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Foto: © Natalia Klenova – Fotolia.com Ernährungsberaterin und gelernte Köchin. Als Alternativen zur Açaí-Beere gelten z. B. heimi-sche dunkle Beeren sowie rote Weintrauben, die ebenfalls mit vielen Polyphenolen – sekun-dären Pflanzenstoffen – punkten. Iris Lange- Fricke empfiehlt besonders die zuckerarme Heidelbeere. Lein- anstelle von Chiasamen enthalten ebenfalls Omega-3-Fettsäuren und Ballaststoffe. Angela Clausen empfiehlt prinzipiell, Gemüse und Obst der Saison zu verwenden: „Zurzeit wären das vor allem alle Arten Kohl, aber auch Feldsalat, Möhren, Zwiebelgewächse und Kräuter wie Kresse. Diese Gemüse enthalten nicht nur Vitamine und Mineralstoffe, sondern auch reichlich sekundäre Pflanzenstoffe (Farb-, Duft- und Aromastoffe) wie Glucosinolate (Senföle) und Anthocyane (dunkelrote Farb-stoffe).“ Für viele dieser Stoffe seien allgemein gesundheitsfördernde Eigenschaften belegt. Auch Kartoffeln, Steckrüben oder Pastinaken in Kombination mit rotem oder grünem Ge-müse schlägt sie vor, ebenso Rote Bete und Kürbisse. „Und bloß nicht alles garen, auch roh eignen sich einige gut als Salat“, betont die Oecotrophologin. Kleine „Kraftpakete“ „Einen Extrakick an wertvollen Inhaltsstoffen liefern Nüsse und Samen“, ergänzt Angela Clausen. Walnusskerne enthalten z. B. reich-lich gute Fette, Vitamin E und B6, Folsäure und Omega-3-Fettsäuren. Nüsse und Saaten lassen sich gut über Salate, Vorspeisen und Hauptgerichte streuen. Oft sind sie auch schon in Backwaren verarbeitet. Das dunkle Focaccia von Hiestand & Suhr ist z. B. mit Sesam und Haferflocken bestreut. Letztere emp-fiehlt Iris Lange-Fricke aufgrund eines hohen Gehalts an Calcium, Ballaststoffen und komplexen Kohlenhydraten. Die Chia- Alternative Leinsamen steckt z. B. im rustikalen Flaguette von Nestlé Schöller Backwaren, einer Kreuzung aus Fladenbrot und Baguette, die eine Kruste aus Haferflocken, Leinsamen, Sesam und Sonnen-blumenkernen hat. Der Sandwich Bun von Lantmännen Unibake Germany, der mit dem isländischen Milchprodukt Skyr veredelt ist, punktet mit einem Topping aus Leinsamen, Sesam, Sonnenblumenkernen und Cornflakes. Bei Transgourmet gibt es eine vierfach sortier-te Bio Mini-Brötchen Mischkiste mit Dreikorn-brötchen, Saatenbrötchen, Rundstücken mit Sesam sowie Kürbiskernbrötchen. Auf Chia als eines der bekanntesten Superfoods setzt Edna mit einem speziellen Brötchen und Bagel. Für den Einsatz in der GV empfiehlt Iris Lange- Fricke zudem Joghurt und Kefir, welche durch Calcium, Eiweiß und Milchsäurebakterien sehr gesund sind. Etablierte Anbieter sind hier z. B. die Marke Gastro von FrieslandCampina Food-service oder Arla Foodservice. Die Liste an Superfoods kann man laut Iris Lange-Fricke vielfach erweitern, denn viele Produkte sind potenzielle Superfoods: Äpfel, Vitale Küche HEIMISCHE SUPERFOODS und ihre Inhaltsstoffe: Leinsamen: Omega-3-Fettsäuren, Ballaststoffe Haferflocken: Calcium, Ballaststoffe, komplexe Kohlenhydrate Walnusskerne: gute Fette, Vitamin E und B6, Folsäure, Omega-3-Fettsäuren Grünkohl/Brokkoli: Vitamin C, Calcium, Kalium Heidelbeeren: zuckerarm, viele Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) Hirse: Eisen, komplexe Kohlenhydrate, Aminosäuren Joghurt/Kefir: Calcium, Eiweiß, Milchsäurebakterien Feldsalat: Eisen, Vitamin C, Calcium, Vitamin A Sauerkraut: Vitamin C, Milchsäurebakterien Pflaumen, Aroniabeeren, Sanddornbeeren, Rote Bete, Kräuter, Sprossen, Tomaten usw. Heimische Aktionspartner Große Caterer wie Aramark und Sodexo haben heimische Superfoods be-reits im Rahmen von Aktions- wochen zum Thema ge-macht. Schaumsuppe von Roter Bete mit Sesam, Ing-wer und Kokos, Pikantes Curry mit Wirsing, Avocado und Koriander-Limetten- Duftreis oder Sanddorn-Kara-mell- Crème brûlée tischte Aramark z. B. im November im Rahmen der Aktion „Natural Supergreens“ auf. „Dass Winterge-müse wie Grünkohl, Wirsing, Chicorée, Rauke oder Rote Bete dem Körper so viele wichtige Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflan-zenstoffe liefert wie kaum eine exotische Zu-tat, ahnen viele Menschen gar nicht“, erklärt Ulrike Mößner, Oecotrophologin bei Aramark, den Hintergrund der Aktion. „Neben den Nährstoffen stand natürlich auch der kulinari-sche Aspekt im Mittelpunkt.“ Ähnliche Beweg-gründe hatte Sodexo für seine Aktion „Power Food – heimische Helden“. Einen Gäste-Mehr-wert lieferte eine Sammelaktion und ein kleines Booklet, das ausgewählte Zutaten und deren Inhaltsstoffe vorstellte. Der abschließende Rat von Angela Clausen: „Möglichst farbig kombinieren und kochen. Rote, orange, gelbe, blaue Früchte und Wur-zelgemüse, grüne und violette (Blatt-)Gemüse, Salate – optisch attraktive, geschmacklich in-teressante neue Kombinationen dieser ‚alten’ Gemüse sind tolles heimisches Superfood.“ Rechtliche Lage Sind (heimische) Superfoods ein guter werb-licher Aufhänger, um die vitale Küche nach den Festtagen gesundheitsförderlich in der Kommunikation aufzupeppen? „Grundsätzlich dürfen in der Werbung keine Aussagen mit Krankheitsbezug ,hilft bei Erkäl-tung‘ oder ,lindert bei Arthrose‘ oder ,schützt vor Osteoporose‘ gemacht werden. Auch ge-sundheitsbezogene Aussagen sind nur sehr ein-geschränkt möglich. Details regelt die Health- Claims-Verordnung VO (EU) 1924/2006“, erklärt die Oecotrophologin Angela Clausen. „Allgemeine Aussagen etwa dazu, dass Grün-kohl ein Vitamin-C-reiches Gemüse ist, wären möglich, sofern deutlich wird, dass sich das nicht auf das Gericht, sondern auf Grünkohl ganz allgemein bezieht. Allerdings ist dabei darauf zu achten, dass die Regeln für die Nut-zung dieser sogenannten nährwertbezogenen Angaben eingehalten werden, d. h. pro 100 g müssen mind. 15 % der Referenzwerte laut Lebensmittelinformationsverordnung enthal-ten sein“, erklärt sie. F. König/kir „Heimische Superfoods können die GV bereichern und die Nährstoffbi-lanzen optimieren.“ Iris Lange-Fricke 12 /2016 GVmanager 27


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