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GVmanager_09_2015

Claudia Kirchner Chefredakteurin Doppelagent Koch Wussten Sie, dass die Welt nicht erst 2012 dem Untergang knapp entronnen ist, sondern schon 2006? Damals nahmen die „Agenten“ (EG) 852-854/2004 den aktiven Kampf gegen alltägliche Terroristen von Profiküchen auf, die unter Decknamen wie E. coli, Bacillus cereus, Salmonella Enteritidis oder Staphylococcus aureus agierten. Als eher unfreiwillige Verbündete gewann die Spezialeinheit tausende Köche als Undercover-Agenten, die sie mit den Konsequenzen der HACCP-Verordnung unter Druck setzte. Sie lehrte ihnen den Umgang mit neuen Geheimwaffen: statt den Kochlöffel sollten sie das Ther-mometer schwingen, statt Kartoffel- sollten sie Zettelsalat produzieren, statt vor Kreativität sollten sie verstärkt mit Desinfektionsmitteln sprühen. Doch mit der neuen Mission allein war es nicht getan, die Profiküche wurde parallel zum Sperrgebiet: Betreten ließ sich dieses nur noch mit spezieller Schutzkleidung und nach gründlicher Benetzung von Füßen und Händen mit Küchenterroristen-Eli-minierungsflüssigkeit. Die Gefahr lauerte der Hypothese der Spezialeinheit nach überall und sollte produkt- und prozess-individuell anhand eines HACCP-Kon-zepts enttarnt und eliminiert werden. Wie das genau funktioniert, daraus machten die EG-Agenten aber eine Geheimsache. Sie streuten nur einige dezente Hinwei-se, um ihre Koch-Agenten auf die heiße Spur zu bringen, die es galt so rasch wie möglich herunterzuchillen. So haben sich im Laufe der Jahre einige empfehlens-werte, wenn auch nicht vorgeschriebene Ermittlungstechniken herauskristallisiert: Koch-Agenten, die keine verräterischen DNA-Spuren am Tatort hinterlassen wol-len, legen z. B. großen Wert darauf sämt-liches Haar zu verhüllen. Einige nehmen ihre Pflicht sogar so ernst, dass sie ihre Gesundheit zugunsten des Gemeinwohls aufs Spiel setzen und den exzessiven Gebrauch von Einweghandschuhen praktizieren – für den Fall, dass der Feind trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ihre Fingerabdrücke infiltriert und kon-taminiert haben sollte. Doch so sehr die neue Doppelrolle inzwischen gelebt wird, schaffen es noch immer vereinzelte Angreifer am Abwehrsystem zu rütteln. Auffallend Kommentar oft passiert das im Sommerloch und auffallend oft mit der Sensationspresse im Schlepptau. Manchmal wurde dabei schlicht der Feind unterschätzt, selten steckt eine böswillige preis- oder perso-nalgetriebene Intrige dahinter. Oft wird etwas aufgebauscht, das laut Hand-lungsleitfaden der EG-Agenten erlaubt, aber eine gefährliche Gratwanderung ist. Im letzten Fall spiele ich auf die Wallraff- Geschichte im Juni an. Die rechtliche Grundlage spricht hier eine deutlich andere Sprache als die Presse und der menschliche Ekelfaktor. Doch die Bran-che hat den „Skandal“ überraschend gut und schnell weggesteckt. Scheinbar hat sich die für viele unliebsame Doppel- agenten-Rolle und der transparente Umgang mit dem Hygienemanage-ment wirklich mal ausgezahlt. Dennoch schadet es nicht, weiter im Training zu bleiben. Wir liefern in dieser Ausgabe daher juristisch fundierte Wortwaffen zum Thema. Foto: © Paul Bojba vom 15. bis 16. Oktober 2015 in Fürstenfeldbruck u. a. mit der Auszeichnung der „GV-Manager des Jahres 2015“ Rabatt! Bis 20. September 10 % Rabatt für Frühbucher und Leser des www.sundf-consulting.de GVmanager


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