Interview - Alexander Bonde, Ministerium für LändlichenRaum und Verbraucherschutz BW: Engagierte Menschen vor Ort

Schulverpflegung_04_2015

Engagierte Menschen vor Ort Alexander Bonde, Landesminister für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz in Baden- Württemberg (Bündnis 90/Grüne), über die aktuelle Lage und die Anforderungen an eine optimale Schulverpflegung in seinem Bundesland. Politikerinterview Als Landesminister für Ländlichen Raum steht Alexander Bonde für grüne Modernisierung und trägt Verantwortung in einem breiten Themen-bereich, u. a. auch für gesunde Ernährung sowie Genuss, und somit unmittelbar für die Schulverpflegung. Herr Bonde, Sie haben sich wiederholt zum Thema gesunde Ernährung im Kita- und Schulbereich geäußert; wie schätzen Sie die Lage dazu in Deutsch-land ein? Es ist sehr positiv, dass das Thema mittler-weile so breit in der Öffentlichkeit diskutiert wird und dadurch ein Bewusstsein für die Thematik geschaffen wird. Eine Hambur-ger Studie hat gezeigt, dass es viele Kon-zepte mit unterschiedlicher Qualität gibt. Kurz gesagt: Mensabetreiber können für eine hohe Zufriedenheit sorgen, indem sie die Wünsche der Schüler berücksichtigen. Unser Ziel ist es, die Gemeinden und Schu-len im Land in puncto Schulverpflegung mit gezielten Angeboten zu unterstützen. Dafür finanzieren wir die regionale Vernet-zungsstelle. Wie können im Rahmen des Umbaus des deutschen Schulsystems in Rich-tung Ganztagsschule, Fragen der Verpflegung und Ernährungsbildung umgesetzt werden? Gute Schulverpflegung braucht engagierte Menschen vor Ort und eine enge Verzah-nung mit dem pädagogischen Gesamtkon-zept der Schule. Unter dem Motto „Mensa als Lernort“ legt auch die Vernetzungsstelle Wert darauf, dass gutes Essen und Trinken in den Schulen in Theorie und Praxis verankert sein müssen. In Baden-Württemberg bieten wir außerdem bewährte Bildungseinheiten für Schulen an, sowohl über die Landesinitia-tive Bewusste Kinderernährung als auch über das EU-Schulobst- und -gemüseprogramm. Gemeinschaftsverpflegung an Schu-len muss als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden und ermöglicht werden. Stimmen Sie dem zu? Wenn wir Bildungsgerechtigkeit und Teilha-be an der Gesellschaft ernst nehmen, muss Schulessen für alle das langfristige Ziel sein. Das Land hat über das Bildungs- und Teilha-bepaket eine Möglichkeit geschaffen, dass auch Kinder und Jugendliche aus Familien mit geringem Einkommen das Mittages-sen in der Schule nutzen können. Bei der Vernetzungsstelle gibt es kontinuierlich Nachfragen der Schulen und Schulträger im Bereich der Preisgestaltung. Es muss an dem Grundverständnis zum Preis-Leistungs- Verhältnis gearbeitet werden, dafür ist u. a. Öffentlichkeitsarbeit erforderlich. Wissenschaftliche Empfehlungen, wie „richtig“ gegessen und getrunken werden soll, liegen vor. Warum fehlen dafür Entscheidungen und Konzepte für die Anwendung im Schulalltag? Es gibt tolle Beispiele für funktionierende Konzepte, die oft mit viel Engagement und Herzblut umgesetzt werden. Wir wollen diese Leuchttürme besser bekannt machen und vernetzen, z. B. mit unserem neuen Arbeitsschwerpunkt „Auswärts Essen“. Mit Maßnahmen wie Veranstaltungsreihen, Coa-ching- Angeboten und Wettbewerben wollen wir Interessierte ansprechen. Aktuell erhalten über unser Kantinen-Coaching-Projekt „Gro-ße Küche – gutes Essen“ zehn Pilotbetriebe ein individuelles Coaching, darunter sind auch Schulen. Wir erwarten dadurch weitere Erkenntnisse zu sparsamerem Ressourcen-einsatz, regionalen Lieferketten und energie-sparender Zubereitung und Vermarktung. Sind Kita- und Schulverpflegung nicht wichtige Faktoren zur regionalen Wertschöpfung? Sollten Schulen eige-ne Produktionsküchen erhalten, damit regional und saisonal frisch vor Ort gekocht werden kann? Eine Küche vor Ort ist optimal, um eine Esskultur zu entwickeln und möglichst frische, regionale und saisonale Essen an-zubieten. Die Frischküche ist allerdings das Verpflegungssystem mit dem größten Investitionsbedarf in Einrichtung und Be-trieb, da sie sich erst ab einer hohen durch-schnittlichen Essenszahl am Tag rechnet. Je nach Anzahl der Mittagessen und der räumlichen und finanziellen Situation vor Ort kann auch die Anlieferung z. B. aus einer benachbarten Zentralküche eine qualitativ gute Lösung sein. Eine ganz aktuelle Frage noch: Das Flüchtlingsproblem ist eine große Herausforderung für die Europäische Union. Wie sieht es mit der Notwen-digkeit aus, in Kitas und Schulen ent-sprechend darauf zu reagieren? Die Integration von Flüchtlingen ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie betrifft natürlich auch die Schulen. Vielleicht liegt in der Gemeinschaft, die beim Essen ent-steht, auch ein Schlüssel für Integration und gegenseitiges Verständnis. Vielen Dank für das Gespräch. dmp Das ganze Interview gibt es unter: www.gastroinfoportal.de/bonde ➘ Es muss an dem Grundverständnis zum Preis- Leistungs-Verhältnis gearbeitet werden, dafür ist u. a. Öffentlichkeitsarbeit erforderlich. Alexander Bonde Foto: MLR Potente 8 Schulverpflegung 4/2015


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