Lehmanns Gastronomie Service, Bonn: Mit Glück und Verstand

Schulverpflegung_04_2015

Foto: Lehmanns Gastronomie Service „Mit Glück und Verstand“ Sie sind 2005 mit sieben Mitarbeitern und 150 Essen täglich gestartet, heu-te sind es 150 Mitarbeiter und bis zu 8.000 Essen. Was war Ihr Erfolgsrezept? SL: Wir haben einige Entscheidungen rich-tig getroffen – und auch ein bisschen Glück gehabt. Schließlich sind wir gar nicht mit dem Ziel gestartet, einer der erfolgreichs-ten Schulcaterer zu werden. Unser Fokus lag anfangs auf der Altenheimverpflegung und dem Eventcatering. Nebenbei versorg-te mein Vater seit Jahren Kindergartenkin-der, deren Eltern uns mit dem Schuleintritt dieser auch ins Schulcatering brachten. Für diese Kinder schon immer anders zu kochen als für die Senioren, hat uns sicher auch zum Erfolg verholfen. Betriebswirtschaftlich vorangebracht hat uns zudem die Studienarbeit im Rahmen meiner Weiterbildung zum Verpflegungs-betriebswirt im Jahr 2007, welche die Ein-führung der Schulverpflegung bei uns sehr professionell thematisierte und fast zu einer Unternehmensbibel wurde. GL: Mein Motto war von Anfang an Qua-lität und Hygiene auf maximalem Niveau zu fahren – das zeichnet uns bis heute aus. Zwar waren wir so etwas teurer als die Wettbewerber, aber immer mehr Kunden wussten die guten Produkte und die Frisch-küche zu schätzen. Trotzdem kämpfen wir weiter mit den kaputten Preisen am Markt. Zur Qualitätsphilosophie zählt für mich, alle Lieferanten persönlich zu kennen. Auch mit Industriepartnern kooperiere ich deshalb schon seit meinen Anfängen im Seniorenheim. Mit vermehrt exklusiven Eigenentwicklungen wollen wir die Qualität weiter stärken. Neben der Qualität ist uns auch die Nähe zum Kunden wichtig. So setzt sich meist einer von uns beiden ins Auto, wenn eine Kunden-reklamation gekommen ist. SL: Ich lasse es mir zudem nicht nehmen, alle Kunden zu Weihnachten persönlich zu besuchen. Weil ich leckere Kekse mitbringe, werde ich oft sehnsüchtig erwartet. Werden Sie inzwischen auch als Mas-senproduzent gesehen? SL: Kunden, die von unserer Produktions-menge hören, bilden sich natürlich gewisse Vorurteile. Diesen erzähle ich aber immer, wo wir herkommen. Dass mein Vater vor zehn Jahren das Essen noch selbst gekocht hat, ich die Bestellungen telefonisch ent-gegennahm und dann mit dem Privat-Pkw ausfuhr. Und ich erzähle auch, dass unsere zwei ersten Kindergärten noch immer un-sere Kunden sind – ein Zeichen für kons-tante Qualität. GL: Regionalität ist uns trotz der großen Mengen sehr wichtig. Daher lehnen wir viele Anfragen ab, die eine längere direk-te Fahrtzeit als 30 Min. erfordern. Um die Qualität unserer 80%igen Warmverpfle-gung zu sichern, machen wir die Autos auch nicht rappelvoll, sondern fahren maxi- mal zwei bis vier Kunden pro Tour an. Worauf sind Sie rückblickend stolz? GL: Dass wir als Familienunternehmen und doch noch ohne Investor im Rücken die Hürde genommen haben, einen Kredit für die Zentralküche von 2,5 Mio. € zu bekom-men. Und dass wir es geschafft haben, zu den Top-Caterern im Bereich Schulverpfle-gung zu werden, wie uns z. B. die Kochmüt-zen- Zertifizierung bestätigt. Was würden Sie heute anders machen? GL: Manches ging zu schnell. Wir haben gerade in den letzten fünf Jahren, seit dem Neubau, viel Kraft und Freizeit gelassen. So viel mehr Verantwortung zu tragen, ist eine harte Nuss. Richtig gemacht haben wir aber, uns externe Hilfe zu holen, z. B. Unternehmensberater und Psychologen. SL: Im Nachhinein betrachtet, haben wir anfangs viel zu klein gebaut. Das ist aber keine wirklich falsche Entscheidung, denn wir haben aus unseren Mitteln und Mög-lichkeiten das Beste gemacht. GL: Ich bin so erzogen worden, kein Geld auszugeben, das ich nicht habe. Folglich ist unser schrittweises Wachstum der rich- tige, mühsam erarbeitete Weg. Wir sehen in unserer Arbeit auch eine soziale Verant-wortung gegenüber unserer Gesellschaft und insbesondere unserem Nachwuchs. Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus? SL: Ich habe das Projekt 2020 schon im Blick – und konnte inzwischen auch mei-nen Vater dafür gewinnen, der ja eigentlich etwas kürzer treten wollte. Der erste Bau-abschnitt dazu wird 2016 folgen. Meine Vision der nächsten 30 Jahre ist, eine große Großküche mit einem Produk-tionsvolumen von 10.000 bis 15.000 Essen zu errichten. Im Gegensatz zu unserer jet-zigen Küche soll diese zielgruppenunabhängig und multifunktionell ausgelegt sein. Schließlich wissen wir heute noch nicht, wie sich die Schulverpflegung entwickeln wird. Vielen Dank für das Gespräch. kir Jubiläum „Meine Vision der nächsten 30 Jahre ist, eine große Großküche mit einem Produktionsvolu-men von 10.000 bis 15.000 Essen zu errichten.“ Stefan Lehmann 48


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