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Schulverpflegung_04_2015

Noch immer viel zu tun trolle der Schulverpflegung findet nur bei knapp 28 % der Schulen statt. Eine moderne Gesellschaft, die für Lebensmittel keinen Cent zu viel ausgibt und sich über eine notwendige Finanzierung von Schulverpflegung streitet, setzt die fal-schen Akzente. Nur den Fokus auf die Ganztagsschulen zu richten und die Umsetzung den Kommunen zu über-lassen – so zeigte der diesjährige Kongress in Göttingen – ist leider falsch. Schulessen ist ein curriculares Quer-schnittsthema, welches im Schulentwicklungsprozess eine wesentlich größere Rolle spielen muss und damit weit über Kinderkochbücher, nett gestaltete Websei-ten und teure Studien hinausgehen muss. Wo sind die konkreten Schritte zur Einführung einer gesunden und letztlich kostenfreien Verpflegung für alle Schul- und Kin-dergartenkinder in unserem Land? Die Bundesregierung steckt leider kein Geld in den koordinierten Ausbau der Schulverpflegung und wälzt das Problem allein auf die Bundesländer und Kommunen ab. Hunderttausende Flüchtlinge kommen gegenwärtig nach Deutschland. 60 % dieser sind Kinder im schulpflichtigen Alter. Man schätzt, dass zwischen 150.000 und 200.000 Flüchtlingskinder an deutsche Schulen kommen. Eine Herausforderung gerade auch für die Schulverpflegung als wesentlicher Teil unserer Willkommenskultur. Die Investitionen, die wir dabei jetzt tätigen, sind Investitio-nen in die Zukunft der Republik! Dr. Michael Polster, Vorsitzender DNSV Nach dem Kongress ist vor dem Kongress – um den alten Slogan von Trainerlegende Sepp Herberger aufzugreifen. 2016 steht der 10. Deutsche Kongress zum Thema Schulverpflegung an und es stellt sich die Frage: Wo stehen wir heute, hat sich seit dem 1. Kongress im Jahr 2003 etwas verändert? Augenscheinlich ja. Es gibt Standards zum selbigen Thema, die auch schon mehr-mals überarbeitet wurden. Im Ganztagsschulgesetz fin-det sich der lapidare Satz, dass ein „adäquates Mittages-sen anzubieten sei“. Es gab erstmalig im November 2014 eine vom DNSV initiierte Anhörung im Deutschen Bun-destag. Wir feiern jährlich einen bundesweiten Tag der Schulverpflegung, wo sich nicht nur Politiker gekonnt in Szene setzen, und es gibt erstmalig eine bundesweite Untersuchung zum Schulessen – wenn auch nur für den Ganztagsbetrieb. Also, wurde viel erreicht? Ja und nein. Noch immer gibt es keine gesetzlichen Regelungen. Der Bund gibt das Thema an die Länder weiter, die es zu den Kommunen durchreichen. Nach wie vor ist die Forderung des DNSV nach einem reduzierten Mehrwertsteuersatz für Schul-essen nicht umgesetzt. Aus dem Deutschen Bundestag hörte man in der vergangenen Legislaturperiode, dass man das Thema Ernährung in den Lehrplänen verankern und einen TÜV für Caterer an Schulen schaffen will, ge-nauso müsste man Einfluss auf die Ausschreibung beim Schulessen haben. Aber: das alles ohne jede Bundeszu-ständigkeit. Die Qualität beim Mittagessen in der Schule lässt zu wünschen übrig. Es bestehe „Handlungsbedarf“, tönte es mehrmals schon aus Berlin. Zwischen 2003 und 2009 hatte die Bundesregierung den Ausbau der Ganztags-schulen mit insgesamt 4 Mrd. € gefördert. Im Jahr 2014 waren das für das Thema Schulverpflegung an Ganz-tagsschulen noch 23 ct pro Schüler. Die Qualität blieb mancherorts auf der Strecke. 60 % der Schulen lassen sich die Mahlzeiten warm anliefern. Eine Qualitätskon- Editorial Michael Polster 1. Vorsitzender Deutsches Netzwerk Schulverpflegung e.V. (DNSV) vorsitzender@schulverpflegungev.net 4/2015 Schulverpflegung 3


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