Page 26

GVmanager_08_2016

Fotos: Marcus Rott/Bundeswehr, © Aloksa – Fotolia.com Truppenverpflegung denn 77 % aller Arbeitnehmer wünschen sich eine gesunde Ernährung durch das eigene Betriebscasino. Die Umfrage der pronova BKK bestätigt, dass das Wissen und die Bedeutung um gesunde Ernährung in unserer Gesellschaft groß ist. Im Berufsalltag lässt sich dies allerdings oftmals nicht umsetzen. Die Zeit, sich selbst in der Mit-tagspause frische Salate bzw. Gemüsepfannen zuzubereiten, ist in den meisten Fällen nicht gegeben. Stattdessen wird aus dem vorgege-benen Speiseplan gewählt. Dennoch ist der Anteil der Verbraucher, die vermehrt bewusst konsumieren, auf eine nachhaltige und gesun-de Ernährung Wert legen und dafür auch bereit sind, mehr zu bezahlen, laut der Bundesvereini-gung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE) auf 27 % gestiegen. „Immer mehr Verbraucher steigern ihre Wertschätzung für hochwertige Lebensmittel, sie reduzieren nicht nur Abfälle, sondern informieren sich und akzeptieren für mehr Qualität auch höhere Preise. Dieser Trend muss sich verstärken, damit sich eine qualitäts-orientierte Lebensmittelindustrie in Deutsch-land weiter lohnt“, beschreibt Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der BVE. Gesunde Ernährung auf Probe Diesen Trend hat auch die Bundeswehr erkannt und testete deshalb verschiedene Ansätze für ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Ein Ansatz war das sogenannte Nudging, welches unter der Leitung von Ernährungs- und Lebens-mittelwissenschaftlerin Prof. Dr. Gertrud Wink-ler im Fliegerhorst Kaufbeuren erprobt wurde. Unter Nudging versteht man im Allgemeinen das Bündeln von Maßnahmen, die einfache Änderungen in der Gestaltung der psychischen, sozialen und physischen Umwelt einsetzen. Ziel Augenhöhe – beim Nudging ist es ähnlich. Man gestaltet die Umgebung in der Speisenausgabe so, dass die gesunden Produkte häufiger nach-gefragt und ausgewählt werden. „Außerdem hat dieser Ansatz den Vorteil, dass es sehr viele, sehr kostengünstige Maßnahmen gibt. Nud-ging muss nicht teuer sein. Man kann simple Maßnahmen einfach ausprobieren“, sagt Ger-trud Winkler. Fitte Küche Die Verpflegungsplanung für Truppenküchen erfolgt zentral durch das Verpflegungsamt der Bundeswehr (VpflABw). Bei der Zusammenstel-lung der Menüs orientiert sich das VpflABw an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung, die durch den Sanitätsdienst der Bundeswehr bei Bedarf an dessen Anforderun-gen angepasst werden. Laut Verpflegungsamt kommt es darauf an, für wen gekocht wird – ob z. B. für Kampfeinheiten oder Kommandos. Die Präferenzen der Verpflegungsteilnehmer bei der Bundeswehr sind deutschlandweit sehr unterschiedlich. Tatsächlich sind Labskaus und Fischgerichte im Norden Deutschlands sehr beliebt, während Braten, Knödel oder Leberkäse im Süden zu den Favoriten zählen. Einig sind sich die Tischgäste bundesweit bei Currywurst mit Pommes und Schnitzelgerich-ten. Trotz aller traditionellen Speisengewohn-heiten ist laut Verpflegungsamt der Trend zu einer gesunden und vollwertigen Ernährung auch bei den Soldaten festzustellen. Im Flie-gerhorst Kaufbeuren stellte jedoch das Salat- buffet ein Hindernis dar. Obwohl in der Ver-pflegung viel Wert auf Obst, Gemüse und Salat gelegt wird, war der Anteil der Essens- gäste, die mittags den (Beilagen-)Salat wähl-ten, gering. Den Salatverzehr zu erhöhen, war NUDGING-MASSNAHMEN  Wasserflaschen sehr auffällig im Ausgabebereich platzieren  Handling der Salatschälchen verbessern/vereinfachen  Veränderung der Salatdressing- behältnisse, auf einhändige Bedienung  Platzierung des Obstes mittig im Dessertbereich  Angebot von gestückeltem Obst :Grüne Linienführung, welche die Gäste zum Salat führt ist es, Menschen ohne Zwang dazu zu bewe-gen, bessere Entscheidungen zu treffen bzw. ihr Verhalten zu ändern. „Der Ansatz in der Truppenküche des Fliegerhorstes Kaufbeuren ging davon aus, dass sich das Ernährungsver-halten sehr schwer über Aufklärung, Beratung und Information ändert, sondern dadurch, dass die Umgebung eine gesunde Auswahl fördert“, erklärt Gertrud Winkler. Das klassische Beispiel, mit dem man das Nudging vergleichen kann, ist der Supermarkt. Dort werden die Produkte mit einer hohen Gewinnmarge so platziert, dass der Verbraucher sie relativ wahrscheinlich kauft. Deshalb stehen z. B. hochpreisige Produkte in 26 GVmanager 8 /2016


GVmanager_08_2016
To see the actual publication please follow the link above