Page 11

TRINKtime_02_2016

meister entwickelten damals ein neuartiges Brauverfahren, bei dem während des Brauprozesses kein Alkohol entsteht. Ein gängiges Verfahren, bei dem der Gärprozess bei einem Alkoholgehalt von 0,5 % abgebrochen wird. Ein anderes und gern genutztes Verfahren ist die sogenannte Entalkoholisierung. Dafür wird nachträglich Ethanol entfernt, bis der gewünschte Alkoholgehalt erreicht ist. So benutzen viele Brauereien als Aus-gangsbasis für die alkoholfreien Getränke die herkömmlichen Vollbiere. Auch Veltins bedient sich bei dem hauseigenen Pilsener. „Für den Brauprozess wird das Verfahren der Umkehrosmose ange-wandt. Der Alkohol wird durch das Membran-Trennverfahren von den restlichen Bestandteilen des Bieres isoliert und abge-führt, sodass Farbe und Aromakomponenten des etablierten Vollbieres auch beim alkoholfreien Produkt erhalten bleiben“, erklärt Dr. Volker Kuhl, Geschäftsführer Marketing und Vertrieb der Brauerei C. & A. Veltins. Genau das bemängelten viele Ver-braucher lange Zeit: Die alkoholfreie Variante schmecke nicht wie das Original. Heutzutage ist das aber kein Thema mehr. „Die Schwierigkeit ist vor allem, den Geschmack von alkoholfreien Bieren im Vergleich zum Original-Produkt zu erreichen. Aber durch technische Neuerungen sind die Brauer heute in der Lage, den Sauerstoff bei der Entalkoholisierung aus dem Prozess he-rauszustellen (unter Vakuum) und bei niedrigen Temperaturen auf schonendere Art und Weise die Verarbeitung des Produktes vorzunehmen“, berichtet Hans-Peter Schilken, Vertriebsdirektor Key Account Gastronomie der Warsteiner Gruppe. Für Autofahrer und Ausdauersportler Mittlerweile greifen immer mehr deutsche Verbraucher zur alko-holfreien Flasche. Das Image hat sich gewandelt und die einstig unbeliebte Alternative findet sich in nahezu jeder großen Mar-kenbrauerei, aber auch bei regionalen Herstellern. Grundsätz-lich ist der Boom wohl auf den Verbrauchertrend zu höherem Gesundheits- und Ernährungsbewusstsein zurückzuführen. Fast ausnahmslos sind die Produkte sowohl isotonisch als auch kalo-rienreduziert. Sie eignen sich daher als Durstlöscher nach dem Sport oder Erfrischungsgetränk in der Freizeit. Aus diesem Grund führte auch Bitburger eine alkoholfreie Variante ein. Die erfolg-reiche Einführung forderte 2007 einen Relaunch und 2013 eine Erweiterung um zusätzliche alkoholfreie Biermischgetränke. „Die Veränderung der Verbraucherbedürfnisse sorgt für einen Anstieg der Nachfrage nach alkoholfreien Erfrischungsgetränken“, weiß Svenja Breitenstein, Direktorin Markenmanagement bei Bitbur-ger. Die Produktreihe Bitburger 0,0 % mit Pils, Radler und Grape-fruit enthält als einzige in Deutschland wirklich 0,0 % Alkohol. Dr. Volker Kuhl von der Brauerei Veltins ist sich sicher: „Alkoholfrei hat eine absolute Existenzberechtigung und wird zur Vervollstän-digung des Produktportfolios dringend benötigt“. Die Resonanz in Handel und Gastronomie sei aktuell durchweg positiv. Warsteiner unterstützt die Gastronomen sogar mit einer Aktion. In ausgewählten Betrieben rückt das Unternehmen den Trend zu alkoholfreien Bieren in den Fokus. Hat ein Besucher-Grüppchen ihren Fahrer „auserkoren“, kann der Gastronom diesem ein kos-tenloses Warsteiner Alkoholfrei oder Herb Alkoholfrei ausgeben. Dadurch soll das wachsende Verantwortungsbewusstsein geför-dert werden. Steigender Absatzmarkt 50 % Zuwachs verzeichnete der antialkoholische Bier-Markt in den letzten fünf Jahren. Beeindruckende Zahlen, die von zahl-reichen Brauereien bestätigt werden. „Insgesamt ist der Markt für alkoholfreies Bier das am stärksten wachsende Segment mit inzwischen mehr als 5 % Marktanteil. Alkoholfreie Weißbiere legen deutlich zu. Am stärksten aber wächst das Biermisch-Seg-ment innerhalb der alkoholfreien Biere“, berichtet Oliver Bartelt, Unternehmenssprecher von Anheuser-Busch InBev Deutschland. Mit einem Käuferzuwachs von 75 % und einem Anteilzuwachs 2/2016 11 Foto: Brauerei Andechs Alkoholfrei


TRINKtime_02_2016
To see the actual publication please follow the link above