Interview - Ernährungsverhalten nach Budgetverringerung: Ohne Moos nichts los?

GVmanager_10_2015

Foto: privat Grafik: © GVmanager Interview Keine Einschränkungen? Ohne Moos nichts los? Inwieweit wirkt sich eine Budgetverringerung auf das Ernährungsverhalten und damit auch auf den Außer-Haus-Verzehr aus? Dieser Frage ging Dr. Juliane Yildiz in ihrer Dissertation auf den Grund, für die sie 2015 den Oecotrophica-Preis vom VDOE erhielt. Weniger Geld = eingeschränkte Nahrungsaufnahme = ungesunde Ernährung? Ob diese Schlussfolgerung in der Realität tatsächlich zutrifft, untersuchte Dr. Juliane Yildiz im Rahmen ihrer Dissertation am Institut für Ernährungswissenschaft an der Justus-Liebig-Universität Gießen (Betreuerin Prof. Dr. Ingrid-Ute Leonhäuser). Als Grundlage dafür dienten die Daten der zweiten Nationalen Verzehrstudie (NVS II) sowie qualitative Interviews mit Betroffenen. Wie sich der finanzielle Einschnitt auf das Ernährungsverhalten sowie den Außer-Haus-Verzehr auswirkt, hat sie der Redaktion verraten. Frau Dr. Yildiz, welche Gründe gab es, dass Sie sich mit dieser Thematik beschäftigt haben? In meiner Masterarbeit habe ich mich bereits mit den sozioökonomisch bedingten Unterschieden im Ernährungsverhalten beschäftigt. Dabei kamen sehr konkrete Unterschiede bezogen auf das Ernährungsverhalten von Grundschulkindern heraus. Als dann bekannt war, dass die NVS II kommt und darin Fragen zu einer hypothetischen Budgetverringerung gestellt wurden, hat es mich dann schon interessiert, ob die theoretischen Antworten auch tatsächlich der Realität entsprechen. Die Veröffentlichung der NVS II ging einher mit der Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2008, wodurch sich abzeichnete, dass künftig wohl immer mehr Menschen Dr. Juliane Yildiz von finanziellen Einschränkungen betroffen sein könnten. Entspricht die Theorie denn auch der Realität? Ob das, was ich anhand der Antworten auf die hypothetischen Fragen ermitteln konnte, im Falle einer Budgetverringerung tatsächlich zutrifft, lässt sich anhand der Daten der NVS II nicht sagen. Zwar wurden diese empirisch ermittelt, es bleibt aber unbeantwortet, welcher Ernährungsverhalten der Teilnehmer tatsächlich das umsetzen würde, was er geantwortet hat. Welche Ergebnisse können Sie aus der NVS II ableiten? Entspre-chen diese den Ergebnissen Ihrer Interviews? Auffällig war, dass die Befragten – laut der Antworten auf die hypothetisch formulierten Fragen – am wenigsten bei tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Milch und Eier auf günstigere Produkte zurückgreifen würden. Die Auswertung meiner Interviews mit Personen, die von einer Budgetverringerung betroffen sind, hat allerdings gezeigt, dass gerade bei diesen Lebensmitteln Einschränkungen vorgenommen werden. Vor allem qualitativ hochwertiges Fleisch ist im Einkauf sehr teuer. Das heißt im Endeffekt, dass Fleisch seltener gegessen wird oder auf höherpreisige Stücke wie Filet Einkommen 34 GVmanager 10 /2015 Günstigere Einkaufsalternativen? Seltener Fleisch? Außer-Haus-Verzehr = Luxus? Gesunde Ernährung?


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