Interview - Anja Tittes, Bundesvorsitzende des BVLK: Zwickmühle MHD

GVmanager_09_2015

Fotos: privat; Illustration: Lopez Ruiz Zwickmühle MHD Für viele GV-Betriebe ist das MHD eine Zwickmühle – einerseits sollen sie Lebensmittelverschwendung vermeiden und Kosten sparen, andererseits hat Ware, die nah am MHD ist, dank der Wallraff-Reportage einen sehr negativen Beigeschmack bekommen. Wie ist der gesetzliche Rahmen? Der angeblich gezielte Kauf von Posten-ware wie verschimmelten Gurken durch Großküchen – eine Enthüllung der RTL-Sendung Team Wallraff im Juni – ließ die Branche leider mal wieder als Schmuddelkind der Nation erscheinen. Zwar hat sich die Aufre-gung nun etwas gelegt, doch im Rahmen des Risikomanagements ist es empfehlenswert, sich genauer mit dem Thema auseinander-zusetzen. Anja Tittes, Bundesvorsitzende des Bundesverbands der Lebensmittelkontrolleure e.V. (BVLK), stand uns dazu Rede und Antwort: Frau Tittes, ist unser Hygienerecht zu schwam-mig, um solche „Skandale“ zu ermöglichen? Oder finden zu wenig Kontrollen statt? Das Lebensmittelrecht ist durch EU-Verord-nungen geprägt. Hier findet man viele unbe-stimmte Rechtsbegriffe, die durch die fachliche Einschätzung des Lebensmittelkontrolleurs auf den Einzelfall bezogen auszulegen sind. Die Kontrollen werden dabei risikoorientiert durchgeführt. Die Statistiken des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicher-heit belegen aber jährlich aufs Neue, dass mit dem vorhandenen Personal nur die Hälfte der Lebensmittelunternehmen kontrolliert werden können. Das spricht für sich… Ware zu kaufen, die kurz vor Ablauf des MHD steht, wurde in der Reportage in negatives Licht gerückt. Verboten ist es aber nicht, oder? Es ist durchaus üblich, dass im Großhandel Waren mit kurzem MHD angeboten werden. Hier entscheidet der Lebensmittelunternehmer im Rahmen seiner Sorgfaltspflicht, ob er diese Ware, z. B. Milchprodukte, kauft und dann so schnell wie möglich verarbeitet. Um Lebensmittelverschwendung zu vermeiden ist dies aus Sicht des BVLK durchaus machbar, wenn die angegeben Lager- bedingungen, z. B. Kühlpflichten, eingehalten werden. Gibt es überhaupt bindende gesetzliche Vorschriften zur Haltbarkeit von Lebensmitteln? Der Produzent bzw. Hersteller von Lebensmitteln legt fest, bis wann das ungeöffnete Lebensmittel unter angemessenen Aufbewahrungsbedingungen sei-ne spezifischen Eigenschaften mindestens behält. Hierzu gehören nicht nur die einwandfreie mikro-biologische Beschaffenheit, sondern u. a. auch Farbe, Geschmack und Nährwerte. Die LMIV enthält die Regelungen zur Angabe eines MHD und Aufbewahrungs- oder Verwen-dungsbedingungen (Art. 24 und 25 i.V.m. Anhang X LMIV). Zudem ist der Unternehmer gemäß Art. 14 der VO (EG) Nr. 178/2002, der sogenannten Basisverordnung ver-pflichtet, nur sichere Lebensmittel in Verkehr zu bringen. Bindende gesetzliche Vorschrif-ten zur Haltbarkeit von Le-bensmitteln gibt es jedoch nicht. Woran kann sich ein Betrieb der Gemein-schaftsverpflegung orientieren, wenn er selbst Lebensmit-tel verarbeitet, verpackt und in den Verkehr bringt, z. B. geschnitte-nes Obst im To-go- Be-cher. Interview


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