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24_Stunden_Gastlichkeit_05_2016

Wir zusammen MEINUNG Michael Teodorescu Chefredakteur Standards der Ausbildung erschweren die Anstellung ebenfalls. Bisher mussten Sie auch noch darauf Rücksicht nehmen, ob nicht etwa ein deutscher Bewerber für die Stelle in Frage kommt. Zumindest bei dieser sog. „Vorrangprüfung“ wurde der Forderung des Dehoga nachgegeben – sie entfällt nun. Auch erhalten Flüchtlinge jetzt während und nach ihrer Ausbildung einen sicheren Aufenthaltsstatus. Dazu kommt, dass das Verbot der Leiharbeit für Flüchtlinge weitgehend aufgehoben ist. Das weiß nur noch nicht jeder Arbeitgeber. Der Bundesverband der Systemgastronomie sieht sich als „Integrationsweltmeister“ und „Branche der Chancen“. Deshalb zeichnete er kürzlich das Integrationsteam der Bundesagentur für Arbeit und des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge mit dem Deutschen Systemgastronomiepreis 2016 aus – aufgrund seines „pragmatischen und systematischen Zupackens“. In der gastronomischen Praxis ist man also optimistisch. Von guten Erfahrungen berichtete schon letztes Jahr Heinz Winkler, aktuell z. B. der bereits zitierte McDonald’s-Chef, die Personalleiterin der Rösterei Dinzler, die Motel One Gruppe, aber auch die IHK Schwaben als Ausbildungsförderer. Trotz vereinzelter schlechter Erfahrungen sind also Vorurteile und Pauschalisierungen immer noch fehl am Platz. Nach wie vor gilt: Flüchtlinge haben das Potenzial, Lücken im Arbeitsmarkt zu schließen. Seien Sie Teil der „Branche der Chancen“! Wer in den Anfangszeiten die Willkommenskultur kritisierte, war gleich ein Miesmacher, ein AfD-Sympathisant oder Schlimmeres. Ein Jahr Erfahrung später wissen wir: So einfach bringen wir den Fachkräftemangel und die Flüchtlingsintegration nicht zusammen. So erschweren kulturelle Hürden wie die Weigerung, Schweinefleisch oder Alkohol zu servieren, den gemeinsamen gastronomischen Arbeitsalltag. Als Arbeitgeber muss man darauf Rücksicht nehmen, dass im Heimatland erlebte Traumata die Arbeitsleistung einschränken können. Auch scheint es manchen männlichen Flüchtlingen Probleme zu bereiten, sich von Frauen in Führungspositionen anleiten zu lassen. „Sprache ist die größte Hürde“, spricht McDonald’s- Chef Holger Beeck dem SWR gegenüber das größte Problem an. Gemeinsam mit anderen Vertretern der Wirtschaft (Initiative „Wir zusammen“) forderte er beim Jobgipfel im Kanzleramt vor allem die Förderung von Deutschkursen. Jetzt dauere es eineinhalb bis zwei Jahre, bis sprachseitig ein voller Einsatz möglich ist. Und auch wenn Sie als Arbeitgeber bereit sind, über diese Dinge hingwegzusehen, stolpern Sie dann schon mal über die behördlichen Hürden. Zuwanderer müssen Asylverfahren durchlaufen, bevor sie überhaupt arbeiten dürfen. Und ist dann der Aufenthaltsstatus auch für längere Zeit gesichert, sodass es sich für Sie lohnt, in den neuen Mitarbeiter vor allem Zeit zu investieren? Die Anerkennung von Abschlüssen im Heimatland und die abweichenden 24 Stunden Gastlichkeit 5/2016 3


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