Manager im Gespräch - Michael Gruner, Hochschulgastronomie Studentenwerk Ost Niedersachsen: Dienstleistung spüren

GVmanager_06_07_2015

Foto: privat Dienstleistung spüren Die Wertschätzung des Handwerks, das Leben von Dienstleistung, die Nähe zum Gast und die Herausforderung der Mitarbeiterführung – das sind Faktoren, die Michael Gruner, Leiter Hochschulgastronomie beim Studentenwerk OstNiedersachsen, an seinem Job begeistern – und Dauerbaustellen verschmerzen lassen. Hätte er gewusst, was alles vor ihm liegt – vielleicht hätte sich Michael Gruner dann 2007 nicht ganz so leicht für den Wechsel zum Studentenwerk OstNieder-sachsen entschieden. Eine Hypothese, die der Leiter Hochschulgastronomie schmunzelnd schnell verwirft. Denn wenn er mit lachendem und weinendem Auge zugleich von seinen un-unterbrochenen Sanierungs- und Strukturie-rungswerken berichtet, kann er dennoch die Begeisterung für sein Aufgabenfeld nicht verbergen. Die Liebe zur Stu-dentenverpflegung hatte er bereits drei Jahre vorher entdeckt – dank einem langjährigen Netzwerkkol-legen. „Ich selbst wäre nie darauf gekommen in die Hochschulgas- tronomie nach Heidelberg zu wech-seln“, berichtet der 51-Jährige, der sich damals nach einigen Stopps bei Caterern neu orientierte. Per-sönliche „Neben dem Mitwirken bei der Personal- und Unternehmensentwicklung gefällt mir an meinem Job die direkte Arbeit mit Mitarbei-tern und den Gästen, die mich jeweils anders fordern. Das bedeutet durchaus einzustecken, wenn der Gast sich zu Recht beschwert, bringt aber auch viel Freude, wenn er zufrieden ist.“ Gründe brachten ihn schließlich trotz guter Aufbauarbeit in Heidelberg nach Braun-schweig. „Unsere Lebensplanung sah langfris-tig vor, wieder zurück nach Niedersachsen zu gehen, da meine Frau von hier stammt. Die Gelegenheit dazu kam nur schneller als ge-plant“, berichtet Michael Gruner. Warum er die Entscheidung trotz Dauerbaustellen, wie dem fünfphasigen Umbau in Braunschweig, keine Sekunde bereut hat, hat er im Folgenden berichtet: Sie haben Erfahrung in verschiedenen GV-Be-reichen gesammelt. Was hat Sie an der Hoch-schulgastronomie im Allgemeinen und an Ost- Niedersachsen im Speziellen gereizt? In diesem Segment spürt man am ehesten die Dienstleistung. Außerdem wird hier das Hand-werk, für das mein Koch- und Küchenmeister-herz noch immer schlägt, sehr wertgeschätzt – ähnlich wie in der Betriebsgastronomie. In der Klinikverpflegung hat mir das z. B. ebenso gefehlt wie die direkte Arbeit am Gast. Der Dienstleistungsgedanke rückte damals mit einem Geschäftsführerwechsel auch im Studentenwerk OstNiedersachsen stark in den Fokus und ich fühlte mich in einem solchen Team gut aufgehoben. In den letzten vier Jah-ren kam zudem der Aufbau eines tollen Perso-nalentwicklungs- und Führungskonzepts hinzu – etwas, das mir sehr wichtig ist. So kam mir der Faktor Mensch während meiner Tätigkeit bei Caterern im Vergleich zur Wirtschaftlichkeit etwas zu kurz. Wie sieht dieses Führungskonzept aus? Es basiert auf einem werteorientierten Leitbild, das die komplette Geschäftsführung, Personal-vertretung und mittlere Führungsebene, ge-führt durch externe Moderatoren, gemeinsam erarbeitet haben. Indem wir uns selbst neu kennengelernt haben und uns bewusst wur-den, wie wir das Unternehmen prägen und führen wollen, sind wir zu folgenden zehn Werten gelangt: Offenheit, Kritikfähigkeit, Res-pekt, Loyalität, Verlässlichkeit, Verantwortung, Vertrauen, Mut, Fairness, soziales Bewusstsein. Was nach Worthülsen klingt, war harte Arbeit und muss nun fortgeführt werden von jedem einzelnen der 500 Studentenwerksmitarbeiter, davon 247 der Hochschulgastronomie. Aus diesen Personalentwicklungsrunden ist auch das jährliche Feedbackge-spräch als neues Führungsinstru-ment hervorgegangen. Es soll dem Mitarbeiter die Angst nehmen, Ver-besserungsvorschläge oder Kritik anzubringen und ihn einmal in den Mittelpunkt rücken – in absolut dis-kreter Vier-Augen-Runde. Von klassi-schen Beurteilungsgesprächen sind wir dagegen abgerückt. Sie kommen nur noch in Einzelfällen zum Zuge, z. B. zum Ende der Probezeit oder wenn Zeug-nisse anstehen. Was die Führungsphilosophie des Studenten-werks noch auszeichnet, ist der Vertrauens-vorschuss, der neuen Mitarbeitern – wie 2007 auch mir – entgegengebracht wird. Sie erwarten in der Braunschweiger Mensa 1 in den nächsten Jahren eine Fluktuation von rund 60 % der Fachkräfte durch Verrentung. Wie sichern Sie generell die Nachfolge? Dem Wegbrechen von Fachkräften begegnen wir u. a. strategisch: Wir überlegen, wie wir die verfügbaren Stellen für Quereinsteiger wie Beiköche interessant machen können. Darüber hinaus versuchen wir, das Unternehmen nach Manager im Gespräch 10 GVmanager 6-7 /2015


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