Dr. Ellis Huber, Berufsverband DeutscherPräventologen e.V.: Gesundheit zum Thema machen

Schulverpflegung_04_2015

Gesundheit zum Thema Anlässlich des 9. Deutschen Kongresses Schulverpflegung in Göttingen setzt sich Dr. med. Ellis Huber dafür ein, dass in jeder Schule ein Präventologe arbeiten sollte. Warum und was das mit dem Schulessen zu tun hat, verrät er im Interview. Fotos: privat Das Menschenbild aus dem 19. Jahr-hundert, die Körpermaschine, wird abgelöst von einer ganzheitlichen Sicht des Menschen mit Körper, Seele und Lebensumfeld“, schreibt Dr. med. Ellis Huber. Er lebt für ein Programm, das Pa-tienten und Behandler als Menschen ernst nimmt. Er war u. a. langjähriger Ärztekam-merpräsident in Berlin. Seit 2004 ist Ellis Huber Vorstandsmitglied des Berufsver-bandes Deutscher Präventologen e.V., seit 2007 dessen Vorsitzender und seit 2014 auch Stellvertretender Vorstandsvorsitzen-der des Paritätischen LV Berlin e. V. Auf dem 9. Deutschen Kongress Schulver-pflegung in Göttingen setzte er sich dafür ein, dass in jeder Schule eine Schulpräven-tologin tätig sein sollte. Wir sprachen mit ihm über die Aufgaben der Präventologen im Zusammenhang mit einer gesunden Ernährung von Schülern. Herr Dr. Huber, Sie sind Vorstands-vorsitzender des Berufsverbandes der Präventologen, was sind die Aufgaben des Verbandes? Präventologen sind Experten der Gesund-heitsförderung. Der Berufsverband unter-stützt sie bei ihrer Tätigkeit und achtet auf die Einhaltung der Berufsordnung. Die grundlegenden Prinzipien sind in der Otta-wa Charta der Weltgesundheitsorganisa-tion beschrieben. Präventologen helfen, den Menschen ihr eigenes Gesundheitspo-tenzial zu stärken. Sie befähigen sie dazu, gesund leben zu können und gesundheits-dienliche Verhältnisse zu gestalten. Das machen sie immer mit den beteiligten Per-sonen, in gemeinsamer Anstrengung. „Em-powerment“ nennt das die Fachwelt oder „health literacy“. Es geht um Gesundheits-bildung und psychosoziale Kompetenz. Welche Bedeutung hat für Sie das Thema Ernährungs- und Verbraucher-bildung bei Kindern und Jugend-lichen? Kinder und Jugendliche lernen, wie sie gesundes und lebens-frohes Essen zubereiten und genießen können. Die Lern-prozesse werden im Gehirn verankert. Wenn gesundes Essen erlebt wird, sichert dies die Gesundheit bis ins hohe Alter. Wird ungesun-des Essen zur Gewohnheit, kostet das Staat und Kran-kenkasse später viel Geld und die jungen Leute werden ihres eigenen Lebens weniger froh. Also: Gesundheitsbildung macht für das Leben stark und dafür braucht es die richtigen Lebensmittel und Lebenskompetenzen. Der Berufsverband der Präventologen bietet eine berufsbegleitende Zusatz-qualifikation für u. a. Lehrer und Päda-gogen zum Schulpräventologen an. Welches Ziel verfolgen Sie damit? Präventologen sind Haltungsbezeichnun-gen. Es geht um eine zusätzliche Qualifi-kation auf der Basis unterschiedlicher Pri-märberufe. Die Haltung umfasst interdis-ziplinäre Kooperation statt Standesdünkel, Ressourcen- statt Defizitorientierung bei der Problemlösung, Befähigung zur Selbst-wirksamkeit statt entmündigender Für-sorge und soziale Verantwortlichkeit statt eigennütziger Interessensvertretung. Das sind Haltungen, die wir in allen gesund-heitlichen, sozialen und pädagogischen Berufen brauchen. Was macht denn ein Schulprävento-loge ganz praktisch? Er sorgt im Schulalltag dafür, dass Lehrer wie Schüler ihre gesunden Kräfte stärken und ihre Gesundheitsbedürfnisse verwirk-lichen können. Er macht das mit ihnen und nicht für sie, also in dialogischen Bil-dungsprozessen und durch systematische Organisationsentwicklung. Hildegard Erzig, eine Pädagogin und Schulpräventologin am Marie-Curie-Gymnasium in Neuss, hat dazu das „Lebenskünstler-Diplom“ entwickelt. Die Kinder lernen, mutiger und selbstbewusster zu sein und ihre Lebensfreude zu pflegen. Gibt es einen Zusammenhang zwi-schen Schulverpflegung und Schulprä-ventologie? Falls ja, worin besteht er? Gesund Essen, Freude an der Bewegung, Interview „Gesundheit wird immer mehr zum Maßstab für soziale Entwicklung und gesellschaftlichen Fortschritt und Ergebnis gelingender Bildungsprozesse.“ Dr. med. Ellis Huber 12 Schulverpflegung 4/2015


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