Sonnenverwöhnte Beeren

24_Stunden_Gastlichkeit_04_2016

Sonnenverwöhnte Beeren Erlenbacher lässt seine Erdbeeren marokkanische Sonne tanken und startet ein Pilotprojekt für bessere Produktionsbedingungen. Eine Feldstudie. Stolz blickt Shisan Mohammed auf sein Erd-beerfeld im marokkanischen Moulay Bous-selham. Der Agraringenieur hat in England studiert und spricht vier Sprachen. 20 ha gehö-ren heute ihm und seinen beiden Brüdern – vor drei Jahren begannen sie mit 5 ha. Sprühten sie früher 25-mal pro Saison ein chemisches Mittel gegen Schädlinge auf die Pflanzen, sind es jetzt nur noch neunmal. Ersatzweise bekämpfen die Farmer Schädlinge auf natürlichem Weg, z. B. mit deren Fressfeinden. Die gewachsene Anbaufläche spiegelt den Exporttrend des Landes wider: In der Saison 2014/15 hat Marokko um die 52.000 t ge-frorene Erdbeeren exportiert, Tendenz steigend. Die Anbau- und Erntebedingungen, die auf ihrem Feld herrschen, machen Mohammed und seine Brüder zum Partner für Erlenbacher. Die Kuchen-bäcker aus Groß-Gerau benötigen fast eine Tonne Erdbeeren im Jahr, die zum Großteil als Fruchtauflage auf den Produkten landen. „Diese Früchte werden nicht mehr behandelt, sondern kommen tiefgefroren und halbiert, wie sie uns geliefert wer-den, auf die Kuchen und Torten. Daher müssen sie hygienisch einwandfrei sein“, erklärt Christian Bürzle, Auditor und Spezialist für sicheren Agraranbau bei Erlenbacher. Um das zu gewährleisten, auditiert das Unternehmen alle Lieferanten und hat die gesamte Lieferkette im Blick – angefangen bei Bauern wie Mohammed in Marokko, der die Sorte „Camarosa“ anbaut. Diese eignet sich sehr gut für die Produkte, da nicht nur Geschmack und Ausse-hen stimmen, sondern sie auch nach dem Einfrie-ren und Auftauen ihre Struktur behält. Deutschland kommt als Bezugsland nicht infrage, da hier nur Früchte für den Frischmarkt angebaut werden. Stolze Pilot-Farmer Um die Bedingungen auf den Feldern zu überprü-fen und den Farmern Hilfestellungen zu geben, entwickelt Christian Bürzle zusammen mit Nestlé in der Schweiz seit zwei Jahren einen Katalog mit 60 Fragen wie: Wie düngt der Farmer? Ist das Feld eingezäunt? Gibt es Toiletten und genügend Desinfektionsmittel? Die Beantwortung prüfen wiederum die Fabriken, die die Farmer unter Vertrag haben. Und zwei Monate vor der Ernte prüft wiederum Erlenbacher die Fragebögen, damit Fehler noch ausgemerzt werden können. Die Ware, die Mohammeds Pflücker ernten, wird vom Industriepartner Messem weiterverarbeitet. 1.500 Menschen arbeiten während der Saison hier und verarbeiten 40 t Erdbeeren pro Schicht. Sie sortieren die Früchte, entstielen sie und waschen sie zweimal, um Schmutz und Blätter zu entfer-nen. Nach dem Schneiden werden die Erdbeeren auf mindestens -18°C tiefgefroren und anschlie-ßend verpackt. Gerade einmal 17 Min. dauert der Weg einer Erdbeere von ihrer Ankunft in der Fabrik bis in den Transportkarton. „Wir arbeiten nach dem Prinzip ,keep it simple‘. So entstehen die wenigsten Fehler“, erklärt Otman Skhayri, Operations and Quality Manager bei Messem, die auch bei Erlenbacher auf der Auditierungslis-te stehen. Zudem hat sich Messem mit drei wei-teren Firmen zusammengeschlossen, um mehr Einfluss auf die Anbaubedingungen zu nehmen. „Außerdem arbeiten wir eng mit Oxfam zusam-men, um soziale Verantwortung gegenüber den Arbeitern zu übernehmen“, führt Otman Skhayri weiter aus. Oxfam sorgt z. B. dafür, dass sich die Pflückerinnen registrieren lassen und so Sozialleis-tung beziehen können. Jeder Farmer verpflichtet sich, einen Vier-Punkte-Plan einzuhalten, der die Qualität der Früchte, den Einsatz von Pestiziden, die hygienischen Bedingungen auf dem Feld und den Umgang mit den Pflückerinnen regelt. Treffen die Erdbeeren schließlich in Groß-Gerau ein, werden pro Charge Stichproben aus fünf Kartons von fünf unterschiedlichen Paletten auf Viren untersucht. „Wir möchten bei allen Pro-duktionsschritten vom Feld bis zu den fertigen Backwaren nachweisen können, dass unsere Produkte hygienisch, geschmacklich und optisch einwandfrei sind“, resümiert Christian Bürzle. Ob Erdbeer-Fruchtschnitte auf dem Frühstücks-buffet oder Erdbeer-Buttermilch-Dreieck in der Tagungspause: Einen Sonnenstrahl aus Marokko gibt es mit dazu. jus www.erlenbacher.de food 24 Stunden Gastlichkeit 4/2016 Foto: Erlenbacher


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