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Fotos: Polster 9. Deutscher Kongress Schulverpflegung Über 150 Teilnehmer, darunter Vertreter von Schulen, Hochschulen und Catering-Unternehmen, diskutierten in Göttingen die Zukunft der Schulverpflegung. Generell sei gute Schulverpflegung noch mangelhaft: 60 % der Schulen lassen warme Mahlzeiten liefern, eine Qualitätskontrolle fin-det nur bei knapp 28 % der Schulen statt. Zu Fragen wie dem Grad der Ausstattung bzw. über die Art der Verpflegungssysteme und wie viele Schulen keine Mittagessen anbieten, liegen bundesweit keine Angaben vor. Dr. Michael Polster bezeichnete die Schulver-pflegung als Experimentierfeld auf der Suche nach Konzepten. Zwar gibt es Stimmen aus der Politik, die verbindliche Qualitätsstandards und die Einführung eines Schulfachs fordern, dass Schülern das Thema Ernährung näher bringt. Doch Bildung und Gesundheit müss-ten „positiv essbar“ miteinander verbunden werden, mahnte der DNSV-Vorsitzende. Auch Dr. Ellis Huber, der als Vorsitzender des Berufs-verbandes der Präventologen und als einer der Schirmherren auf dem Kongress sprach, betonte: Ernährung müsse mehr Platz in der schulischen und vorschulischen Bildung be-kommen. Gesundes Essen bedeute ein besse-res Leben und sichere die Gesundheit bis ins hohe Alter. Falsche Ernährung dagegen koste Staat und Krankenkasse später viel Geld. Ernährung zu lehren fordert auch Karsten Mensching, der als Referent aus seiner eige-nen Erfahrung als Caterer berichtete. Der Gesellschafter des Sunshine Catering Services und Präventologe aus Berlin sprach darüber, wie man mit Schulverpflegung präventiv ge-sunde Verhältnisse und Verhaltensweisen för-dern kann. Je früher Ernährung gelernt wird, desto selbstverständlicher wird sie. Allerdings erreichen Kampagnen zur Ernährung die Zielgruppe nur ungenügend und generell nehme die Kompetenz der Nahrungsver-sorgung ab. Ernährungs- und Verbrauch-erbildung werde in Schulen gegenwärtig nur sehr begrenzt oder gar nicht vermit-telt. Schulen müssen deshalb eine ernäh-rungsfördernde Umgebung vorhalten und den Erwerb von Alltags- und Daseinskom-petenzen vermitteln, so sein Vorschlag. Ge-sundheit als Wert müsse durch eine Zusam-menarbeit mit Lebensmittelherstellern und Caterern erfolgen. Zudem gelte es, Gesund-heitsprävention als Teil des Unterrichtes zu im-plementieren. Der Caterer setzt sich deshalb mit dem Berufsverband der Präventologen für den Einsatz von Schulpräventologen ein. Auch aktuelle Themen standen in Göttingen auf der Agenda. So widmete sich Prof. Dr. Elisabeth Leicht-Eckardt von der Hochschule Osnabrück der Frage, wie Schüler unter-schiedlicher Religionen und Weltanschauungen gemein-sam Mittagessen können, ohne dabei gegen die jewei-ligen Speisevorschriften ihrer Glaubensrichtung verstoßen zu müssen. Rücksicht auf die Speisevor-schriften der unterschiedlichen Religionen zu nehmen sei gerade in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation ein Zeichen von Willkommenskultur. Interessierte Einrichtun-gen unterstützt das Projekt „Inklusion durch Schulverpflegung“ der Hochschule Osna-brück. Es befasst sich mit den Auswirkungen von Speisevorschriften verschiedener Religio-nen auf das Angebot von Schulküchen sowie mit Möglichkeiten, sie systematisch umzu-setzen. Religiöse Speisevorschriften seien so vereinbar, allerdings sei ihre Umsetzung mit Aufwand verbunden und in kleinen Küchen letztlich nicht zu leisten. Kommunal verpflegt Wie der Wertschöpfungsprozess einer erfolg-reichen Schulverpflegung organisiert und als kommunale Aufgabe wirtschaftlich er-folgreich umgesetzt werden kann, zeigte die Stadt Göttingen – dort liegt die Schulverpflegung seit 40 Jahren in kommunaler Hand. Laut Siegfried Lieske, Stadtrat und Dezernent für die Fachberei-che Personal, Schule und Jugend, versorgt Göttingen als kommu-naler Caterer täglich 28 städtische Ganztagsschulen, 13 städtische Kitas und die Mitarbeiterkantine mit einem Mittag-essen. Dass dieser Weg wirtschaftlich erfolg-reich sein kann, zeigten Anja Köchermann von der Stadt Göttingen und das Forschungsteam um Prof. Dr. Georg Koscielny von der Hoch-schule Fulda anhand von Ergebnissen aus Forschung und Praxis: Schulverpflegung in kommunaler Eigenregie spare demnach Geld, sichere bessere Speisenqualität und leiste ei-nen Beitrag zur Ernährungsbildung. Dreh- und Angelpunkt sei das Konzept der Schuloeco-trophologin als Schnittstellenmanagerin in der Schulmensa, denn nur ein ganzheitliches Mensakonzept führe zum Erfolg. Gute Schul-verpflegung sei eine gesellschaftliche Aufgabe und gehöre in die Hand von Profis, die Qua-lität vor kommerzielles Eigeninteresse setzen. In einer abschließenden Podiumsdiskussion diskutierten die Referenten gemeinsam mit Stefan Gerhardt, Frischküche Stefan Ger-hardt e.K., und Jürgen M. Jordans, DGG Service und Logistik des Unterrichtswesens der DG, über „Caterer versus kommuna-ler Eigenbetrieb“. Die Diskussion zeigte, dass an einer verlässlichen, dauerhaften Beteiligung des Bundes an der Finanzie-rung der Schulverpflegung kein Weg vorbei führt. Das lohne sich auch langfristig, denn gutes Schulessen ist ein wichtiger Baustein ei-ner nationalen Übergewichtsprävention. dmp VERLEIHUNG „G O LDEN ER Bereits zum fünften TELLER“ Mal vergab das DNSV den „Goldenen Teller“ für das beste Schulrestaurant. Der Preis blieb in der Gastgeberstadt Göttingen: Aus-gezeichnet wurde die Georg-Christoph- Lichtenberg-Gesamtschule Göttingen und damit der Fachdienst Küchenbetriebe im Fachbereich Schule der Stadt Göttingen. Erstmals wurde zudem mit dem „Gol-denen Teller 2015 – Lebenswerk“ ein Ehrenpreis an Johann Lafer vergeben. „Ernährung muss mehr Platz in der schulischen und vorschulischen Bildung bekommen.“ Dr. med. Ellis Huber 12 /2015 GVmanager 13


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