustration: © Lin – Fotolia.com Wie wird Rohkost attraktiver als Currywurst? Nudging oder Smarter Lunchrooms heißen die Schlüssel. Sie geben im Betriebsrestaurant fast unbemerkt Impulse für eine gesündere Wahl. Ein sanfter „Stups“ Wussten Sie, dass 80 % we-niger „Pipi“ auf dem Bo-den landen, wenn in Uri-nalen Stempelkarte BGM Preisreduktion Ambiente kalorienoptimiert Verführung das Abbild einer Fliege angebracht ist? Das Geheimnis: Die kleine Fliege appelliert an den Sportsgeist des Mannes, einen Treffer zu landen. Was in Toiletten funktioniert, klappt auch in anderen Bereichen. Die Fachwelt spricht dabei von Nudging, gemeint sind „an-stupsende“ psychologische Kniffe, die Men-schen in eine erwünschte Richtung lenken. Regeln und Verbote sind dabei nicht nötig, der Mensch glaubt, diesen Weg selbst gewählt zu haben. Auch GV-Manager arbeiten – oft ohne es zu wissen – mit Nudging-Maßnahmen, um ihre Gäste zu gesünderem Essen zu verführen. Sie platzieren in Griffnähe gesundes Obst und erleichtern damit die „richtige“ Wahl. Oder sie stanzen lustige Formen aus Möhren & Co., um Kindern Gemüse schmackhaft zu machen. Googles Psycho-Tricks Vorreiter in Sachen Nudging ist Google. Der Suchmaschinen-Gigant bindet seine Mitar-beiter zunächst einmal mit einem kostenlosen Essen ans Betriebsrestaurant, lenkt sie dort mit Psycho-Tricks und kontrolliert so unbe-merkt die Fitness seiner Belegschaft. Wer das Restaurant betritt, wird sogleich von einer Salatbar empfangen, wohingegen sich der Kuchen in einer Theke weiter hinten versteckt. Die Teller sind kleiner gehalten, Gäste, denen die erste Ladung nicht genügt, müssen ein zweites Mal laufen. Wasserflaschen sind auf Augenhöhe zu greifen, für Softdrinks muss man sich bücken. Das Unternehmen Google, das inzwischen sogar eigene Nudging-Berater beschäftigen soll, gibt sich erfolgreich: Die Mitarbeiter ernähren sich heute gesünder und kalorienärmer. Ganzheitliche Lockmittel Die Gesundheit der Mitarbeiter liegt auch Johnson & Johnson Medical in Norderstedt am Herzen. Die Ernährung ist Bestandteil des be-trieblichen Gesund-heitsmanagements. In den beiden Betriebsres-taurants werden im Schnitt 550 Gäste täglich verpflegt. Als noch niemand von Nudging oder „Smarter Lunchrooms“ sprach, wurden hier schon Maßnahmen umgesetzt, die Mitar-beitern die Entscheidung für eine gesündere Ernährungsweise erleichtern sollten. So sor-gen Farben für schnelle Orientierung auf dem Speiseplan, und ein frisches Grün steht für Ge-richte der Vitallinie. „Ihre Zusammensetzung ist genau geregelt“, sagt Stefan Horn, Leiter der Cafeteria. „Ein Teil Proteine, zwei Teile vollwertige Kohlenhydrate und 200 g Gemüse. Der Fettanteil ist reduziert.“ Ein Stempelsys-tem schafft Anreize: „Wer 20-mal ein Vital- menü gewählt hat, bekommt eines umsonst und zusätzlich noch eine Gesundheitsberatung 3 /2017 GVmanager 19


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