Interview: Das Ende der Egomanie

GVmanager_01_02_2017

Foto: Rieber organisiert wird. Ihnen bleibt aber im Gedächtnis, ob das Essen ge-schmeckt und die Servicekraft zuvorkommend war, oder nicht“, resümiert Andreas Müller. Und dazu leistet Check einen wichti-gen Beitrag, da es die Personal- situation entspannt. „Ich brauche hier mehr Häuptlinge, also Hoch-qualifizierte, und mehr Indianer, also Hilfskräfte, aber viel weniger von allem dazwischen“, so seine Erfahrung nach der zweijähri-gen Anwendung. „Das System ermöglicht es uns, mit wenigen Fachkräften auszukommen, die Produktionsqualität zu steigern, also regionaler, saisonaler und frischer zu kochen und/oder schlussendlich das Geschäft sogar zu erweitern.“ kir Gerhard Heilemann, Generalbevollmächtigter Vertrieb der max maier business group, hat uns verraten, wie Rieber die Digitalisierung der Branche vorantreiben will. Herr Heilemann, was ist in der ers-ten digitalen Profiküche Europas anders als in konventionellen? Die Geräte sind für das digitale Zeitalter vorbereitet, z. B. durch Schnittstellen, mittels derer man sie an die Cloud anschließen und Daten organisieren kann. Basis ist unser System °Check. Als Kom- Zentralküche URBANHARBOR urbanharbor – das Silicon Valley Ludwigsburgs Konzept: Hinter dem „Städtischen Hafen“ urbanharbor verbirgt sich ein neuartiges Immobilien-konzept, das auf Max Maier, Inhaber der gleichnamigen business group, wozu auch Rieber zählt, zurückgeht. Urbanharbor, angesiedelt innerhalb der 200.000 m2 großen Weststadt Ludwigsburg, ist ein 3.750 m2 großer Campus aus einer umgebauten Industriehalle und Containern, die flexibel und modular genutzt werden können. Leben, Essen, Wohnen und Arbeiten sollen hier wieder zu-sammenrücken und neu organisiert werden. Zielgruppe: Kreative Köpfe, die an innovativen Lösungen tüfteln – daher der Vergleich mit dem Sili-con Valley – sowie Geschäfte, die wegweisend für den künftigen mobilen-stationären Handel stehen. Kulinarisches Herzstück: Die erste digitale Küche Europas – speisewerk Rieber Flagship – dient Rieber zugleich als Präsentationsfläche für ihr digitales Tool °Check. Kernthema Digitalisierung: Verschiedene Ansätze der Digitalisierung werden hier greifbar. Kurz- und Langzeitmieter können z. B. Besprechungsräume digital per Concierge Service mieten und ein Catering von der Küche dazubuchen. Betreten lässt sich urbanharbor mittels moderner Zutrittstechniken, z. B. öffnet sich die Tür per Telefonanruf. Auf dem Gelände wird zudem das Parkraummanagement per Connectivity Parking ausgetestet und energetisch versorgt wird es demnächst per BHKW, Photovoltaik und moderner Energiespeichertechnologien. Das Ende der Egomanie munikations-, Organisations- und Dokumentationstool folgt es der Vision, den Foodflow vom Acker zum Teller zu organisieren und hinsichtlich Ressourcenschonung zu optimieren. Als Basisfunktion bereits umgesetzt ist der Bereich der Temperaturführung und -do-kumentation. Für die Vollintegra- tion sollen irgendwann alle Schnittstellen geöffnet werden. Für derartige Verknüpfungen braucht man ein einheitliches Sys-tem und die ganze Branche als Partner. Wie gehen Sie dabei vor? Die Zukunft der großen Innova- tionen liegt unserer Meinung nach nur in der Kooperation. Zugleich ist dies eine der größten Heraus-forderungen bei der Umsetzung unserer Vision. Der erste große Schritt ist nun getan: Wir haben mit der Telekom einen Techno-logiepartner im Boot, der unsere Vision mithilfe offener Standards in die Welt bringen kann. Diese Standardisierung brauchen wir, um komplementäre Partner auf-nehmen und Prozesse rund um die Profiküche – vom Foodprozess über die Gebäudetechnik bis zum Energiemanagement – wirklich im Ganzen organisieren zu können. Die Öffnung von Schnittstellen bedeutet für die Branche zugleich aber ein Ende der Egomanie. Die technischen Ausstatter des speise-werk gehen unseren Weg bereits mit und wollen mit uns zeigen, dass eine durchgängige Digitali-sierung auch in unserer Branche machbar ist – im Maschinenbau oder elektronischen Handel ist das bereits kalter Kaffee. Neben der Telekom wurde Kär-cher als fester Technologiepartner gewonnen. Das Unternehmen hat in urbanharbor auch ein Labor, wo es die Digitalisierung der Rei-nigung testet – von der Dokumen-tation der Küchenhygiene, über die Nachschubversorgung der Reinigungsmittel bis zur bedarfs-orientierten Gebäudereinigung. Wie soll die Dienstleistung rund um Check abgerechnet werden? Die Tendenz geht zu einem trans-aktionsbasierten Geschäftsmodell. Für den Nutzer fallen somit teils nur Cent-Beträge pro Monat an. Partner, die einen Mehrwert bie-ten, könnten an den Einnahmen beteiligt werden. Wir wollen mit-tels Standardisierung ein demo-kratisches System aufbauen und über die Skalierung die Kosten pro Einheit minimieren. Wenn man es mit dem Output des speisewerk vergleicht: Je mehr Essen die Kü-che am Tag mithilfe von Check produziert, desto höherwertige Lebensmittel kann sie einsetzen bei zugleich sinkenden Kosten pro Gericht. Wann glauben Sie, wird die Vision, also der Ausbau des Systems vom Acker zum Teller, vollzogen sein? Theoretisch wäre das in einem Jahr möglich, alles dafür ist bereits erfunden. Allerdings habe ich, seit ich im September hier ange-fangen habe, gelernt, dass diese Branche doch ziemlich konserva-tiv ist, was Digitalisierung angeht. Max Maier hat mich aber mit sei-nem Virus infiziert; ich will diese coole Vision von Foodgoogle, zur Verbesserung der Welt mit umset-zen. Bis wir wissen, was wo ver-fügbar ist, welche Inhaltsstoffe es hat, welche Futtermittel dafür im-portiert wurden usw. – dafür peile ich fünf Jahre an. Ich weiß, das ist ambitioniert, da wir noch viele Mittelständler bis hin zum Klein-bauern auf dem Weg zum Acker davon überzeugen müssen, aber man braucht gewisse Ziele. Danke für das Gespräch! kir 1-2 /2017 GVmanager 29


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