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TRINKtime_01_2016

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mit über 307 Mio. verkauf-ten Flaschen und einem Absatzzu-wachs von 0,7 % verteidigt Champagner seinen Status als internationale Schaumwein- Galionsfigur und legt zahlenmäßig auch auf dem deutschen Markt wieder zu. 2014 ka-men etwas mehr als 12,6 Mio. Flaschen des noblen Herkunftsschaumweins im Wert von knapp 195 Mio. e in die Bundesrepublik. 483 Champagner-Erzeuger lieferten direkt nach Deutschland, davon 139 Champagner- Häuser, 23 Genossenschaften und 321 Win-zer. In Sachen Menge und Bekanntheit sind die Claims klar gesteckt: Der Marktanteil der Champagner-Häuser lag im Jahr 2014 bei 90,3 % (Menge) und 91,8 % im Wert. So überrascht es auch nicht, dass sich die Lis-te der Champagner-Häuser wie ein „Who´s who“ der Szene liest: Lanson, Laurent-Perrier, Moët & Chandon, Pommery, Perrier-Jouët, Ruinart, Taittinger, Veuve Clicquot – um nur einige der Flaggschiffe mit Markenstatus zu nennen. Unter dem Begriff Champagner- Haus lassen sich übrigens diejenigen Unter-nehmen subsumieren, die Trauben, Most oder Grundwein kaufen und die weitere Verarbeitung in ihrem Betrieb vornehmen. Oberstes Ziel dabei ist die Erzeugung von Champagnern mit zeitlosem, wiedererkenn-barem Charakter, die in ihrer ganz eigenen Stilistik klar dem jeweiligen Haus zugeordnet werden können. Darüber hinaus findet man im deutschen Gastro- und Handelssegment einige Genossenschaften (z. B. Nicolas Feuil-latte, De Saint Gall oder Devaux) sowie eine enorme Vielfalt kleiner und hochkarätiger Winzerchampagner. Heterogener Markt Bei aller Übersichtlichkeit und Bekanntheit der Marken: Aufgrund der heterogenen, weit verzweigten Distributionswege in der Gast-ronomie gibt es hierzulande keine genauen Zahlen für den Champagner-Konsum außer Haus. Meist reicht jedoch schon ein Blick in die Karte, um den Stellenwert des französi-schen Klassikers als absolutes „must have“ zu erkennen. Kaum ein Gastronom lässt den prestigeträchtigen Posten im Sortiment aus, selbst kleinere Betriebe bieten oft mindes-tens einen Champagner an. Als Multiplikator und Imageträger ist die Gastronomie ein ideales Spielfeld, berich-tet auch Christian Josephi vom Bureau du Champagne Deutschland: „Wir schätzen, dass rund 50 % der Champagner-Absätze aus der Gastronomie kommen. Das erklärt sich natürlich vor allem durch den klassi-schen Einsatz von Champagner im Aperitif- Kontext. Ich würde mir aber auch wünschen, dass Champagner darüber hinaus mehr als Menübegleiter eingesetzt wird und damit seine Vielfalt ausspielen kann.“ Die klassische Funktion des Champagners im Restaurant, so Christian Josephi, liege darin, einen Abend aus dem Alltäglichen herauszuheben. Dafür sollte aber auch die Präsentation stimmen: „Der Service ist ein sehr wichtiger Faktor. Wenn ein Gast 10 e für ein Glas Champa-gner bezahlt, darf er erwarten, dass die Fla-sche auch beim glasweisen Genuss an den Tisch gebracht, das Etikett präsentiert und der Service am Gast inszeniert wird.“ Moderner Mix Im Portfolio von Moët Hennessy Deutsch-land stehen mit Moët & Chandon, Veuve Clicquot, Ruinart, Dom Pérignon und Krug sowohl die ganz großen Marken als auch Ex-klusivitäten parat. Mit dem „Clicquot Rich“ hat Veuve Clicquot unlängst einen Champa-gner mit höherer Dosage speziell zum Mixen von Cocktails entwickelt. Ganz neu kommt in diesem Frühjahr eine Sonderausführung des Moët Rosé auf den Markt: die in leuchten-dem Pink designte Flamingo Limited Edition. Witziges Detail in dieser Serie: Wenn man das Etikett auf der Flasche löst, findet man dahinter Fragen, die zu kleinen Mutproben anregen, etwa „Trauen Sie sich, die Person links von Ihnen zu küssen?“ oder „Trauen Sie sich, einen Fremden zu umarmen?“ Stark in der Gastronomie verankert und mit einer trendigen Champagner-Variante aktiv ist auch Lanson. Der Lanson White Label wurde speziell für die Kombination mit Zu-taten wie Minze, Himbeere oder Orangen-zeste kreiert und mit einer etwas höheren Do-sage von 28 g versehen. Champagner „Das trendaffine deutsche Publikum ist sehr offen für neue Strömungen im Champag-ner- Konsum“, berichtet Dr. Tina Ingwersen- Matthiesen vom langjährigen Deutschland- Vertriebspartner Borco-Marken-Import aus Hamburg. „Lanson arbeitet kontinuierlich daran, den Konsumenten neue Champa-gner- Erlebnisse zu bieten. Qualitäten wie der Lanson White Label helfen ungemein, die Kategorie auch jüngeren Zielgruppen nahezubringen“, schildert die Borco-Ge-schäftsführerin die Idee hinter dem Produkt und fügt an, dass aus ihrer Sicht durch den Aufschwung der Barkultur die Champagner- Cocktails wieder deutlich mehr in den Fokus vieler Konsumenten rücken. Im klassischen Bereich hebt sie indes den Lanson Rosé her-vor, der in Gastronomie und Fachhandel ein Umsatzplus von knapp 8 % erzielen konn-te. Im Hause Charles Heidsieck stand 2015 ebenfalls ein Rosé im Fokus, feierte doch im Herbst der Charles Heidsieck Rosé Millésime 2006 seine Premiere. Susanne Scheichl, Ge-schäftsführerin des deutschen Vertriebspart-ners Eggerssohn, sieht beste Chancen: „In der Top-Gastronomie wird das Haus als Geheimtipp mit Starpotenzial gehandelt.“ Um diese Entwicklung zu fördern, setzt man auf den glasweisen Ausschank und speziell auf Champagner ausgerichtete Events. Wie eng Champagner mit der Gastronomie verbunden ist, zeigt sich sehr deutlich am Beispiel von Laurent-Perrier. So präsentiert Thomas Schreiner, Deutschland-Geschäfts-führer des Champagner-Hauses, jedes Jahr das Hornstein-Ranking, einen Querschnitt der einschlägigen Restaurantführer-Bewer-tungen. Wichtig sei es, den Konsumen-ten mit Aktionen und Aktivitäten rund um Champagner anzusprechen. „Neben attrak-tiven Verkaufsverpackungen muss die Marke dort vertreten sein, wo die Musik spielt. Wir sind bei Top-Events wie Bambi oder dem Ball des Sports vertreten. Eigene Events wie der Sterne Cup der Köche oder die Ski-WM der Gastronomie runden die Palette ab“, skizziert Thomas Schreiner. Doch auch in Bistros und Clubs werde Laurent-Perrier sehr gut ange-nommen. „Der junge Champagner-Kon-sument lässt sich nicht mehr in ein Korsett zwängen, er konsumiert Champagner dort, wo es ihm Spaß macht“, hat Thomas Schreiner festgestellt. nic 1/2016 7


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