Jetzt mal ehrlich: Christina Zeidler

GVmanager_05_2016

Foto: privat Tagebuch Frau Zeidler, in der Mutter-Kind-Klinik versorgen Sie Personen mit verschiedenen Krankheitsbildern. Spielt hier eine individu-elle Versorgung eine Rolle? Es ist bei uns nicht so wie in einer Diabetes- Klinik oder in einem Krankenhaus, in denen Patienten aufgrund von Operationen etc. un-terschiedliche Anforderungen an die Speisen-versorgung haben. Bei uns bekommen alle das gleiche Essen. Individualität spielt dementspre-chend keine große Rolle. Worauf wir hier allerdings Rücksicht nehmen müssen, sind verschiedene Lebensmittelaller-gien oder verschiedene Religionen, sprich viele Gerichte ohne Schwein oder Rind. Im Großen und Ganzen gibt es aber ein Mittagsgericht und eine Alternative. Wenn es Pommes gibt, gibt es z. B. auch Salzkartoffeln. Hilft es Ihnen in der täglichen Arbeit, dass Sie selbst Mutter von zwei Kindern sind? Auf jeden Fall, hilft mir das. Dadurch habe ich manchmal ein ganz anderes Verständnis für die Kinder, aber auch für die Mütter. Wichtig ist uns vor allem, dass wir keine „Kinderessen” anbieten. Wir sind der Meinung, dass Kinder ab einem gewissen Alter genau das Gleiche essen können wie Erwachsene. Wir achten auch darauf, dass sie die einzelnen Zutaten für ein Menü extra erhalten, wie bei einer mediterranen Gemüsepfanne: Die Kinder er-halten Gemüse, Nudeln und Sauce einzeln, damit sie sich das Gericht selber zusammen-stellen können. Wir haben hier zudem teilweise Mütter, die nicht kochen können und bestimmte Lebens-mittel gar nicht kennen. Pizza, Pasta, Pommes – gängige Wünsche von Kindern, können Sie darauf eingehen? In jeder Kur, die immer drei Wochen dauert, haben wir auf jeden Fall einmal Pizza auf dem Speiseplan, die wir selber machen. Wir bieten Jetzt mal ehrlich! ... Christina Zeidler Christina Zeidler arbeitet als stellvertretende Küchenleitung in der Caritas Mutter-Kind-Klinik Waldmühle in Braunlage. Sie profitiert dabei vor allem von den eigenen Erfahrungen als Mutter und wird demnächst die Nachfolge als Küchenleitung antreten. dann eine Version mit Gemüse an und eine mit Salami. Pizza ist natürlich immer sehr beliebt und geht weg wie warme Semmeln – wie man so schön sagt. Da wir die Pizza vom Teig bis zur Tomatensauce selber machen, haben wir die Kontrolle über den Zuckeranteil und die Zusatzstoffe. Würden Sie Ihren Kindern empfehlen, Koch zu werden? Zeigt schon eines Ihrer Kinder Ambitionen? Ambitionen gibt es wirklich schon. Meine ältere Tochter hat schon in verschiedenen Ferienjobs in die Branche hineinschnuppern können und auch bei uns in der Klinik mit-geholfen. Das macht ihr Spaß, auch der Um-gang mit Kindern. Aber empfehlen würde ich es ihr nicht. Der Beruf ist körperlich sehr anstrengend, und die Dokumentation von z. B. HACCP-relevanten Daten nimmt viel Zeit in Anspruch. Das fällt natürlich in die Arbeitszeit und dann ist der Fokus oft stärker auf der Bürokratie, als auf dem Essen und das ärgert uns als Köche. Natürlich arbeitet man auch sieben Tage die Woche. In der Gemein-schaftsverpflegung hat man oftmals aber das Glück, tagsüber zu arbeiten. Bei uns endet z. B. die letzte Schicht um 19 Uhr, das kann man mit der Familie gut vereinbaren. Trotz der Vielseitigkeit des Berufs und der Möglichkeit, auf der ganzen Welt arbeiten zu können, ist und bleibt der Beruf sehr anstren-gend. Ich denke, dass es auch noch andere interessante Berufe für meine Kinder gibt. In ein paar Jahren treten Sie die Nachfolge als Küchenleiterin an – gibt es etwas, dass Sie dann anders machen wollen? Was ha-ben Sie sich vielleicht auch abgeschaut? Ich muss wirklich sagen, dass unser Küchen-chef in den letzten 15 Jahren unsere Küche auf ein sehr hohes Niveau gehoben hat. Wir bo-xen mit unserer Leitung auch Sachen durch, die wir gerne umsetzen möchten. Das ist natürlich ein sehr großer Luxus. Ich möchte gerne weiterhin das Hauptaugenmerk auf das Kochen legen und jeden Tag ein leckeres Essen anbieten. Worüber können Sie herz-haft lachen? Wollen auch Sie uns mal „die Meinung sagen“? Melden Sie sich bei uns: Wir lachen in der Arbeit zum Glück Liebe Leser! (089) 370 60-160 muc@blmedien.de jeden Tag, aber mit Kindern ist es schon etwas Besonderes, egal ob klein oder groß. Man hat immer Spaß, wenn sie in der Tür stehen und gucken, was wir in der Küche so machen. Welchen Luxus leisten Sie sich gelegentlich? Ruhe, verbunden mit einem Mittagsschlaf. Das ist eigentlich etwas, wo ich mir sage: das gönne ich mir jetzt und lasse den Haushalt in diesem Moment liegen. Frau Zeidler, herzlichen Dank für das Gespräch! dan STECKBRIEF Alter: 45 Jahre Position: Stellvertretende Küchenlei-tung und diätetisch geschulte Köchin Werdegang: Ausbildung zur Köchin, Servicekraftausbildung, jahrelange Tätigkeit in der Gastronomie Essenszahl: 100 Produktionssystem: Cook & Serve Mitarbeiterzahl: 8 (25%iger Fach-kräfteanteil) 48 GVmanager 5 /2016


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