Page 45

Schulverpflegung_04_2015

Foto: Lehmanns Gastronomie Service Geht man ganz weit in der Erfolgs-geschichte der „Lehmänner“ Günther und Stefan zurück, stößt man auf eine Taucherbrille – ein Symbol für das Auftauchen des Familienunternehmens am deutschen Cateringmarkt. Die Taucher-brille sitzt dabei in den 80er-Jahren auf der Nase des noch Windeln tragenden Stefan, während dieser sein Debüt unter Vater Günthers Regie erlebt – und Zwiebelschä-len hilft. „So ist das, wenn der Vater Koch ist, da muss man von Anfang an mit ran“, berichtet der heute 34-jährige Stefan Leh-mann von seinem gastronomischen Debüt. Vater Günther sieht für den Werdegang seines Sohnes noch einen weiteren Grund: „Wäre er nicht Gastronom geworden, wäre er nie satt geworden.“ Dass aus Stefan ein Systemgastronom und kein Koch wurde, ist allerdings wieder Vaters „Schuld“. „Er hat mir verboten, Koch zu werden. Ich sollte stattdessen lernen, mit dem Kopf Geld zu verdienen“, begründet Stefan Lehmann. Ein weiser Rat, wie er rückblickend zugibt, denn Kochen liege ihm nicht so, verkaufen dagegen schon – heute ein wesentliches Erfolgselement des Familienbetriebs. Bevor es zur Unternehmensgründung kam, machte Stefan Lehmann aber erstmal allein Karriere. Nach der Ausbildung zum System-gastronom machte er sich mit einer Event-agentur selbstständig, verdiente „mit dem zum Beruf gemachten Hobby gutes Geld und hatte eine coole Zeit“. Der Konkurrenz eine Nase voraus Die Zeit, die Taucherbrille endgültig ab-zunehmen, kam schon wenig später, im Jahr 2005. Günther Lehmann, bis dato seit 25 Jahren als Küchenleiter im Bonner Seniorenheim St. Paulus tätig, hatte zu die-ser Zeit schon längst in die Ferne geblickt, statt den Kopf unter Wasser zu stecken. Sein Ziel: dem Wettbewerb zuvorkommen, statt sich vom aufkommenden Outsour-cing- Sog (ver)treiben zu lassen. Einige an-dere Küchen des kirchlichen Trägers waren bereits an Caterer vergeben, als Günther Lehmann im Alter von 48 Jahren noch den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, um sich und sein Team abzusichern und die Kü-che als Externer zu übernehmen. „Ein Jahr später zu reagieren, wäre tödlich für uns gewesen“, ist er sich sicher. Dabei seinen Sohn mit ins Boot zu holen, das sich rasch zum High-Speed-Katamaran entwickeln sollte, lag nahe. Die beiden kooperierten geschäftlich schon drei Jahre lang erfolg-reich beim Eventcatering – etwas, das sie gemeinsam ausbauen wollten. Von WG- zu Geschäfts-Partnern Viel elementarer für die Geschäftsbezie-hung war aber die persönliche Basis der B Vor zehn Jahren in dieser Seniorenheims-küche gestartet, produziert das 150-köpfige Team der Lehmanns Gastronomie heute täg-lich bis zu 8.000 Essen. beiden. So ist Stefan, der sich selbst als „Mama-Kind“ bezeichnet, nach der Schei-dung der Eltern mit 16 Jahren trotzdem zum Vater gezogen. „In unserer Männer- WG gab es klare Spielregeln, wer was zu erledigen hat – eine schwierige, aber auch schöne Zeit“, resümiert er heute. „Dieses Zusammenleben war der Grundstock für unser großes Vertrauensverhältnis“, bestä-tigt auch Günther Lehmann und schiebt hinterher: „Wir sind zwar trotzdem nicht immer einer Meinung, aber das ist auch gut so!“ Klingt da doch ein kleiner Gene-rationenkonflikt durch? „Nein, den gibt es zwischen uns nicht. Wir ergänzen uns eher im positiven Sinn“, hält der Junior dagegen und wird von dem Senior um ein Beispiel ergänzt. „Ich bin konservativer, da ich mit der alten Schule groß geworden bin – auch was Technik angeht. Während ich mir also schon mal selbst im Weg stehe und erstmal abwäge, schreitet mein Sohn zur Tat oder lässt mal machen. Daraus lerne ich.“ Harter und weicher Pol Die Aufgabenbereiche von Vater und Sohn sind klar aufgeteilt. Günther Lehmann verantwortet als Food- bzw. Gastronomie- Jubiläum „Wir arbeiten weiterhin daran, unseren Stab an guten Mitarbeitern auszubauen, die einfach Bock auf die Arbeit haben.“ Günther Lehmann Chef den Einkauf, die Speisenplanung und -produktion. Stefan Lehmann kümmert sich als Non-Food-Chef um die gesamte Verwaltung, begonnen beim Personal über die Buchhaltung und Logistik bis zum Mar-keting. Die Synergie der beiden äußert sich aber auch in ihrem Führungsstil. „Mein Sohn ist in Personaldingen diplo-matischer als ich. Ich hau' auch mal drauf, wenn es hart auf hart kommt“, gibt Günther Lehmann zu. „Ich bin froh, dass mein Dad da kein so lieber Chef ist wie ich, schließlich gibt es Situationen, in denen man so etwas braucht. Mich kann man wahrscheinlich beklauen und ich nehme einen trotzdem in den Arm, wenn man mit einer guten Aus- 4/2015 Schulverpflegung 45


Schulverpflegung_04_2015
To see the actual publication please follow the link above