SOMMELIER - Wein muss Spaß machen!

TRINKtime_02_2015

muss Spaß machen! Die Kempinski Hotels haben Paolo Basso, den besten Sommelier der Welt, als Weinberater gewonnen. Seine Leidenschaft für Wein erzählt er im Interview. Wann und wo haben Sie Ihre Leidenschaft für Wein zum ersten Mal bemerkt? Ich bin von jeher fasziniert von Wein gewesen. Das Spannende ist ja, dass Wein ein ganz natürliches Produkt ist und sich von Flasche zu Flasche sowie von Jahr zu Jahr unterschei-den kann. Abhängig von Sonnenstunden, Regen, Frost und so vielen anderen Fakto-ren. Im Herbst z. B. beeinflusst der Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht die Qualität des Weins. Oder der Regen während der Blütezeit, der sich auf die Ernte auswirkt. Oder die Beschaffenheit des Bodens. All das begeistert mich. Mein Wunsch war es, immer zu verstehen, was die Unterschiede ausmacht – nicht nur im Ge-schmack, sondern auch im Preis. War das das Wichtigste, was Sie als Sommelier gelernt haben? Nein. Das wichtigste, was ich gelernt habe, ist: Wein muss Spaß machen! Als Sommelier müssen Sie sensibel sein, genau zuhören und versuchen, sich in den Gast hineinzuverset-zen. Was erwartet er? Was schmeckt ihm? Meine Gäste sollen sich gut beraten fühlen und sich sicher sein können, dass sie die beste Weinbegleitung zu einem akzeptablen Preis bekommen. Daher ist es wichtig, die Gefühle und Wünsche des Gastes innerhalb von Sekunden zu durchschauen. Es macht mich einfach glücklich zu sehen, wie andere ihren Wein genießen. Ich habe viele positive Rückmeldungen erhalten, die mich angespornt haben, meine Weinkennt-nisse weiter zu vertiefen und weltweit nach schönen Weinen zu suchen. Ein Coup der besonderen Art ist Kempinski mit der ex-klusiven Verpflichtung des ausgewiesenen Weinexperten Paolo Basso gelungen. Der Schweiz-Italiener trägt seit 2013 den Titel „Bester Som-melier der Welt” der renom-mierten Association de la Som-mellerie Internationale (A.S.I.) und unterstützt Kempinski mit seiner Expertise bei der Kreation eines exklusiven Wein-Programms für alle Hotels der Gruppe. Bereits Berthold Kempinski war Wein-händler und Gastronom. Die vermehrte Rückbesinnung auf die kulinarischen Wurzeln bei der aktuellen F&B-Strategie der Luxushotelgruppe erfolgt damit stringent. Paolo Basso spricht über seine Leidenschaft für Wein und eine Reise für Weinliebhaber. Herr Basso, Sie tragen den glanzvollen Titel „Bester Sommelier der Welt 2013“. Was muss man tun, um dazu gekrönt zu werden? Um der weltbeste Sommelier zu sein, ist es absolut unerlässlich, sich kontinuierlich fort-zubilden, ein Buch nach dem anderen zu lesen, in die Weinregionen zu fahren und immer wieder zu probieren. Erfahrung und Leidenschaft dürfen dabei natürlich auch nicht fehlen. Der Wettbewerb selbst ist unterteilt in einen theoretischen und einen praktischen Teil. Es geht allerdings nicht nur um das Wis-sen zu Weinen aus aller Welt. Auch die The-men Weinanbau und gesetzliche Grundlagen werden geprüft, ebenso wie das Wissen über Bier, Spirituosen, Kaffee, Tee, Mineralwasser und sämtliche Getränke, die in Restaurants serviert werden – z. B. auch Sake. Gibt es Ihrer Meinung nach irgendwel-che speziellen Weintrends? Ich sehe eine Rückkehr zu klassischen Weinen: elegant und ausgewogen im Geschmack, mit einem angemessenen Alkoholgehalt. Vor Jah-ren wurde das Bouquet des Weines stark be-tont; ein intensiv holziges Aroma war gefragt. Das galt insbesondere für die Weine aus der sogenannten „neuen Welt“. Inzwischen sind die Weine wieder harmonischer, haben einen zurückhaltenderen Charakter im Bouquet, aber nicht in der Gesamtkomposition. Was ist Ihr persönlicher Favorit bei Rebsorten und Wein und weshalb? Ich habe keine bestimmte Vorliebe. Das hängt stark von der Zeit, der Situation und dem Ort ab. Außerdem muss ich in mei-nem Job immer offen sein für Neues und für Trauben aus aller Welt. Das ist es ja auch, was ich an meinem Beruf so liebe. Wie viele Flaschen lagern in Ihrem priva-ten Weinkeller? Was war Ihr letzter Kauf? Ich kann es nicht genau sagen, aber sicherlich mehrere hundert. Vor kurzem habe ich einen Cepparello, Toskana IGT, Jahrgang 2010 von Isole & Olena gekauft. Meiner Meinung nach ist das der Inbegriff des toskanischen Weins, einer der besten Rotweine aus dieser Region. Wenn Sie auf eine besondere Wein-reise gehen könnten – egal wohin und was es kostet – wohin würde sie gehen? Ich würde die großartigen Weingüter in Bordeaux besuchen, das Burgund, die Champagne – definitiv mit Zwischenstopp in Hautvillers (lacht) – die Mosel, wo die Weinberge dem Wasser zugewandt sind; die Region rund um den Genfer See und Lavaux, aber auch das Douro-Tal in Portugal. Vielen Dank für das Gespräch! 14 2/2015 Foto: Paolo Basso


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