Page 11

TRINKtime_02_2015

Neben zahlreichen anderen Weinkonzepten stellt das Buch „Wein + Raum“ auch Eva Feldmann und ihre Weinbar Nord in Mannheim vor. Selten sieht man das Holz der Bergulme, auch Rüster genannt, als Material in der Innenraumgestaltung. Die Baumart ist in Europa aufgrund des Ulmensterbens stark dezimiert. Noch seltener aber ist Rüster in dieser Dimension zu sehen. Der 4,20 m lange Tisch aus dem eleganten, rötlich gemaserten und ringporigen Holz gestaltet markant den hinteren Raum von Eva Feldmanns Nord und stellt einen warmen Kontrast zu den Wänden aus Sichtbeton dar. Es war Eva Feldmanns Wunsch, einen Platz zu schaffen, an dem Menschen gemeinsam an einem Tisch zu-sammensitzen. Über dem Tisch hängen alte Fabrikleuchten aus Russland. Die Stühle wie-derum stammen aus einer Schule und an den Wänden hängen Gemälde eines befreunde-ten Künstlers als Teil einer wechselnden Aus-stellung. Alles zusammen verleiht dem Raum einen persönlichen Charakter. Beton und mehr Als die Inhaberin mit der Realisierung ihres langjährigen Wunschs begann, ein Café mit Weinbar zu eröffnen, erinnerte sie sich an Uli Odenwald, einen Bekannten aus Studi-enzeiten, dessen außergewöhnliche Möbel-kreationen sie seinerzeit bewundert hatte. Der gelernte Schreiner und Designer nahm eine Vielzahl von Eva Feldmanns Ideen und Vorschlägen auf und entwarf mit ihr zusam-men die Innengestaltung. Bauliche Vorgaben waren infolge des Gebäudeneubaus vonsei-ten des Eigentümers nur wenige vorhanden. Der Schallschutz sollte ausreichend Berück-sichtigung finden und das zentrale Treppen-haus – wie ein eingestellter Kubus im Raum – in Sichtbetonoptik verbleiben. Ein erster Entwurf mit einer durchgehenden Schall-schutzdecke wurde aufgrund der zu hohen Kosten verworfen. Als Alternative plante Uli Odenwald an einer Seite in jedem Bereich Schallschutzlamellen aus hellem Fichtenholz, die vor die bestehende Sichtbetonwand ge-setzt wurden. Im vorderen Teil der Bar schei-nen die Bänke in geschwungener Form aus dieser Wand zu „wachsen“. Das Holz steht auch hier im Kontrast zu der ansonsten in Sichtbeton gehaltenen Decke und der hinte- Einrichtung NORD Coffee • Lunch • Wine Bar • Mannheim Designer: Uli Odenwald www.uliodenwald.com • www.nord.li ren Wand, den schwarzen, eigens angefertig-ten Tischen aus Harzkompositplatten sowie den orangefarbenen Stühlen von Charles und Ray Eames. Die Hängeleuchten wiede-rum sind eine Eigenkreation von Eva Feld-mann. Spinnenähnlich hängen Schnüre mit nackten Glühbirnen über den Raum verteilt von der Decke und tauchen ihn vor allem am Abend in ein warmes Licht. Um den Raum zu  zonieren, wurde die Decke über der Bar sowie im hinteren Teil abhängt und mit einer Schattenfuge sowie indirekter Beleuchtung zur Sichtbetonwand versehen. Über dem Tresen, der mit rohen Stahlplat-ten verkleidet ist, hängen schwarze Lampen eines dänischen Herstellers, der die Objekte zeitgenössischer skandinavischer Designer produziert. Die Gestaltung wirkt zurückhal-tend und lenkt den Blick auf die silberfarbene Espressomaschine sowie die gläserne Vitrine mit den selbst gemachten Kuchen. Die im Fußbereich des Tresens sowie als Regalkanten angebrachten Messingverklei-dungen erinnern an ein Wiener Kaffeehaus und bilden so einen Kontrast zu den puris-tisch weißen Kacheln an der Wand dahinter, die eher aus einem französischen Bistro zu stammen scheint. Auf der Speisenkarte stehen aus regiona-len Zutaten zubereitete kleine Gerichte wie Suppen, Salate oder belegte Brote. Abends werden Schinken und Käse mit frischem Brot als passende Begleiter zu den Weinen gereicht. Die Weinkarte, zusammengestellt von einer befreundeten Önologin, umfasst vor allem Weine aus biologisch-dynamischen Anbau sowie einige Sorten Vin Naturel. Einmal im Monat ist der Weinklub Mann-heim zu Gast, der die Weinkompetenz im Nord zu schätzen weiß. Alle Weine können, wie auch die verschiedenen angebotenen Kaffeesorten, bei Gefallen erworben werden. Eva Feldmann ist es mit dem Nord gelungen, einen Ort zu schaffen, der zwei Konzepte – tagsüber Café, abends Weinbar – perfekt mit-einander vereint. Es ist nicht verwunderlich, dass der Anteil an Stammgästen sehr hoch ist. Wer einmal hier war, der kommt gerne wieder. 2/2015 11 Fotos: Christian Dammert - www.christian-dammert.de, Rainer Diehl – www.h7photo.com


TRINKtime_02_2015
To see the actual publication please follow the link above