WEINGROSSHÄNDLER - Rundum-Konzept gefragt

TRINKtime_01_2016

Es ist ein ebenso über-schaubares wie um-kämpftes Marktseg-ment: Der Weinkonsum im Außer-Haus-Bereich macht laut den Marktforschungsergebnissen der Forschungsanstalt Geisenheim nur rund 15 % des Gesamtkonsums von rund 20 Mio. Hektolitern aus – ohne nennenswerte Tendenz nach oben oder unten. Statt Mengenwachstum geht es hier um Qualität, Bekannt-heit und Verlässlichkeit. Dementsprechend arbeitet nicht jedes große deutsche Wein- und Getränke- Distributionsunternehmen intensiv mit der Gastronomie zusammen, häufig sind es Un-ternehmen, die sich auf diesem Gebiet über lange Jahre ein Standbein geschaffen haben. Dazu zählen z. B. Reidemeister & Ulrichs, Schlumberger und Wein Wolf, doch auch andere bekannte Wein- und Getränkegroß-händler widmen sich der Gastronomie. Aktiv verkaufen „Die Gastronomie ist ein wichtiger Teil un-serer Arbeit und wir arbeiten gerade daran, diese Kundengruppe auszubauen und zu wachsen“, erläutert Dirk Röhrig, Geschäfts-führer bei Weinkontor Freund. Im Rahmen Anders als Standard- Softdrinks oder Bier ist Wein in der Gastronomie ein sehr beratungsintensives Getränk. Für Belieferung, Sortimentsplanung und Personalschulung braucht es Expertenwissen und Flexibilität. der Gastronomie-Tätigkeit differenziert man dort unter anderem zwischen „Hot Spots“, Sternerestaurants und der bodenständigen Gastronomie, die Dirk Röhrig momentan besonders viel Freude bereitet. „Hier passt das Preis-Leistungs-Verhältnis, der Service und das Angebot. Es ist schon erstaunlich, welche Mengen diese Betriebe verkaufen können, wenn man es richtig macht“, schil-dert der Geschäftsführer. Für dieses erfolgrei-che Weinverkaufen am Gast hat Dirk Röhrig eine Reihe von Tipps parat. So empfiehlt er eine überschaubare Weinauswahl, die auf das gastronomische Konzept abgestimmt ist: „Es reichen aus meiner Sicht vier bis fünf Weißweine, zwei Rosés und ca. vier bis fünf Rotweine.“ Um den Absatz zu beleben, emp-fiehlt der Experte Aktionen, etwa mit leichten Sommerweinen oder Kräftigerem für Herbst und Winter. Eine große Rolle spielt für ihn die Personalschulung. „Ich finde es absolut wich-tig, dass die Servicekräfte nie die Frage stellen ‚Was darf ich Ihnen bringen’, sondern aktive Impulse und Anreize setzen“, stellt Dirk Röh-rig fest. Zu den Gastro-Bestsellern gehören beim Weinkontor Freund Weine, die rechtlich zwar noch als „trocken“ bezeichnet werden dürfen, vom Restzuckergehalt mit 8–10 g allerdings schon deutlich in eine halbtrocke-ne Richtung gehen. Außerdem laufen Weine mit niedrigem Alkoholgehalt immer besser, Dirk Röhrig nennt hier Weißwein aus Süd-westfrankreich sowie den portugiesischen Leichtwein-Klassiker Vinho Verde. Einen geschmeidigen, weichen Weinstil sieht auch Helena Mariscal, Geschäftsführerin beim Fachhandels- und Gastronomieliefe-ranten Weinwelt, in der Gunst der Gastro-nomiekunden vorne. Als Beispiel nennt sie zwei italienische Rotweine, den „Asio Otus“ (17 g Restzucker und damit auch offiziell halbtrocken) und die sizilianische Cuvée „Ammasso“. „Bei den Weißen sind eher die Klassiker gefragt. Dazu zählen deutsche Ries-linge und Grauburgunder sowie italienische Dauerbrenner wie Lugana und Pinot Grigio“, gewährt Helena Mariscal einen Blick auf die Weißwein-Zugpferde. Spezialisierte Angebote Traditionell haben in der Gastro-Belieferung auch die breiter aufgestellten Getränkegroß-handelsunternehmen zentrale Bedeutung – schließlich ist es für den Gastronomen einfach und übersichtlich, wenn er mög-lichst viele Produkte von AfG über Bier und Wein bis hin zu Spirituosen aus einer Hand bekommt. Manches Unternehmen aus der Getränkebranche hat sich mit spezialisierten Weinsortimenten einen Namen gemacht. Philip Schenk ist als Verkaufsleiter bei Ge-tränke Ahlers für Wein, Sekt und Spirituosen RUNDUM- 8 1/2016 Foto: Deutsches Weininstitut; Illustration: Lopez Ruiz


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