Interview - Präventionsgesetz: Gesundheit fördern

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senkt die Gefahr, dass Erkrankungen auftreten. Sind die Erkrankungen bereits aufgetreten, dann muss ein Diabetes z. B. therapeutisch behan-delt werden. Trotzdem kann auch dann eine therapie-begleitende, gesundheitsförderliche Lebens-weise verhindern, dass sich die Krankheit verschlimmert. Welche Aufgaben übernehmen Oecotrophologen im Rahmen der Gesetzes-umsetzung? Wir als Oecotrophologen können Unterneh-men und Bildungseinrichtungen beratend zur Seite stehen, insbesondere bei der Umsetzung von präventiven und gesundheitsförderlichen Maßnahmen. Das können Maßnahmen zu Gesundheitszielen sein, wie „gesundes Auf-wachsen“, „gesund Älterwerden“ oder „ge-sund Leben und Arbeiten“. Häufig sind dies Situationen, in denen die Gemeinschaftsver-pflegung involviert ist, z. B. als Mensen oder Betriebscasinos. Die Gemeinschaftsverpfle-gung betrifft aber nur einen Teil des Präven-tionsgesetzes. Oecotrophologen können auch weitere Maßnahmen umsetzen, wie individu-elle Schulungsmaßnahmen zur Vorbeugung von Erkrankungen. Inwieweit ist das Präventionsgesetz in Ihren Augen dringend notwendig gewesen? Das Gesetz ist eigentlich längst überfällig ge-wesen. Es hat viel zu lange gedauert, bis das Präventionsgesetz endlich kam. Es gibt tagtäglich viele Situationen, die – wenn sie gesundheitsförderlich gestaltet sind – sich positiv auf die Menschen auswirken, die sich darin befinden. Denken wir z. B. an eine Kita: hier sind die Kinder den ganzen Tag vor Ort – im Extremfall acht bis zehn Stunden und erhalten bis zu vier Mahlzeiten täglich. Wird hier Gesundheitsförderung gelebt, können die Kinder gesund aufwachsen und gesunde Ess-gewohnheiten erlernen. Welche Rolle spielt der Faktor Ernährung im Rahmen des Präventionsgesetzes? Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist ein guter Ausgangspunkt für Prävention. Bluthochdruck kann z. B. durch reduzierten Einsatz von Salz oder gepökeltem Fleisch vor-gebeugt werden. Für eine ganze Reihe von Krankheiten ist es vorteilhaft reichlich Gemüse, Salat und Obst zu verzehren und den Verzehr von Fleisch- und Wurstwaren zu reduzieren. Wenn Sie die GV-Landschaft betrachten, gibt es hier Vorreiter bei der Gesundheitsprävention? Es gibt in der GV bundesweit viele Akteure, die sich bereits für Gesundheitsförderung engagieren – egal, ob Betriebsgastronomie, Seniorenheim oder Kita. Ein Beispiel sind die GV-Einrichtungen, welche die DGE-Qualitäts- Illustration: Lopez Ruiz; Fotos: © Bitter – Fotolia.com Ein Dreivierteljahr ist der Beschluss des Präventionsgesetzes nun her. Auch GV-Betriebe können im Rahmen dessen die Gesundheitsförderung im Betrieb stärken. Interview Gesundheit fördern Das Gesetz zur Stär-kung der Gesund-heitsförderung und Prävention wurde im Juni 2015 beschlossen und wird seit Anfang dieses Jahres um-gesetzt. Aufgaben dessen sind z. B. Gesundheitsförderung/Prävention in Kita, Schule, Betrieb oder Senioreneinrichtungen, individuelle Präventionsmaßnahmen oder die Qualitätssicherung und Förderung der Wirksamkeit von Leistungen zur Prävention. Welche Rolle GV-Betriebe in diesem Zusammenhang spielen können und wie hier Gesundheitsförde-rung aussehen kann, erläutert Dr. Dorle Grünewald-Funk. Die Oecotrophologin ist Inhaberin von grünewald-funk/consulting/trai-ning/ coaching, die bei der Entwick-lung und Umsetzung von Gesundheits-förderungs- bzw. Präventionsprojekten berät. Frau Dr. Grünewald-Funk, welches Ziel verfolgt das Präventionsgesetz? Das Ziel ist es, die Gesundheitsförderung und Prävention zu stärken. Deshalb verpflich-tet das Gesetz gesetzliche Krankenkassen, die finan-ziellen Aufwendungen für Prävention und Gesundheits-förderung deutlich zu erhöhen und sich mit anderen Leistungserbringern – z. B. Unfall- und Pflegekassen – abzustimmen. Das geschieht vor dem Hintergrund der starken Zunahme der lebensstilbeding-ten Erkrankungen (Diabetes, Bluthochdruck, Herzkreislauf-schwäche, Adipositas). Die Ge-sellschaft wird zudem immer älter. Gesundheitsförderung und Präven-tion tragen dazu bei, das höhere Lebensalter bei guter Gesundheit und mit hoher Lebensqualität ge-nießen zu können. Wie kann hier das Gesetz eingreifen? Lebensstilbedingten Erkrankungen kann man durch eine gesunde Lebensweise, ausgewogene Ernährung, ausreichend Be-wegung und die Vermeidung von Stress vorbeugen. All das 24 GVmanager 4 /2016


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