Sozialprojekt - Kantine Kreuzberg, Berlin: Essen verbindet

GVmanager_06_07_2015

Fotos: Sievers, Kantine Kreuzberg, flaction vector Essen verbindet Sozialprojekt Die „Kantine Kreuzberg“ ist praktische Integrationsarbeit: Sie steht für kostenloses Mittagessen für benachteiligte Kinder, eine günstige öffentliche Kantine, Arbeitsplätze und geselligen Austausch im Kiez. Eigentlich wollte Marthe Eggebrecht nur ihr kosten-loses Mittagessensangebot für benachteiligte Kinder und Jugendliche besser organisieren. Dass sie damit den ganzen Kiez in Bewegung bringen würde und nebenbei noch ihre Finan-zierung stärkt, ist ein positiver Nebeneffekt, den sie mit ihrem gemeinnützigen Projekt aber gut gebrauchen kann. Begonnen hat das Ganze 2013: Damals ergriff sie die Chance, in die leerstehen-de Großküche im „Intihaus“, die in den 70er-Jahren für einen Kindergarten konzipiert wurde, umzuziehen. In den Einrichtungen des Vereins „Kreuzberger Mu-sikalische Aktion“ (KMA) haben sie und ihr Team schon seit vielen Jahren mittags gemeinsam mit den Kindern und Jugendli-chen gekocht und geges-sen – der Umzug war die Chance für etwas mehr Professionalität. „Dank ei-ner Anschubfinanzierung vom Jobcenter konnten Stellen für das Teampro-jekt vorübergehend besetzt werden und die Kantine wur-de aufgebaut“, berichtet die Pro-jektleiterin Marthe Eggebrecht. Allerdings hatte sie von Anfang an ihre Prinzipien: „Das Essen von trockenen Yum Yum-Nudeln, wie wir das früher oft erlebt haben, ist bei uns verboten. Es geht uns um ein gesundes Essen, aber auch darum, dieses gemeinsam zu es-sen.“ Deshalb sei sie vom „Kanti-nengedanken“, wie sie es nennt, also dass die Kinder sich das Essen an der Ausgabe nehmen und die leeren Teller bestenfalls zurück-stellen, schnell wieder abgekom-men. „Jetzt ist es so, dass wir das Essen gemeinsam vorbereiten, die Tische decken, gemeinsam am Tisch sitzen und essen und danach auch zusammen abwaschen.“ Kiez- und Solipreise Aufgrund von Nachfragen aus dem Kiez wurde die „Kantine Kreuzberg“ auch für Nachbarn und Angestellte geöffnet – mit dem Nebeneffekt, dass das kos-tenlose Essen für die Kin-der durch den Preis, den Nachbarn und andere Tischgäste zahlen, zusätz-lich querfinanziert wird. Kantinengäste zahlen Kiez- oder Solipreise. Der Solipreis liegt 1 E hö-her als der Kiezpreis und gilt für Nichtbedürftige. „Derzeit handhaben wir die Bezahlung nach dem Vertrauensprinzip – das funktioniert gut“, sagt Marthe Eggebrecht. Die Kiezpreise für ein Mit-tagessen liegen zwischen 1 und 4 E. Es gibt täglich ein Gericht, gelegentlich ein Dessert oder einen Salat zusätz-lich. „Wir bieten absichtlich nur Solipreise Spendenfinanzierung Energiesparen Gemeinschaft „Wir bieten absicht-lich nur ein Gericht. Alle müssen dann das Gleiche essen und unterscheiden sich nicht durch das Geld, das sie ausgeben kön-nen.“ Marthe Eggebrecht (2. v. l.) 56 GVmanager 6-7/2015


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