Recht so

GVmanager_04_2016

Er hilft immer dann, wenn es brenzlig wird: Der Interimsmanager. Bei der Festlegung seiner Aufgaben und der Gestaltung des Vertrags sind jedoch einige Dinge zu beachten. Kollege auf Zeit ZUM AUTOR Der Rechts- und Fach-anwalt für Arbeitsrecht, ist Partner der Kanzlei ebl factum rechtsan-wälte, Frankfurt/M. www.factum-legal.com Foto: privat Externe Mitarbeiter auf Zeit, sogenannte Interimsmanager, werden in Unterneh-men vieler Wirtschaftszweige eingesetzt, um vor allem den Ausfall von Führungskräften zu überbrücken. Zudem werden sie immer öfter für anspruchsvolle Aufgaben bei beson-deren Projekten engagiert, z. B. bei der Ver-änderung von Betriebsabläufen, Neu- oder Umbauprojekten oder Unternehmenstransaktionen. Meist vermittelt eine Personalagen-tur oder ein Unternehmen für Leiharbeitskräfte fachlich geeignete Kandidaten. Unternehmen, die den Einsatz eines Interims-managers planen, sollten darauf achten, dass mit dem Interimsauftrag kein Arbeitsverhältnis zustande kommt. Stattdessen sollte möglichst ein freier Dienstvertrag vereinbart werden. Das hat arbeitsrechtliche Gründe: An eine Festanstel-lung sind arbeitnehmerschutz- und sozialversi-cherungsrechtliche Bedingungen geknüpft, die zusätzliche Kosten verursachen und bis zum Ar-beitsbeginn Zeit in Anspruch nehmen. Gerade diese Zeit fehlt Unternehmen aber in dringen-den Fällen, in denen schnell eine kompetente Managementverantwortung abzudecken ist. Besser frei statt fest Als Arbeitsvertrag ist anzusehen, wenn der In-terimsmanager in eine betriebliche Ordnung eingegliedert wird und er seine Leistung hin-sichtlich Ort, Zeit, Dauer und Art der Tätigkeit weisungsgebunden für das Unternehmen er-bringen soll. Für einen Dienstvertrag sprechen das eigene Unternehmerrisiko, die Ausübung weiterer Tätigkeiten außerhalb des Unterneh-mens oder die Möglichkeit, die Leistungserbringung selbstverantwortlich zu gestalten. Die Tätigkeiten, für die der Interimsmanager engagiert wird, können für ein freies Dienst- oder ein Arbeitsverhältnis sprechen. Wie der Vertrag letztlich bezeichnet wird, spielt kaum eine Rolle. Maßgeblich ist die tatsächliche Durchführung. Wird die Interimsführungskraft für projektdefinierte Tätigkeiten eingesetzt, bei denen eine unmittelbare Weisungsgebunden-heit fehlt, spricht dies gegen ein Arbeitsverhält-nis. Wird der Manager z. B. zur Überbrückung von Vakanzen anderer Führungskräfte für das Tagesgeschäft verpflichtet, wird er voraussicht-lich in feste Arbeitsabläufe eingebunden, was für ein Arbeitsverhältnis spricht. Die Elemente für die Vertragsgestaltung mit dem Interimsma-nager (s. Link) – so fachlich bestimmend er im Praxisalltag auch agieren mag – gelten nicht, wenn er auch die Funktionen und Pflichten eines GmbH-Geschäftsführers übernehmen soll. Dann kann nur ein handelsrechtlich formaler Vertrag als Geschäfts- oder Mitgeschäftsführer installiert werden, der nach Auslaufen einer entsprechen-den Vakanz-Tätigkeit ggf. wieder beendet wird. Hendrik Bourguignon (W&W Publishers) Mehr zu Interimsverträgen unter: www.gastroinfoportal.de/interim ➘ 4/2016 GVmanager 45


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