Page 9

TRINKtime_02_2015

Einrichtung B U C H T I P P Wein + Raum Dieser Text entstammt dem Buch Wein + Raum, das architektonische Konzepte zum Präsentieren, Pro-bieren und Genießen vorstellt. Die Bandbreite der vorgestellten Projekte reicht dabei von Verkostungs- und Verkaufsräumen der Winzer über ausgefallene Shopkonzepte bis hin zu gelungenen Beispielen aus der Gas-tronomie. Weiterführende Essays er-läutern, welche funktionalen Faktoren den Entwurf beeinflussen und welche Rolle Materialien, Farben, Licht und nicht zuletzt das Raum-konzept selbst bei der Verkostung von Weinen spielen. München: Detail, 144 Seiten, 39 €. gend, wird heute oft ein klares und schlich-tes Design bevorzugt, was sich z. B. an den Lounge-Möbeln zeigt – der Bequemlichkeit und Zwanglosigkeit ebenso dienend wie dem Zeitgeschmack entsprechend. Ob „klassisch“, „modern“ oder „rustikal“ – vor allem sollten die Sitzgelegenheiten weniger avantgardisti-schen als ergonomischen Ansprüchen gerecht werden, denn Weingenuss ist ein sinnliches Vergnügen, das nicht zuletzt auch eine physi-sche Entspannung einschließt. Der gestalteri-sche Reiz eines Weinlokals oder einer Weinbar ergibt sich aus der anspruchsvollen Kombina-tion der unterschiedlichsten Einrichtungsele-mente wie Buffet, Tische und Sitzmöbel, Bar-hocker und Hochtische, eventuell auch einem zentral platzierten Präsentations- und Degus-tationstisch, der einen weiteren Blickfang im Repertoire der Möblierung bildet. Einen nicht zu unterschätzenden Einfluss auf den Gesamteindruck, den das Weinrestaurant auf den Gast ausübt, haben die jeweils ein-gesetzten Materialien für Decke, Böden und Wandgestaltung sowie die Farbgebung und Lichtführung. Hierzu bedarf es besonders fein-fühliger Kompromisse zwischen einer effekt-vollen Inszenierung der meist „gedämpften“ Raumbeleuchtung sowie der Notwendigkeit eines optisch unbeeinflussten Erkennens des Produkts: Denn gerade beim visuellen Erlebnis des Weingenießens spielen Farbe und Klarheit des Weins im Glas eine Rolle. Soll ein Speisenangebot in die Leistungen des Betriebs integriert werden, sind damit je nach Umfang und Qualitätsanspruch nicht selten beträchtliche zusätzliche Aufwendun-gen räumlicher, technischer und logistischer Art verbunden. Die Gestaltung der Gasträume bedarf in diesem Zusammenhang oft bestimmter Veränderungen. Außerdem können eine Erweiterung und Umgestal-tung der Küche und anderer Betriebsräume vonnöten sein. Je größer das diesbezügliche unternehmerische Engagement ist, des-to mehr Relevanz besitzt die „Wertigkeit“ aus der Sicht des Gastes, aber nicht zuletzt auch die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten des Gastronomen. Goldgerahmter Wein Weine tragen die typischen Eigenheiten einer Region, eines Mikroklimas und die einzelnen Winzertraditionen in sich. In der Landauer Vinothek „Par Terre“ wird genau dies zelebriert – mit einem Ambiente, das mehr einer Galerie ähnelt denn einer Weinhandlung konventionellen Zuschnitts. Das Umbaukon-zept für diese völlig neue Art der Präsentation stammt aus dem designLab von Michael Michalsky, dem international renommier-ten Modeschöpfer aus Berlin. Statt Flaschenstapel zu arrangie-ren, setzt er auf die Inszenierung der Reduktion. Im offenen, kaum möblierten Showroom befindet sich der Wein in gläsernen Klimaschränken aufgereiht oder in hinterleuchteten, golden strahlenden Wandnischen. Die Farbkomposition unterstützt diese elegante Geradlinig-keit – sie ist zurückhaltend und hell. Die lichtgraue Decke mit ihrer übernommenen Kassettierung kombiniert das Michalsky- Konzept mit einem ausdrucksstarken Eicheparkett und Wand-tönen in „Greige“. Dort, wo früher ein Treppenhaus ansetzte, befindet sich nun ein langgestrecktes, vollständig goldgefasstes Gewölbe, das ausgewählte Weine in einzelnen Nischen zelebriert. Entsprechend viel Aufwand steckten die Planer in die Realisie-rung des leuchtenden Goldes, das explizit nicht per Blattgold oder Schlagmetall realisiert werden sollte. Vielmehr ging es darum, den Goldton exakt auf die ästhetische Gesamtwirkung abstimmen und definieren zu können. So wandte sich das Büro Michalsky an das FarbDesignStudio von Caparol: „Gesucht waren Goldoberflächen mit leicht changierender Optik, dezenter Patina und einem definierten, traditionellen Goldton“, so Sabine Hoffner vom FarbDesignStudio. Dort fertigte man gleich meh-rere Gold-Muster mittels verschiedener Materialien und Werkzeuge an, wobei sich in aufwändigen Abstimmungen letztlich Capadecor Metallocryl Interior mit seinem brillanten Metallic-Effekt als das beste Produkt erwies. Nach weiteren Variationen und Verfeinerungen fixierte man den Farbton Palazzo 215 genauso wie die Applikations-methodik. Denn die besondere Geometrie des rund 30 m2 großen Gewölbes mit seinen durchgehend gekrümmten Flächen verlangte die Verwendung flexibler Werkzeuge. Die Lösung steuerte Caparol Anwendungstechniker Volker Bastian in Form eines dreischichtigen Auftrages bei. Fünf Monate nahm der komplette Umbau in Anspruch – rechtzeitig zur Eröffnung der Landesgartenschau konnte auch die Vinothek die ersten Weinfreunde zur Verkostung ein-laden. Und die dürfte goldgerahmt ein ganz exzellenter Genuss sein. www.caparol.de ANZEIGE 2/2015 9 Foto: Detail


TRINKtime_02_2015
To see the actual publication please follow the link above