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Schulverpflegung_04_2015

9. Deutscher Schulverpflegungskongress 16 Schulverpflegung 4/2015 Fotos: Polster sen fördern kann. Je früher Ernährung gelernt werde, desto selbstverständlicher sei sie. Ernährungsprägung erfolge schon in der Kindertagesstätte und dem Kindergarten. Allerdings erreichen Ernährungskampagnen die Zielgruppe nur ungenügend. Generell nehme die Kompetenz der Nahrungsversorgung ab. Ernährungs- und Verbraucherbildung wird laut dem Caterer in Schulen nur begrenzt oder gar nicht vermittelt. Schulen müssen deshalb eine ernährungsfördernde Umgebung vorhalten und den Erwerb von Alltags- und Daseinskompetenzen vermitteln, so sein Vorschlag. Gesundheit als Wert müsse durch eine effektive Zusammenarbeit mit Lebensmittelherstellern und Caterern erfolgen. Zudem müsse Gesundheitsprävention Bestandteil des Unterrichts werden. Deshalb setzen sich Karsten Menschig und der Berufsverband der Präventologen für den Einsatz von Schulpräventologen ein. Neben politischen Fragen standen in Göttingen auch aktuelle Themen auf der AgenVerleihung „Goldener Teller“ Bereits zum fünften Mal vergab das DNSV auf dem Kongress den „Goldenen Teller“ für das beste Schulres-taurant. Der Preis blieb in der Gastgeberstadt Göttingen: Ausgezeichnet wurde die Georg-Christoph-Lichtenberg- Gesamtschule Göttingen und damit der Fachdienst Kü-chenbetriebe im Fachbereich Schule der Stadt Göttingen. Erstmals wurde zudem mit dem „Goldenen Teller 2015 – Lebenswerk“ ein Ehrenpreis vergeben (siehe S. 18f). da. So widmete sich Prof. Dr. Elisabeth Leicht-Eckardt von der Hochschule Osnabrück der Frage, wie Schüler unterschiedlicher Religionen und Weltanschauungen gemeinsam Mittagessen können, ohne gegen die Speisevorschriften ihrer Glaubensrichtungen verstoßen zu müssen. Rücksicht darauf zu nehmen, sei gerade in der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation ein Zeichen von Willkommenskultur. Eine Umsetzung in der Schulverpflegung bestünde aber nicht im Verzicht auf Schweinefleisch. Das Projekt „Inklusion durch Schulverpflegung“ der Hochschule Osnabrück bietet deshalb Hilfe. Das von Prof. Dr. Elisabeth Leicht-Eckardt konzipierte Projekt befasst sich mit den Auswirkungen von Speisevorschriften verschiedener Religionen auf das Angebot von Schulküchen und mit Möglichkeiten, sie umzusetzen. Religiöse Speisevorschriften seien vereinbar, allerdings sei ihre Umsetzung aufwändig und in kleinen Küchen letztlich nicht zu leisten. Kommunal verpflegt Wie der Wertschöpfungsprozess einer erfolgreichen Schulverpflegung organisiert und als kommunale Aufgabe wirtschaftlich erfolgreich umgesetzt werden kann, zeigte die Stadt Göttingen – und zwar nicht nur theoretisch: Tagungsort war die Georg- Christoph-Lichtenberg-Gesamtschule, deren Schulküche mit Hilfe der Stadt täglich 2.000 Schüler mit einer frisch gekochten Mittagsmahlzeit versorgt. Davon konnten sich die Kongressteilnehmer in der Mittagspause selbst überzeugen, nachdem Siegfried Lieske, Stadtrat und Dezernent für die Fachbereiche Personal, Schule und Jugend, ihnen das Modell erläutert hatte. Kommunale Schulverpflegung gebe es in der Stadt seit 40 Jahren, 2008 wurde ein Qualitätsentwicklungskonzept erarbeitet und umgesetzt. Als kommunaler Caterer versorgt die Stadt täglich 28 städtische Ganztagsschulen, 13 städtische Kitas und das Mitarbeiterrestaurant mit einem Mittagessen. 2014 produzierten vier Produktionsküchen 856.000 Essen. In 21 Schulmensen wurden 620.000 Essen ausgegeben. Dass dies wirtschaftlich erfolgreich sein kann, zeigten Anja Köchermann von der Stadt Göttingen und das Forschungsteam um Prof. Dr. Georg Koscielny von der Hochschule Fulda. Schulverpflegung in kommunaler Eigenregie spare Geld, sichere eine bessere Speisenqualität und leiste einen Beitrag zur Ernährungsbildung. Dreh- und Angelpunkt sei eine Schuloecotrophologin als Schnittstellenmanagerin in der Schulmensa. Nur ein ganzheitliches Mensakonzept führe zum Erfolg. Gute Schulverpflegung sei eine gesellschaftliche Aufgabe und gehöre in die Hand von Profis, die Qualität vor kommerzielles Eigeninteresse setzen. Dies geht am besten in kommunaler Eigenregie, so das Fazit der Forscher. In einer abschließenden Podiumsdiskus-sion diskutierten die Referenten mit Stefan Gerhardt von der Frischküche Stefan Gerhardt e.K. und DGG-Küchenchef Jürgen M. Jordans über „Caterer vs. kommunaler Eigenbetrieb“. An einer verlässlichen, dauerhaften Beteiligung des Bundes an der Finanzierung der Schulverpflegung führe kein Weg vorbei. Junge Menschen, die den ganzen Tag in der Schule verbringen, brauchen hochwertige und attraktive Schulverpflegung. Dazu gehöre nicht nur eine warme Mittagsmahlzeit, sondern Schulobst, Schulmilch und eine Pausenversorgung. Die Schulen, ihre Leitungen und die Kommunen als Schulträger brauchen deshalb mehr Beratung und Unterstützung. Die Verpflegungsangebote werden nur angenommen, wenn Schüler, Eltern und Lehrkräfte an ihrer Konzeption beteiligt werden. Erfolgreiche Kommunen haben ein solches Konzept und verwalten nicht nur Ausschreibungen. Dafür müssen Bund und Länder jedoch rechtliche Rahmenbedingungen schaffen und finanzielle Mittel bereitstellen. Das lohne sich auch langfristig, denn gutes Schulessen ist ein wichtiger Baustein einer nationalen Übergewichtsprävention. dmp „Schulen müssen eine ernährungsfördernde Umgebung vorhalten.“ Karsten Mensching, Gesellschafter, Sunshine Catering Service


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