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GVmanager_12_2014

GV-Manager des Jahres 2014 André Böwing „B R ANCHEN-NEWCOMER“ Haben Sie ein Leibgericht? Ich esse gerne gut, aber mich auf ein Leibgericht festzulegen, fällt mir schwer. Was ich allerdings gar nicht mag, ist „Münsterländer Töttchen“, eine westfäli-sche Spezialität aus u. a. Innereien, Fleisch und Zwiebeln, das man mit deftigen Brotsorten wie Pumpernickel serviert. Was unterscheidet Sie als Kind von der heutigen Jugend hinsichtlich des Ernährungsverhaltens? Ich bin selbst noch in einer Zeit aufgewachsen, in der es hieß: „Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt!“ Ich war damals aber auch nicht so anspruchsvoll wie die Kinder und Jugendlichen heute, die sich oftmals als wahre „Mar-kenjunkies“ entpuppen. Gibt es eine Person, mit der Sie gerne einmal eine Woche tauschen würden? Jamie Oliver ist ein Typ, den ich von seiner Idee her – sich für Kinder und Jugendliche einzusetzen – genial finde. Ich würde gar nicht mit ihm tauschen wollen, sondern gerne mit ihm eine Woche lang touren. Das wäre einfach „wow“ für mich. Ich würde unmittelbar mit ihm loslegen wollen und mich mit meinem gebro-chenen Englisch so gut wie möglich austauschen. Herr Böwing, herzlichen Dank für das Gespräch! sar JETZT MAL EHRLICH... Wem haben Sie als erstes von Ihrer Auszeichnung zum GV-Manager des Jahres erzählt? Natürlich meiner Familie, die sich tierisch gefreut hat – selbst meine Eltern waren sehr überschwänglich, und meinem Chef, der sich daraufhin extra für mich Zeit genommen hat. Mit meinem Team habe ich natürlich auch im Kleinen gefeiert. Es gab „Herztropfen“, so nennen wir bei uns salopp Sekt. Auf der diesjährigen Weihnachtsfeier unseres Küchenteams werden wir das aber nochmal wiederholen. Wie sind Sie zum Beruf des Kochs gekommen? Als Kind bin ich sehr landverbunden aufgewachsen, in einem kleinen Ort bei Münster. Meine Mutter stammt aus der Landwirtschaft und die Familie meines Vaters hatte eine Landmetzgerei. Eigentlich war meine Kindheit so, wie man es oftmals in Büchern liest. Als Kind habe ich meiner Mutter häufig in der Küche geholfen, indem ich z. B. Kar-toffeln geschält oder Pfannkuchenteig angerührt habe. Als es damals darum ging, einen Beruf zu ergreifen, war es so, dass mein Vater sich gewünscht hat, dass „seine Jungs“ in der Lebensmittelbranche unterkom-men: Einer meiner Brüder hat den Be-ruf des Bäckers erlernt, der andere ist im Lebensmitteleinzelhandel tätig und ich bin eben Koch geworden. Fotos: Theimer, privat Facebook-Seite entdeckt. Von diesen erhält er Zuspruch, was ihm zeigt, dass er einen richtigen und wichtigen Weg verfolgt. Fürs Leben geprägt „In meiner Laufbahn als Koch gab es immer Menschen, von denen ich positiv beein-druckt war und von denen ich etwas mitge-nommen habe“, sagt André Böwing. Dass er so geworden ist, wie er ist, hat er in großem Maße aber einem lieben Kollegen zu ver-danken, an den er sich gerne erinnert. „Mit ihm habe ich in den 90er-Jahren für einen Caterer in einem Seniorenheim gearbeitet – er als Betriebsleiter, ich als sein Stellvertre-ter“, blickt André Böwing zurück und wird nachdenklich, da dieser im vergangenen Jahr leider verstorben ist. „Instinktiv habe ich viel von ihm übernommen – egal, ob Or-ganisation, Finanzen oder Warenhaltung. Wir waren ein Dreamteam.“ sar Reibeplätzchen „rieche man dann zwar wie eine Pommesbude“ – aber der gute Zweck ist es ihm wert. Besonders am Herzen liegen dem gebür-tigen Münsteraner auch die Kinder, wel-chen er in seinem Projekt „So schmeckt das Münsterland unseren Kindern“ die Landwirtschaft näher bringt. „Erst gestern war ich noch auf Tour, auf einem Bio-Gemü-sehof – die Kinder können dabei Landwirt-schaft live erleben“, erzählt er begeistert und gibt sofort einen bebilderten Einblick: Kinder, mit selbstgeerntetem Porree; Kin-der in Gummistiefeln auf dem Acker; fertig zubereitetes Essen. „Erst ernten die Kinder das Gemüse selbst und danach bereiten wir etwas daraus zu. Natürlich gibt es immer Kinder, die sagen, sie mögen es nicht – aber probieren es dennoch“, erzählt er und freut sich kurz danach, als er Kommentare von Kollegen und lokalen Politikern auf seiner Als „umtriebiger Koch“ mit vielen Projekten hat es André Böwing bereits öfter in den GVmanager geschafft – Links zu den Beiträgen finden Sie unter: www.gastroinfoportal.de/boewing ➘ 12/2014 GVmanager 19


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