Nachgehakt - Ende der Milchquote

GVmanager_09_2015

„Welchen Einfluss hat das Ende der DFotos: © psdesign1 – Fotolia.com, privat Milchseen und Butterberge waren mit der Einführung der Milchquote 1984 verebbt bzw. geschmolzen. 31 Jahre später ist die Milchquote Geschichte – was bedeutet das für die Branche? as Ende des Zeitalters der Milchquo-te markiert das Ende eines Kapitels in der Geschichte des europäischen und auch globalen Milchsektors“, erklärt Phil Hogan, Kommissar für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung. „Es stellt den Beginn eines neuen Kapitels dar, eine neue Epo-che ohne Produktionseinschränkungen.“ Denn eingeführt wurde die Milchquote, das Kontingent bzw. die Menge der Milch, die ein Milcherzeuger produzieren darf, in den 1980er-Jahren, als die Bauern immer mehr Milch und Butter produzierten. Die Europä-ische Gemeinschaft (EG) kaufte die Mengen auf, die die Landwirte auf dem freien Markt nicht verkaufen konnten, und lagerten die-se Überschüsse ein, um sie später verkaufen zu können. Diese enormen Lagerbestände bezeichnete man als Milchseen und Butter-berge. Um den Markt vor einer weiteren Überpro-duktion an Milch zu schützen und damit durch eine Begrenzung der angebotenen Milchmenge die Preise für die Erzeuger stabil zu halten, führte die EG, seit 1993 die Europäische Union (EU), 1984 die Milchquote ein. Seitdem war die Lieferung und der Verkauf von Milch an Molkereien nur denjenigen Landwirten erlaubt, die eine Milchquote zugeteilt bekommen haben. Denn nur diese hatten die Erlaubnis eine bestimmte Menge Milch zu produzieren. Effekte des Endes Seit dem 1. April 2015 dürfen die Land-wirte wieder ohne Einschränkungen Milch produzieren. Den Milcherzeugern muss es allerdings gelingen, ihre Milchmengen auf dem dann vollkommen freien und von keinen staatlichen Eingriffen beeinflussten Markt zu verkaufen. Welchen Effekt aber hat das Ende der Milchquote auf Unternehmen der Molke-reiindustrie sowie auf deren Kunden im Außer-Haus-Markt? Wir haben uns in der Branche umgehört. Drei Unternehmen geben Auskunft: Alexander Ritterskamp, Leiter Food Service, Ornua Deutschland (ehemals IDB Deutschland): Wir begrüßen diese Entscheidung sehr, da es nun den irischen Farmern und den Genossenschaften möglich ist, weiter zu expan-dieren. Dabei sprechen wir natürlich nicht nur für den Export nach Deutschland und Europa, sondern vielmehr in die Länder Asien und Afrika. Für die irischen Bauern ändert sich nicht viel, denn die traditionelle Weidehaltung bleibt davon unberührt. Sie werden die erwartete Mehrproduktion aufgrund von erweiterten Herdengrößen realisieren und somit mehr Kühe auf den Weiden halten. Platz dafür ist genügend vorhanden. So-mit steigt zwar die Milchleistung insgesamt, nicht jedoch die Milchleistung der ein-zelnen Kuh, die nach wie vor deutlich unter der ihrer deutschen, niederländischen oder dänischen Artgenossin liegt. Die Qualität der irischen Weidemilch wird sich durch den Wegfall der Quote in keiner Weise verändern, da das in Irland übliche Weidehaltungssystem weiterhin konsequent beibehalten wird. Die zu erwartenden Mehrmengen werden vornehm-lich dafür genutzt, in neue Märkte einzutreten. Thilo R. Pomykala, Geschäftsleitung Consumer Pro-ducts, Marketing, Vertrieb, Produkt-entwicklung bei Meggle: Die Milchanlieferung bewegt sich nahe-zu auf Vorjahresniveau und das Quoten-ende hatte für uns keine mengenmäßige Auswirkung. Auch in unserem Einzugsge-biet ist keine Mengensteigerung zu ver-zeichnen. Die Milchmenge bewegt sich auf einem ordentlichen Niveau. Wir gehen davon aus, dass sich der Markt weiterhin nach Angebot und Nachfra-ge reguliert und sich der Anstieg in der Milchproduktion in Grenzen halten wird. Langfristig gesehen wird die Milchmenge in Regionen produziert werden, in denen sich landwirtschaftlich keine Alternative bietet, wie etwa Gebiete mit reichlich Dauergrünland oder niedrigen Produkti-onskosten. Bislang hat die Neuregelung für Meggle keine Auswirkung, da wir derzeit keine dem Quotenende zuzurechnende Ver-änderungen am Markt spüren. Die Mol-kereiindustrie hatte es schon immer mit einem volatilen Markt zu tun und so wird es auch in Zukunft sein – sich auf dem Markt positiv zu entwickeln, ist unser Ziel und nicht einfach. Das Quotenende hat auf die Volatilität keinen unmittelbaren Einfluss. Demnach wird sie auch für unse-re Kunden keine Folgen haben. Nachgehakt 20 GVmanager 9 /2015


GVmanager_09_2015
To see the actual publication please follow the link above