Streetfood:Von der Straße auf den Teller

24_Stunden_Gastlichkeit_03_2015

Müsste Ihr Gast je 60 bis Teller 90 Minuten auf den nächsten Gang war-ten, wäre er alles andere als so geduldig wie die Besucher des letzten Foodtruck-Festivals in Nürnberg. Ganz zu schweigen davon, dass er vorhätte, wieder-zukommen, wenn er trotz der Warterei am Ende leer ausgin-ge. Streetfood tickt schlicht an-ders den – und auch die Klientel, mit ihren selbstgestrickten Mützen, Slim-Jeans, Kinderwagen und gepflegten Vollbärten ist nicht eins zu eins ins Restaurant zu verpflanzen. Und doch lässt sich inmitten der erwartungsfrohen Menge so einiges an Foodtrends abschauen. auf Das richtige Wording Erste Eyecatcher im Men-schenmeer sind die Food-trucks, meist im Retro- Look, mit ihren prägnant-kreativen Namen, von „Ribwich – Food. Einfach.Lecker.“ bis „Grillin’ me Solch offene Küchen Von der Straße Streetfood schafft es zurzeit, Menschenmassen zum minutenlangen Schlangestehen zu mobilisieren. Hinter dem Hype stecken dabei viele Foodtrends, die auch die klassische Gastronomie voranbringen können. softly“. Auf in der Szene scheinbar obligatorischen, „ur-sprünglich“ anmuten-den Schiefertafeln sind die Kreationen des Tages nochmals in mehr oder we-niger kryptischem, strategisch leckerem Stakkato formuliert, von „Mrs. Schickeria“ mit Guacamole und Zitronenpfeffer bis zum „Exotic Lax Burger“. Daraus lässt sich als erstes Er-folgsrezept ableiten: den Gast auf die Speisen neugierig ma-chen, ihm aber nicht zu viel ver-raten. Raum für Fantasie muss bleiben. Wie bei Mama Glaubt man den Schieferta-feln, stecken die Speisen voller Liebe und Herz-blut, mit denen sie von „Mama“, einem „Ein-geborenen“ dieses Küchenstils oder nach einem Originalrezept authentisch und ei-genhändig frisch aus 1A Qualität zubereitet wur-den. Das bestä-tigt einen Trend, den auch Hanni Rützler in ihrem Foodreport 2015 erläutert: Do it yourself (DIY Food) als reinste Form der Individualisierung. Ausgelöst durch den Vertrauensverlust ge-genüber der Nahrungsmittelin-dustrie, zeichnet sich demnach das breite Interesse ab, wieder mehr selbst herzustellen – aus Freude am Handwerk und dem Wunsch nach Autarkie. Mit einher geht dabei die Sehnsucht nach sogenanntem Clean Eating oder Free from- Produkten ohne Glutamat, aber auch ohne Gluten, Lak-tose und Allergenen. Hanni Rützler ordnet diese Strömung dem Begriff Soft Health unter. Darunter versteht sie „Gesunde Konzepte ohne Verzicht“, wie sie auch eine kreative vegane und vegetarische Küche bietet – auf Streetfoodmärkten auch mal provokant als „Kick Ass Vegan“ angepriesen. Action bitte Wer es an die Spitze der Schlan-ge eines Foodstalls geschafft hat, ist in der Regel mittendrin: Der Grill dampft nur eine Ar-meslänge entfernt, während einem das sautierte Gemüse an der Nasenspitze vorbei-fliegt. STREETFOOD 56 Fotos: Visit Helsinki, Marktplatz Neun


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