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GVmanager_06_07_2015

Foto: © Fotoltiero/Pixelio Tischkultur grundlage hat sich mit der Einführung des Kreislaufwirtschaftsgeset-zes im Jahr 2011 grundlegend geändert. To go vs. to stay Bereits in die Praxis umgesetzt hat das Studentenwerk Berlin die kostenpflich-tige Verwendung des To-go-Pappbechers. Seit Ende März diesen Jahres kostet ein Ge-tränk im To-go-Pappbecher 10 ct zuzüglich, während bei der Verwendung eines eigenen Mehrwegbechers oder des CampusCup 5 ct Rabatt zum regulären Verkaufspreis anfal-len. Ziel ist eine kontinuierliche Senkung der Pappeinwegbecher. Im Monat April wurden ca. 300.000 Heißgetränke verkauft, davon 90.000 Heißgetränke als Coffee to stay und 210.000 Heißgetränke als Coffee to go. Auf 18.700 Heißgetränke konnte ein Rabatt für den eigenen Mehrwegbecher gewährt werden. Hochgerechnet auf ein Jahr ent-spricht das jetzt schon einer Einsparung von 250.000 Pappbechern. Von den Studie-renden wird der Rabatt durchweg positiv angenommen. Der eigene CampusCup ist als ständiger Begleiter aus den Taschen der Studenten nicht mehr wegzudenken. Durch den Umweltaufschlag soll das ökologische Bewusstsein der Gäste weiterentwickelt werden. „Zwar werden in unseren Mensen ausschließlich biologisch abbaubare Becher aus Recycle-Papier verwendet, dennoch ist es dem Studentenwerk Berlin wichtig, dem To-go-Trend weiterhin umweltverträgliche Alternativen entgegenzusetzen“, heißt es von Seiten des Studentenwerks. Möglichkeit Mehrwegbechersystem Das Ausweichen auf umweltfreundliche und wiederbefüllbare Mehrwegbecher ist in den USA bereits gang und gäbe. Eine Möglich-keit, die auch der DUH-Bundesgeschäftsfüh-rer Jürgen Resch fördern möchte und fordert die großen Kaffeeketten auf, ein Poolsystem wiederverwendbarer Mehrwegbecher ein-zuführen, sodass der Kunde seinen ausge-trunkenen Becher an der nächstgelegenen Filiale wieder zurückgeben kann. „Coffee-to- go-Becher sind Ressourcenfresser, weil sie nach ihrer einmaligen Nutzung bereits zu Abfall werden und durch die immerwähren-de Neuproduktion Unmengen an Energie, Wasser, Kunststoff und Pappe verbrauchen. Weil die Becher in der Regel aus Neumaterial bestehen, müssen für deren Produktion im-mer auch neue Bäume abgeholzt werden“, erklärt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer. Ein weiteres Problem: Die Umwelteigenschaf-ten der Einwegbecher verschlechtern sich, weil sie in der Regel nicht im gelben Sack, sondern in öffentlichen Mülltonnen und der Natur landen. Der größte Teil der Becher wird somit verbrannt und nicht recycelt, wodurch wertvolle Ressourcen unwiederbringlich ver-loren gehen. Pappbechersteuer Wie reagieren Verpackungsunternehmen auf diese Forderung? „Die Frage ist, was eine Um die Abfallmengen zu reduzieren, fordert die Deutsche Umwelthilfe eine Abgabe von 20 ct pro To-go-Becher. Steuer auf Einmalbecher bewirken sollte? 10 oder 20 ct werden den Ver-brauch nicht merklich einschränken, allen-falls den Unmut gegenüber der Politik er-höhen, und die Abfallmenge bleibt“, äußert sich Wolfgang Küpper, Marketingleiter von Papstar, auf Anfrage des GVmanager. „Der Transport und das Spülen von Millionen von Bechern ist weder umweltfreundlich noch, wenn keine Spülmaschinen und Wasseran-schlüsse vorhanden sind, hygienisch“, fügt er hinzu und schlägt als Lösung vor „nach vorne zu denken“ und die Abfallentsorgung zu kon-trollieren. Laut ihm wäre es empfehlenswert, „das sogenannte Littering, das unachtsame Entsorgen von Abfall in der Umwelt, ähnlich wie Verkehrsdelikte zu bestrafen bzw. mit einem Bußgeld zu belegen. „Wenn alle Ein-malbecher in Wertstoffbehältnissen landen würden, hätten wir auch kein Umweltproblem mehr. Sammeln, Sortieren und Recy-celn ist heute Stand der Abfallverwertung. Es gibt einen gut funktionierenden Markt für Recycling-Rohstoffe“, so die Meinung von Wolfgang Küpper. Die Diskussion bleibt Der aktuelle Stand zur Diskussion einer Abgabe auf Pappbecher ist, dass die große Koalition im Berliner Abgeordnetenhaus definitiv keine Ver-packungssteuer einführen wird. Die CDU-Pres-sestelle hat versichert, dass die CDU die Steuer eindeutig ablehne. Sie werde mit Sicherheit nicht kommen, solange die CDU in der Regie-rung sei. lan 34 GVmanager 6-7 /2015


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