Tischkultur

GVmanager_06_07_2015

Illustration: Lopez-Ruiz Die Geburtsstunde des Papptelleres liegt fast 150 Jahre zurück. Der damals 23-jäh-rige Buchbinder Hermann Henschel war es leid, Fisch und Fleisch in Zeitungspapier einzuwickeln und suchte eine hygienischere Lösung: Der einfache Pappteller war erfunden und damit der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Nicht zuletzt durch den anhaltenden To-go- Trend ist Einmalgeschirr heute wortwörtlich in aller Munde. Wieso auch nicht? Einmalgeschirr ist hygie-nisch, praktisch, hat wenig Gewicht, ist sicher und der Geschirrkreislauf entfällt. Der große Nachteil: der Abfall. To-go-Trend ungebrochen Die Zahl der Verbraucher, die besonders häufig oder gelegentlich zu Coffee-to-go- Bechern greift, liegt bei 70 %. Mehr als 2,8 Mrd. Coffee- to-go-Becher landen jährlich im öffentlichen Müll – so die Zahlen der Deut-schen Umwelthilfe (DUH), die jetzt die Einfüh-rung einer Abgabe für To-go-Becher in Höhe von je 20 ct pro Becher fordert, um die deut-schen Städte von den Müllbergen zu befreien. Denn die Coffee-to-go-Becher verursachen jedes Jahr in Deutschland mehr als 28.000 t Abfall. Allein in der Bundeshauptstadt Berlin werden täglich mehr als 325.000 Pappbecher verbraucht. Damit sich dies schnell und dau-erhaft änderte, seien ökonomische Anreizins-trumente, wie die Einführung einer Abgabe, dringend notwendig, heißt es von Seiten der DUH. „Erfahrungen mit der Einführung einer Abgabe auf Plastiktüten in Irland haben ge-zeigt, dass deren Verbrauch von 328 Stück pro Kopf und Jahr auf heute nur noch 16 Stück gesunken ist“, erklärt der DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. „Mit einer ähnlichen Wirkung ist auch bei einer Abgabe auf Coffee-to-go-Becher zu rechnen. Da in Berlin gleichzeitig die Probleme mit am Tischkultur Pappbecher to go oder Porzellantasse to stay? Die Frage Einweg vs. Mehrweg ist neu entbrannt, denn in Berlin wird diskutiert, eine Steuer auf Pappbecher zu erheben. coffee to go coffee to stay Pappe oder Porzellan? größten sind, fordern wir die modellhafte Einführung einer entsprechenden Abgabe in der Bundeshauptstadt.“ Die DUH unterstützt den aktuellen Vorstoß der umweltpolitischen Sprecher der Berliner SPD- und CDU-Fraktion Daniel Buchholz und Danny Freymark für die Einführung einer Abgabe auf Coffee-to-go- Becher in der Bundeshauptstadt. „Eine Abgabe in Berlin hätte Signalwirkung für den gesamten bundesdeutschen Raum und würde zeigen, wie Städte auf einfache Weise sauberer, attraktiver und umweltfreundlicher werden können“, ist sich Jürgen Resch sicher. Dass die Einführung einer Verbrauchssteuer auf Wegwerfbecher auch auf Landesebene rein theoretisch umsetzbar wäre, belegt ein im Auftrag der DUH erarbeitetes Gutachten der Rechtsanwaltskanzlei Geulen & Klinger. Hin-weise von Gegnern, dass diese landesrechtlich nicht umsetzbar sei, beziehen sich auf veral-tete Urteile aus den 90er-Jahren. Die Rechts- 6-7/2015 GVmanager 33


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