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24_Stunden_Gastlichkeit_04_2016

eröffnen. Die Vermieter haben kein Vertrauen in kleine Läden. Sie vermieten lieber an die großen Ketten, weil sie wissen, auf wen sie sich da einlas-sen“‚ berichtet sie. „Daher finden sich überall die gleichen Läden.“ Und weil sie richtig durchstar-ten wollte, eröffnete sie gleichzeitig zwei Läden: Eine kleine Bäckerei, die nur Backwaren verkaufte sowie Sandwiches und Salate, und ihren großen Laden, mit Verkaufstheke, Restaurant und Bier-garten. Den kleineren Laden hat sie nach zwei Jahren wieder aufgegeben, weil die Einkaufszeile einem größeren Einkaufscenter weichen musste. Doch auch mit nur einer Bäckerei hat sie immer noch genug zu tun: Neben dem Verkauf von Backwaren bietet sie Frühstück, Mittagstisch, Kaffee und Kuchen sowie Abendessen an. Das Restaurant fasst ungefähr 40 Sitzplätze. Und bei gutem Wetter hat auch der Biergarten mit etwa 50 Sitzplätzen geöffnet. „Mein Mann und ich haben eine klare Arbeitsaufteilung: Robert ist für die Produktion, Logistik und den Großhandel zuständig, ich für die Gastronomie“‚ sagt sie. „Somit kommen wir uns nicht in die Quere.“ Denn neben all der Arbeit in der Backstube, der Bäckerei und dem Restaurant haben die beiden 50-Jähringen auch noch vier Söhne großgezogen. Die Restaurantgäste und die Kunden der Bäcke-rei kommen ganz gezielt zu Esther’s Bäckerei. „Aus Zufall kommt hier keiner rein, wir haben keinerlei Laufkundschaft. Das liegt einerseits an der Lage und zum anderen daran, dass man sich hier eben mit dem Auto fortbewegt“‚ sagt Esther Nio. „Die meisten Gäste haben eine Erinnerung an Deutschland, an ein gutes Essen oder an deut-sche Verwandtschaft, bei denen immer gut ge-kocht oder gebacken wurde. Das wollen sie bei uns dann probieren.“ Die deutschen Kunden da-gegen, die die Bäckerei meist durch Hören-Sagen gefunden haben, kommen in der Hoffnung gu-tes, deutsches Brot zu kaufen. Und sie werden nicht enttäuscht: Die Auswahl an sieben verschie-denen Broten, Kuchen sowie weitere Backwaren erinnert sehr an Bäckereien in der alten Heimat. „Sie kaufen am liebsten die dunklen Brote sowie Brezeln“‚ beschreibt Esther Nio die Kaufgewohn-heiten ihre Kunden. „Im Restaurant essen sie am liebsten Rouladen oder Schnitzel, was sie daheim nicht selber herstellen möchten.“ Ganz stolz ist Esther Nio auf die Zusammenarbeit mit Google. Ein Mitarbeiter des Konzerns fand ihre Produkte so gut, dass er einen Wechsel der Back-waren in der Kantine angeregt hat. „Und das war kein Deutscher, der sich Brot aus der alten Heimat gewünscht hat, sondern ein Gast, dem unsere Pro-dukte einfach so gut geschmeckt haben, dass er sie täglich haben möchte“‚ sagt Esther Nio zufrieden. Somit liefert das Ehepaar Nio Backwaren und Brote an die Gemeinschaftsküche des Unternehmens. Hoch-Zeiten Für Esther Nio mit ihrem Team ist die Catering- Hochsaison natürlich zur Oktoberfestzeit, wenn die Firmen im Silicon Valley Oktoberfeste für ihre Mitarbeiter organisieren. Über die Zukunft macht sich Esther Nio eini-ge Gedanken: „Unser Bäcker ist nicht mehr der jüngste mit 76 Jahren. Wenn wir da mal Nach-wuchs brauchen, wird es schwer für uns. Für das Handwerk gibt es keine Visa, das ist unser großes Problem. Wir brauchen daher einen gelernten Bä-cker, der bereits eine Green Card oder ein Visum hat. Wer also eine Karriere im sonnigen Kaliforni-en anstrebt, der sollte zu uns kommen. Denn hier ist wirklich alles möglich.“ Elke Klukowsky www.esthersbakery.com Fotos: Klukowsky


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