Manager im Gespräch - Reiner Knipp, Deutsche ParlamentarischeGesellschaft (DPG), Berlin: Diskretion am Herd

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Manager im Gespräch Diskretion am Herd sard Society“ in London, in der sich die Abge-ordneten des britischen Unterhauses treffen. Hier bleibt man unter sich, kann in Ruhe eine Zeitung lesen, gut essen und vor allem über Parteigrenzen hinweg miteinander reden. In den Club, also die DPG, kommt man nur auf Einladung. Politiker laden oft Verbands- und Wirtschaftsvertreter, Lobbyisten und andere Gäste zum Essen ein. Was zeichnet die DPG in Berlin aus? Natürlich zum einen die Lage, das Ambiente, die Diskretion und unsere gute Küche. Sie wird von den Abgeordneten besonders geschätzt. Auf Nachfragen bei unseren Gästen bekom-men wir nur Positives zu hören: Unser Service und der Restaurantbetrieb seien erstklassig. Welche gastronomische Philosophie verfolgen Sie dabei? Unsere Küchenphilosophie ist ganz auf Regionalität und Saisonalität abgestimmt. Serviert wird eine klassische Fine Dining-Gastronomie, denn die Abgeordneten sind ein Spiegelbild d e r deut-schen Küche und ihrer Regionen. Lieferanten und die Produkte aus der Region Berlin-Bran-denburg – also die guten Produkte vor unserer Haustür – stehen dabei im Vordergrund. Auf die Jahreszeit abgestimmte und wohl-schmeckende Gerichte gehören ebenso dazu wie ein professionelles Servicepersonal, das gekonnt jedem Gast sofort einen Wohlfühlmo-ment herbeizaubert. In der Küche arbeiten wir nach den Regeln der alten Kunst, aber gleich-zeitig ökologisch und ökonomisch. Was verstehen Sie unter der „alten Kunst“? Den Gast am Tisch verwöhnen und dabei die alten Tugenden wie Tranchieren, Filetieren, und Dekantieren pflegen und dies an den Nachwuchs weiterzugeben, sehe ich als eine wichtige Aufgabe der heutigen Gastronomie. Den Service am Gast umzusetzen, verlange ich auch von meinem Team. Was ist die größte Herausforderung oder Besonderheit bei Ihrer Arbeit? Der individuelle Gästekreis aus Politik, Wirt-schaft und Vertretern des öffentlichen Lebens ist eine große Besonderheit, fordert daher viel Fingerspitzengefühl und macht meine Arbeit jeden Tag zu einem Ereignis. Kennen Sie die Lieblingsgerichte oder Essvor-lieben Ihrer parlamentarischen Tischgäste? Die Wünsche einiger Gäste, die wir mit Dis-kretion gerne umsetzen, sind sehr speziell und individuell. Selbstverständlich ist es, dass alle unsere Gäste mit Namen und Titel angespro-chen werden, was von unserem Serviceperso-nal verlangt, dass zu jeder neuen Legislaturpe-riode immer wieder neu gelernt werden muss. Sie betreiben kein öffentliches Restaurant, aber auch kein klassisches Betriebsrestaurant und haben nur in den Sitzungswochen des Parlaments geöffnet. Wie bewäl-tigen Sie diese besondere Aufgabe? Ich vergleiche uns gerne mit einem Cateringun-ternehmen, das einen festen Standort hat. Neben dem Restau-rantangebot, einem Mittagstisch für die Clubmitglieder und deren Gäste betrei-ben wir ein um-fangreiches Ta- Nach Stationen in Hotels und auf einem Kreuzfahrtschiff kam Reiner Knipp zur Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft, die seit 1991 in Berlin ansässig ist. Für das leibliche Wohl sorgt er hier mit einem 38-köpfigen Küchen- und Serviceteam, das für ihn an erster Stelle steht. Foto: Polster Wer im ehemaligen Reichstagspräsidentenpalais direkt gegenüber dem Bun-destag speisen möchte, muss ein Abgeordneter des Bundestags oder eines der 16 Landesparlamente sein – Ausnahmen ausgeschlossen. Verantwortlich für das ku-linarische Angebot ist Reiner Knipp als Gastronomischer Direktor und Betriebsleiter der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft e.V. (DPG). Der gebürtige Rheinländer arbeitet mit seinem Team täglich für einen Gästekreis aus Politik, Wirtschaft und Vertretern des öffentlichen Lebens, wobei ein hohes Maß an Diskretion und Vertraulichkeit verlangt wird. Mehr zu sei-ner Tätigkeit hat er, der seit 2012 auch „Master of Culinary Education“ des Institutes of Culinary Art ist, im Gespräch verraten. Die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft (DPG) ist das, was mancher Berliner Club gerne wäre, aber in Wahrheit nicht ist – exklusiv. Doch was ist die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft genau? Im Jahr 1951 wurde die Deutsche Parlamen-tarische Gesellschaft in Bonn gegründet. Als Vorbild dienten englische Clubs wie die „Han- 12 GVmanager 10 /2015


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