Lüftungstechnik: Interview: Luft ablassen

GVmanager_12_2016

DIN 18869 Teile 1–7 die aktuelle Basis darstellt. Grundlegende Änderungen zur Auslegung sind auch durch die Europanorm DIN EN 16282, die die bisherige Basis ablösen soll, nicht zu erwarten. Grundsätzlich ist die Herangehensweise, wie bei vielen anderen Themen, eine Frage der Kommunikation mit dem Auftraggeber. Hier ist es wichtig, gemeinsam mit den Projektmitgliedern des Auftraggebers die Auslegung zu erläutern und ggf. Alternativen aufzuzeigen. Weicht der Planer von den einschlägigen Normen und Richtlinien ab, muss er dem Betreiber eine Gleichwertigkeit sicherstellen und ggf. nachweisen. Spezifische Daten der Gerätehersteller sind natürlich ein probates Mittel, um die Luftmengen zu optimieren, da die Normung hier nur übliche Richtwerte vorgeben kann. Die letztendliche Entscheidung liegt dann beim Auftraggeber. Abweichungen zu den normativen Vorgaben sind zwischen den Beteiligten – also Fotos: Giel Planungsgesellschaft Beim Thema Lüftungstechnik ist alles andere als die Luft raus, sondern angesichts der VDI 2052 viel Bewegung drin. Magnus Mencher, Prokurist der Giel Planungsgesellschaft, freier Fachplaner im VdF sowie Architekt, spannte im Interview einen breiten Bogen von Normung über Decken und Hauben bis hin zum Portionierband. Die Überarbeitung der veralteten Richtlinie VDI 2052 zur Raumlufttechnik in Profiküchen veranlasste unlängst Experten, so richtig Luft dazu abzulassen. Diese führt oft zu überdimensionierten Lösungen, da sie nur begrenzt auf die tatsächliche Spitzenbelastung durch Feuchte und Wärme – je nach Technik und Prozessablauf – eingeht. Unser VdF-Experte Magnus Mencher hat vor dem Interview zwar auch tief Luft geholt, aber das Dilemma fachmännisch pragmatisch genommen. Der Architekt und Prokurist der Giel Planungsgesellschaft hat die Erfahrung des Ludwigsburger Generalplaners im Rücken, der schon seit Jahren die sensible Schnittstelle zur Gebäudetechnik, u. a. bei der Lüftungsplanung, durch eine Lösung aus einer Hand zu vermeiden versucht. Herr Mencher, wie versuchen Sie bei der Lüf-tungsplanung den Spagat zu lösen zwischen normkonformer, aber überteuerter und überdimen-sionierter Auslegung nach der veralteten VDI 2052 und dem optimalen Kun-dennutzen? Die aktuelle Fassung der VDI ist zunächst eine Richtlinie, welche es bei der Auslegung der Lüftungsplanung in gewerblichen Küchen zu beachten gilt, und in Verbindung mit der dem Auftraggeber, dem RLT-Anlagenplaner und dem Küchenplaner – zu vereinbaren und schriftlich zu dokumentieren. Welche Änderungen in der Normung sind zu erwarten? Im Vergleich zur aktuell gültigen Fassung der VDI 2052, Stand April 2006, verbessern die zu erwartenden Änderungen in der neuen Normung die Berechnungsgenauigkeiten. So sind z. B. zu erwarten:  Luftmengenberechnung: Sie soll wohl analog zur VDI 2052 mit einem zusätzlichen Faktor, der die Effektivität der Haube oder Decke berücksichtigt, erfolgen. Das ist unseres Wissens nach jedoch noch nicht sicher.  Küchenlüftungshauben: Der notwendige Haubenüberstand wird sich durch die Vorgaben und Änderung des Öffnungswinkels vergrößern. Zudem wird sich die Mindestabhänghöhe reduzieren.  Küchenlüftungsdecken: Diese müssen über die gesamte Küchenfläche ausgeführt werden, auch bei Show-Küchen.  Verschärfung der Anforderungen an Feuer-löscheinrichtungen. Im Zusammenspiel mit der EN-Norm bedeutet das: Es werden die Berechnungsgrundlagen und die allgemeinen Anforderungen vorgegeben, mit Hilfe derer ohne besonderen Nachweis davon ausgegangen werden kann, dass der Arbeitsschutz bezüglich Luftqualität eingehalten wird und ein bestimmungsgemäßer „Die Mehrinvestition für leistungsgeregelte Lüftungsdecken amortisiert sich erfahrungsgemäß in wenigen Jahren.“ Magnus Mencher Luft ablassen 36 GVmanager 12 /2016


GVmanager_12_2016
To see the actual publication please follow the link above