Nachgehakt - Coffee-to-go-Becher: Mehr- oder Einweg?

GVmanager_05_2016

Fotos: privat Nachgehakt Coffee-to-go-Becher: Mehr- oder Einweg? Lange Zeit überaus beliebt, jetzt in der Kritik – Coffee-to-go-Becher sorgen für Diskussionen in Deutschland. Sind sie der Grund für Müllberge in den Innenstädten? Annelen Trost, Leiterin Hochschulgastronomie, Studentenwerk Osnabrück: Die starke Verbreitung von Einwegbechern in den vergangenen Jahren hat ernsthafte Auswirkungen für unsere Umwelt. Das Studentenwerk Osnabrück engagiert sich seit 1986 für die Vermeidung von Müll. In diesen Jahren wurde von Einwegbechern auf Tassen umgestellt. Mit allen daraus resultierenden Konsequenzen: Anschaffung von Spülmaschinen und der Einstellung von Personal. Unsere Gäste bezahlen (bis heute) 10 ct weniger für jedes Heißgetränk, wenn Mehrwegbehältnisse oder eine eigene Tasse mitgebracht werden. Eine dauerhafte Win- Win-Situation für die Gäste und die Umwelt. Bedauerlicherweise hat der To-go-Trend dazu geführt, dass die Mehrwegbecher stehen bleiben und die Einwegbecher bevorzugt werden. Deshalb verzichten wir auf „schicke“ Einwegbecher mit Slogans oder Werbung, um sie nicht noch attraktiver zu machen. In den vergangenen Jahren haben wir die Gäste mehrfach im Jahr per Tischflyern und Info-ständen darüber informiert, dass wir uns der Nachhaltigkeit stark verpflichtet fühlen und hierzu ihre Unterstützung brauchen. Wir bieten nachhaltige Mehrwegbecher zum Kauf in unseren Cafeterien an. Beim Kauf gibt es einen Gutschein für einen Gratiskaffee. Egmont Merté, Leiter Gastronomie Allianz Deutschland AG, München: Seit ca. fünf Jahren haben wir das Pfandbechersystem mit Spülservice. Unsere Gäste mussten sich erst daran gewöhnen und empfanden es zunächst als umständlicher, die Pfandbecher wieder zurückbringen zu müssen. Das spie-gelte sich anfangs durch rückläufige Umsätze an unserer Kaffeebar wider. Das Pfandbechersystem ist für uns zu einem echten Imageträger avanciert und sorgt für positive Rückmeldungen unserer Kunden. Schwieriger wird es da schon bei der restlichen To-go-Versorgung. Pfandsysteme werden hier meist zu komplex. Das bedeutet, man muss Verpackungen wählen, die sowohl in der Produktion, als auch in der Entsorgung umweltfreundlich und ökologisch sinnvoll sind. Ein komplett geschlossener Kreislauf ohne Abfälle erscheint mir aus heutiger Sicht unmöglich. Es geht viel mehr darum, sich dem Thema bewusst anzunehmen und das Müllaufkommen so gering wie möglich zu halten. Man muss aber auch erwähnen, dass die Verpackungs-industrie bereits große Fortschritte gemacht hat und in Zukunft mit Gewissheit noch mehr umweltfreundliche Verpackungslösungen auf den Markt kommen werden. Cappuccino, Latte Macchiato, Espresso, Milchkaffee oder Caffè Latte, in unter-schiedlichen Größen, gerne auch ein-mal kalt oder mit Sirup verfeinert – Kaffee ist für viele Deutsche ein unverzichtbares Getränk. Dennoch verursacht der Wachmacher reichlich Abfall: 2,8 Mrd. Coffee-to-go-Becher (Stand: September 2015) werden in Deutschland Elmar Köninger, Ab-teilungsleiter Gastro-nomie, Studierenden-werk Siegen A.ö.R.: Mehrwegbecher in Form von Kaffeepötten haben wir seit über 25 Jahren inklusive Pfandsystem im Einsatz. Das funktioniert sehr gut und ist wirtschaft-lich, da ein Hartglas-Kaffeepott an die 5.000 Einsätze hat, bis er entsorgt wer-den muss. Einwegbecher haben wir vor etwa zehn Jahren eingeführt. Leider ist die Verwendung dieser in den letzten Jahren ausgeufert. Selbst die Gäste, die ihren Kaffee vor Ort tranken, nah-men einen Einwegbecher; hinzu kamen jene, die für jeden Kaffee einen neuen Einwegbecher nutzten. Zu beachten ist auch, dass Einwegbecher, selbst sogenannte recycelbare Einwegbecher, nicht recycelt werden können, da sie gar nicht in den entsprechenden Kreis-lauf zurückgeführt werden können. Der überwiegende Teil landet unterwegs in öffentlichen Mülltonnen und ist somit Restmüll, der nicht sortiert wird. Wir haben die Einwegbecher deshalb komplett aus dem Angebot genommen. Der Kunde kann u. a. die Kaffeepötte oder eigens mitgebrachte Kaffeebe-cher einsetzen. Von unserer Kundschaft haben wir dazu positive Rückmeldun-gen bekommen. Die Akzeptanz von Thermo-Bechern und Mehrweg-to-go- Bechern wächst kontinuierlich. pro Jahr verbraucht. 64.000 t Holz, 1,5 Mrd. l Wasser,11.000 t Kunststoff und eine Energie- menge, mit der sich eine Kleinstadt ein Jahr lang versorgen ließe, sind laut der Deutschen Umwelthilfe (DUH) für deren Herstellung not-wendig. Die Umstellung auf ein Mehrweg-bechersystem ist daher ein viel diskutiertes Thema – auch in der Gemeinschaftsverpfle-gung. Die Lebensmittelhygieneverordnung verbietet das Wiederbefüllen von Mehrweg-bechern nicht. Dennoch muss eine Beeinflus-sung anderer Lebensmittel durch klare Regeln ausgeschlossen werden. Wie gehen GV-Verant-wortliche mit diesem Thema um und welche Meinung haben Sie dazu? Grund genug, hier einmal nachzuhaken. dan 5 /2016 GVmanager 31


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