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GVmanager_12_2014

Der GVmanager -Leser Timo Jahn hat rund um das Thema der Allergenkennzeichnung schon so einiges erlebt. Sicher kommen seine ironischen Zeilen dem einen oder anderen bekannt vor: die Branche auf die Kennzeichnung der Allergene Geht es Ihnen ähnlich? Dann schreiben Sie uns: muc@blmedien.de oder diskutieren Sie online mit: www.gastroinfoportal.de/jahn Nun stehen wir vor der Aufgabe, die Allergene auszuweisen und sind völlig konsterniert. Wird doch eine EU-VO, die 2011 verabschiedet wurde und deren Inkrafttreten auf den 13.12.2014 terminiert wurde, tatsächlich zur bit-teren Wahrheit – völ-lig überraschend! Hätte der Branche scheinbar de-zidiert mitgeteilt werden müssen, dass damit tatsächlich zu rechnen ist! Selbst Teile der Lebensmittelindustrie scheinen von der nahenden Umsetzungspflicht dieser Ver-ordnung quasi eiskalt erwischt worden zu sein (auch Weihnachten kommt ja immer etwas überraschend). Da drängt sich der Verdacht auf, dass die Le-bensmittelhersteller in Deutschland mit der Bereitstellung und/oder der Überarbeitung der Datenblätter ihrer Produkte nicht „im voraus-eilenden Galopp“ handeln wollen. Schließlich wird die nationale VO, die gegebenenfalls eine detailliertere Kennzeichnung der Allergene vor-sieht (z. B. die genaue Nennung der enthal-tenen Nuss-Art statt die Erwähnung „enthält Nüsse“), wohl frühestens im ersten Quartal 2015 zur Verabschiedung kommen. Womög-lich hätte man dann seine Verpackungen mit der entsprechenden Deklaration bereits in Druck gegeben und müsste alles wieder zurück auf Los setzen. Das ist natürlich rein spekula-tiv, würde aber meine Erfahrungen bei der „investigativen Recherche“ nach den Daten-blättern der Lebensmittelhersteller bestätigen. Um nicht ungerecht zu erscheinen: Es gibt bereits viele Hersteller, die ihre Hausaufgaben ordentlich gemacht haben und Allergene, Zu-satzstoffe sowie Nährwertangaben sauber auf ihren Produkten und Datenblättern ausweisen – aber leider noch nicht alle. Besonders zu denken gibt mir, wenn sich Herstel-ler bezüglich ihres Deklarationsmanagements aus der Verantwortung stehlen wollen und die Gefahrenübergabe an ihre Kunden weitergeben. Ein Lebensmittelhersteller hat z. B. auf seinem bis zum gewerblichen Endkunden gewährleistet, wäre hier eine mögliche Lösung. Fazit Obwohl nach meiner Kenntnis Vertreter der verschiedenen Verbände bei der Erstellung der EU-VO in-volviert waren, erscheint einiges doch optimierbar. Rückfragen meinerseits bei Mitarbeitern des Gesundheitsamts (Le-bensmittelkontrolle) offenbarten z. B., dass auch in der zuständi-gen Kontrollbehörde keine Klarheit herrscht. Aussagen wie… „… die VO wird am 13.12.2014 noch gar nicht richtig greifen“ „… wir kontrollieren und sanktionie-ren die Nichteinhaltung der VO noch nicht“ „… auch nach in Kraft treten am 13.12.2014 brauchen Sie noch nicht mit Sanktionen zu rechnen“ „… wir warten erst einmal die Verabschiedung der nationalen VO ab – und die kommt frühestens im Februar 2015“ sind nicht wirklich vertrauensbildend. Nehmen wir mal den Super-Gau an: Ein Essensteilnehmer bzw. Kunde erleidet nach dem 13.12.2014 tatsächlich einen anaphy-laktischen Schock und stirbt. Dann wird dem entsprechenden Verantwortlichen sicher nicht tröstend auf die Schulter geklopft, mit den Worten: „Schlimm für den Betroffenen, aber da hier noch Unklarheit herrscht, kommen Sie rechtlich mit einem blauen Auge davon!“ Nein – man wird sich zu Recht auf die geltende EU-VO berufen und die entsprechenden rechtli-chen Konsequenzen eruieren. Es muss also dringend nachgearbeitet werden, rechtliche Schlupflöcher müssen gestopft wer-den, um nachvollziehen zu können, wo in der Kette der Informationspflicht der Fehler gele-gen hat und wer letztlich die Verantwortung tragen muss. Vielleicht wird die nationale VO hier für mehr Klarheit und Rechtssicherheit sorgen – die Hoffnung stirbt zuletzt! Timo Jahn, Geschäftsfeldleiter Gastronomie– Küche, bdks baunataler diakonie kassel Anm. d. Red.: Stand 26.11.2014 Foto: privat Warum allergisch reagiert Datenblatt per Fußnote darauf hingewiesen, dass eine Rezep-turänderung nicht automatisch zur Aktualisie-rung des Datenblatts führen würde. Der Kun-de solle sich doch bitte von der Richtigkeit der auszuweisenden Allergene auf den Verpackun-gen der Produkte informieren. Ein Unding! Dies würde in unserem und in vielen wei-teren Fällen bedeuten, dass nach Erstellung des Speiseplans, der seine Deklaration un-ter Zuhilfenahme der Datenblätter erfahren hat, alle Küchenleitungen an den Standorten überprüfen müssten, ob die Deklaration auf ih-rem Plan mit der tatsächlichen Zutatenliste auf den angelieferten Produkten übereinstimmt – absurd! Da kann man schon mal allergisch re-agieren! Übertragen auf die Automobilindustrie hieße dies, dass der Kunde ein KFZ bestellt und nach dessen Auslieferung und Übergabe überprüfen muss, ob das KFZ nicht nur den Anforderungen seiner Bestellung, sondern auch den sich gegebenenfalls geänderten ge-setzlichen Bestimmungen entspricht. Mehr Verantwortung der Hersteller! Notwendig wäre, dass auf politischer Ebene dafür Sorge getragen wird, dass die Verant-wortung auch hier tatsächlich bei dem liegt, der „Lebensmittel herstellt und in Verkehr bringt“. Lebensmittelhersteller sollten ihre Datenblätter, im Rahmen ihres QM-Systems, kontinuierlich auf ihre Aktualität überprüfen, sodass Rezepturänderungen sofort einfließen. Eine klare und gesetzlich vorgegebene Pro-zessbeschreibung, die einen unaufgeforderten Informationsfluss vom Lebensmittelhersteller Leserbrief 8 GVmanager 12/2014


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